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Call Me by Your Name

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 25. Februar 2018

Call Me by Your Name

Bei den Filmfestspielen von Sundance etablierte sich Luca Guadagninos „Call Me by Your Name“ zum echten Publikumsliebling, denn die Liebe zweier Männer wird hier so ehrlich und aufrichtig dargeboten, dass selbst Kritiker der internationalen Presse ins Schwärmen gerieten. Ab dem 01. März 2018 kann man sich nun auch in den deutschen Kinos ein Bild dieses außergewöhnlichen Filmes machen, dessen Finale wohl kein Herz unberührt lassen wird.

Call Me by Your NameItalien im Sommer des Jahres 1983: In einer großen Villa aus dem 17. Jahrhundert lässt es sich der 17-jährige Elio (Thimotée Chalamet) gut gehen, denn wenn er nicht grade ein Buch vor der Nase hat oder auf dem Klavier spielt, durchstreift er unter der heißen Sonne Italiens die Gegend. Sein Vater (Michael Stuhlbarg) beschäftigt sich als Professor für antike Ausgrabungen derzeit mit alten Objekten, während seine Mutter in aller Ruhe Gedichte ins Italienische übersetzt.

Eines Tages kommt der 24-jährige Amerikaner Oliver (Armie Hammer) zu Besuch, der nicht nur über den Sommer Elios Vater helfen wird, sondern mit seinem gebildeten Auftreten sofort Eindruck auf ihn macht. Der junge Schönling aus den Staaten kennt sich aber nicht nur mit antiken Gegenständen aus und so bringt er ein ums andere Mal Elios Gefühle durcheinander, der damit anfangs nicht richtig umzugehen weiß. Eine Sommerliebe scheint sich anzubahnen, über die sich Elio noch gar nicht richtig im Klaren ist.

Call Me by Your NameBasierend auf André Acimans Roman „Ruf mich bei deinem Namen“ erschuf Luca Guadagnino eine der wohl schönsten Liebesgeschichten (des queeren Kinos) der letzten Jahre. Das Überraschende dabei ist, dass Guadagnino die Geschichte zeitlich vorverlegt hat, was insbesondere im historischen Kontext gesehen werden soll, war die Liebe zweier Männer im Jahre 1983 doch alles andere als normal.

Luca Guadagnino war noch nie ein Mann der großen Worte, stattdessen ließ er Taten und vor allem Gefühle sprechen, über welche die Handlung vorangetrieben wird. In „Call Me by Your Name“ ist dies kaum anders, denn in seiner neuesten Inszenierung, die mehr als zwei Stunden lang ist, lässt er es sich nicht nehmen selbst kleinste Gefühle zu zeigen. Dabei baut er vor allem auf eine lange Einführung der Geschichte, wenn er die Umgebung der intellektuellen Familie zeichnet und dabei nur langsam erste Gefühle entstehen lässt.

Call Me by Your NameEine kurze Begrüßung von Elio an den Kollegen seines Vaters gegenüber, dieser legt ihm später freundschaftlich eine Hand auf die Schulter, die dieser wiederum abzuwehren versucht. Elio ist sich nicht im Klaren seinen Gefühlen gegenüber, gleichwohl tritt der wesentlich ältere Oliver forsch auf, was wiederum doppeldeutig interpretiert werden kann. Beide kommen sich näher, gehen wieder einen Schritt zurück, um irgendwann, in weiter Ferne, eine mögliche Liebe füreinander eingestehen zu können.

Bis es aber soweit ist, befindet sich der Zuschauer zumeist in einer rein beobachtenden Rolle. Es gibt kleine Monologe über Obst und die Bedeutung des Namens Pfirsich, es gibt lange Kamerafahrten und es gibt viele beobachtende Szenen, in denen Figuren Alltägliches unternehmen. Wir sehen diese beim Essen, beim Schlafen oder einfach nur beim Warten, wenn eine ältere Frau Elio und Oliver ein Glas Wasser holen geht.

Für „Call Me by Your Name“ benötigt der Zuschauer zweifelsohne Zeit, gleichwohl wird er aber auch mit einem sehenswerten Gefühlskino belohnt, an dessen Ende viele offene Fragen stehen werden. Fühlt sich Elio mit seinen 17 Jahren zu beiden Geschlechtern hingezogen? Ist dies mehr als nur ein Sommerflirt und wie geht es weiter mit Oliver? In einem sehenswerten Vater-Sohn-Gespräch werden einige Fragen am Ende beantwortet, ganz andere bleiben ungesagt, wodurch der Zuschauer abermals aus seiner beobachtenden Rolle heraus seine ganz eigenen Rückschlüsse ziehen kann.

Luca Guadagninos „Call Me by Your Name“ vermag vor allem mit seiner ehrlichen Geschichte zu überzeugen, bei der die zaghafte Liebe zweier Männer zu einer Zeit im Mittelpunkt steht, als diese alles andere als alltäglich war. Großartig gespielt von Armie Hammer und Timothée Chalamet, was mit gleich vier Oscar-Nominierungen belohnt wurde.

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Wir vergeben daher 7,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Sony

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Call Me by Your Name

Länge: 132 min

Kategorie: Drama, Romance

Start: 01.03.2018

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

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Call Me by Your Name

Call Me by Your Name

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 132 min
Kategorie: Drama, Romance
Start: 01.03.2018

Bewertung Film: (7,5/10)

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