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Lady Bird

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 1. Februar 2018

Lady Bird

Mit ihren 34 Jahren kann Greta Gerwig bereits auf mehr als 40 Filme zurückblicken, doch der Durchbruch ihrer Karriere gelang ihr erst mit den beiden Indie-Perlen „Frances Ha“ und „Mistress America“.  Mit dem Coming-of-Age Film „Lady Bird“ unternimmt Gerwig nun erste Gehversuche als Regisseurin, was nicht nur beim Publikum der Filmfestspiele von Toronto hervorragend angekommen ist, sondern ebenso bei der Jury der Oscar-Nominierungen 2018.

Lady BirdDie 17-jährige Christine McPherson (Saoirse Ronan) lebt in einer Kalifornischen Kleinstadt, hat sich selbst den Namen Lady Bird gegeben und besteht mit Nachdruck darauf, dass sie damit gefälligst auch angesprochen wird. Ansonsten ist diese junge Frau ganz normal, möchte man meinen. Christine möchte nichts lieber als aus diesem Kaff von Stadt zu verschwinden, am liebsten irgendwo an die Ostküste, wo sie nicht nur das Wetter lieben wird, sondern auch die kulturelle und intellektuelle Gesellschaft.

Leider könnte der Traum von einem College weit entfernt von ihrer Familie dennoch ein Traum bleiben, denn neben finanziellen Engpässen sprechen vor allem Christines Noten dagegen. Stattdessen gibt sie auf ihrer streng katholischen Schule die kleine Rebellin, sammelt erste Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht und versucht nach wie vor ihren Kopf durchzusetzen. Leider stößt Letzteres nicht selten an seine Grenzen, was ihr von Mutter Marion (Laurie Metcalf) lautstark verdeutlichen wird.

Lady BirdGreta Gerwig konnte in der Vergangenheit mit zahlreichen Filmen und sehr ungewöhnlichen Rollen begeistern, doch wenn man ihr eines vorhalten kann, dann dass diese zuletzt stilistisch zumeist sehr ähnlich angelegt waren, was dann irgendwann doch langweilig wurde. Mit ihrem Regiedebüt „Lady Bird“ baut Gerwig nun abermals auf eines ihrer Drehbücher, wenn sie von einer rebellischen jungen Frau berichtet, die ohne weiteres autobiografische Züge Gerwigs haben könnte.

Mit nur 34 Jahren das Debüt als Regisseurin, kann man tatsächlich genug Erfahrung aufbringen, um diesen Job nicht nur voller Hingabe, sondern auch erfolgreich zu meistern? Dass dies durchaus funktionieren kann, bewies Xavier Dolan bereits unzählige Male, doch auch wenn man ihn als kanadisches Wunderkind auf dem Regiestuhl bezeichnet, steht ihm Gerwig in kaum einer Hinsicht nach. Diese weiß nämlich mit einer packenden Geschichte zu bezaubern, mit unmöglichen Figuren, gleichwohl aber auch mit Reaktionen dieser, die man durchaus nachvollziehen kann.

Lady BirdEben dies findet sich in der Figur der 17-jährigen Christine McPherson wieder, die, mitten in der Pubertät steckend, genug von allem hat. Ihre Mutter kann sie nicht verstehen, die finanziellen Argumente hat sie satt und außerdem kann sie ihre Schule nicht mehr sehen, die sowieso mit einem verlogenen pädagogischen Programm daher kommt. Rebellion heißt das Zauberwort, und diesem geht sie 90 Minuten lang nach. Dem einen oder anderen älteren Zuschauer mag dies bekannt vorkommen, denn wenn man sich darin nicht selber wiedersieht, dann womöglich im Ansatz die eigenen Kinder.

Es geht aber nicht nur um Rebellion gegen die Eltern und die Gesellschaft um einen herum, es geht vor allem um das Entdecken von Neuem, um einen Lernprozess und irgendwann, vielleicht, um einen Hauch von Erkenntnis. Greta Gerwig vermag mit diesen Themen zu spielen, sie aneinanderzureihen, um dann wieder mit dem Gewohnten zu brechen. Sehenswert ist dabei vor allem die Episode rund um den Vortrag über Abtreibungen (in einer katholischen Schule!), überragend der gemeinsame Kauf des Ballkleids in einem Second-Hand-Laden. Gerade an dieser Stelle wird die eigenwillige Mutter-Tochter-Beziehung auf eine harte Probe gestellt, denn trotz aller Rebellion wünscht man sich manchmal nichts sehnlicher als ein kleines Lob und ein paar warmherzige Worte.

Trotz ihres jungen Alters ist Greta Gerwig mit „Lady Bird“ ein einmaliges Regiedebüt gelungen, das bei fünf Oscar-Nominierungen gute Chancen auf einen der begehrten Preise hat. Eine wunderschöne Coming-of-Age Geschichte, die wir jedem nur ans Herz legen können.

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Wir vergeben daher 8 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Universal Pictures

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Lady Bird

Länge: 94 min

Kategorie: Comedy, Drama

Start: 19.04.2018

cinetastic.de Filmwertung: (8/10)

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Lady Bird

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 94 min
Kategorie: Comedy, Drama
Start: 19.04.2018

Bewertung Film: (8/10)

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