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Black Panther

Geschrieben von Frank Schmidke am 7. Februar 2018

Nach offizieller Zählart ist der Superhelden-Blockbuster „Black Panther“ der 18. Film im Marvel Cinematic Universe, das im Grunde um die Superheldentruppe „The Avengers“ aufgebaut wurde. Fans werden wissen, dass sich das MCU inzwischen in der dritten Phase befindet und sich im Frühjahr mit dem nächsten Avengers-Film „Inifinty War“ ein weiterer Höhepunkt an Action-Bombast und CGI-Schaulaufen ankündigt. Zuvor allerdings bekommt Marvels erster afroamerikanischer Superheld seinen eigenen Film: „Black Panther“. Das Action-Epos von Regisseur Ryan Coogler spielt gekonnt mit Versatzstücken afroamerikanischer Identität und sorgte in den USA schon vor dem Kinostart für einigen Rummel. Dabei ist „Black Panther“ ein ziemlich eigenständiger und großteils sehr sehenswerter Superhelden-Film geworden.

Der fiktive afrikanische Binnenstaat Wakanda gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Nach dem Anschlag auf die Vereinten Nationen in Wien (zu sehen in Captain America: Civil War“) braucht das Land zudem ein neues Staatsoberhaupt, denn König T’Chaka ist einem Bombenattentat zum Opfer gefallen. Zwar ist T’Chakas Sohn T’Challa (Chadwuick Boseman) der erste Anwärter auf den Thron, aber unter den fünf Stämmen Wakandas ist es Usus, den Thronfolger in rituellem Kampf herauszufordern.

T’Challa aber hat ganz andere Sorgen. Zunächst hätte er seine Ex Nakia (Lupita Nyong’o), eine Geheimagentin Wakandas, gerne bei dem Ritual an seiner Seite, und dann wäre da noch die Jagd nach dem Mörder des Vaters, dem Schurken Ulysses Klaue (Andy Serkis), der die Geschicke Wakandas schon seit mehr als einer Generation behindert. Denn was niemand weiß und was die Nation Wakanda immer verheimlicht hat, ist der immense Reichtum und die fortgeschrittene Technologie des afrikanischen Landes. Diese resultiert aus der Verfügbarkeit von Vibranium, dem seltensten und wertvollsten Metall der Erde, das durch einen Meteoriteneinschlag in Wakanda gelandet ist.

Vibranium ist es letztlich auch, das den König von Wakanda gleichzeitig zu einer übermächtigen Inkarnation der Panther-Gottheit werden lässt, zu Black Panther, dem Beschützer Wakandas. Es mag Zufall sein, dass der zwielichtige Ex-Söldner Eric Killmonger (Michael B. Jordan) ein Vibranium-Artefakt aus einem Londoner Museum klaut, gerade während sich T’Challa auf die Suche nach Ulysses Klaue macht. Begleitet von Nakia und Okoye (Danai Gurira), der Befehlshaberin der Leibgarde, und technisch unterstützt von Schwester Shuri (Letitia Wright) nimmt T’Challa eine Spur nach Busan auf. In Südkorea taucht unvermittelt ein alter Bekannter T’Challas auf, der amerikanische Agent Everett Ross (Martin Freeman).

Es war zuletzt immer ein großer Knackpunkt, dass die einzelnen Filme aus dem Marvel Cinematic Universe ohne Vorgeschichte kaum noch zu verstehen wären. Was dem Comic-Fan als epische Fortschreibung einer Saga gilt, ist dem Zuschauer, der einfach gute actionhaltige Unterhaltung sucht, zuviel Ballastwissen. Allerdings gilt diese Aussage eigentlich nicht für jene Filme mit den Helden aus der zweiten Reihe. Während man die Hauptfilme um die „Kern-Avengers“ in der Tat nur schwer nachvollziehen kann, sind Neulinge wie „Ant-Man“, „Doctor Strange“ und nun auch „Black Panther“ sehr wohl ohne Vorwissen zu genießen. Denn diese Filme erzählen vor allem so genannte Origin-Stories, also jene Geschichte, wie der jeweilige Protagonist überhaupt zu einem Superhelden wird. Und dabei haben die jeweiligen Regisseure durchaus Spielraum, was die Genrezuweisung und Ausformulierung der Charaktere angeht.

Black Panther wurde bereits 1966 erfunden und gilt als erster Superheld afroamerikanischer Abstammung überhaupt. Eben jener farbigen Abstammung räumt Regisseur und Co-Autor Ryan Coogler („Nächster Halt: Fruitvale Station“) einen sehr großen Raum in der Geschichte ein. Kein Wunder also, dass „Black Panther“ in der afroamerikanischen Communitiy bereits heftig abgefeiert wird. Analog zu „Wonder Woman“ vom Rivalen DC-Comics sorgt der schwarze Panther für Diversität in der Superhelden-Gemeinschaft. Im Grunde liegt in der geheimen Existenz einer überlegenen afrikanischen Zivilisation schon fast ein magisches Heilsversprechen, aber auch in der – zugegeben recht bunten – Darstellung der Stämme zwischen Folklore und Ethnizität schwingt ein selbstbewusster, aber nicht überheblicher Stolz mit. Und schließlich ist der zukunftsweisende Konflikt, vor dem Wakanda in Person von T’Challa steht, eben jener Unterschied, der schon zwischen den Positionen von  Malcolm X und Martin Luther King bestand.

Das ist in Zeiten, in denen die US-amerikanische Künstlergemeinschaft mit dem derzeitigen Präsidenten unzufrieden ist, durchaus auch ein politisches Statement. Aber Ryan Coogler, der es schon mit der „Rocky“-Fortsetzung „Creed“ geschafft hat, afroamerikanische Themen in das Mainstream-Kino zu bringen, wäre kein guter Filmmacher, wenn er seine Botschaft auf plumpe Weise anbieten würde. Und so ist eine der größten Herausforderungen (und nebenbei auch eine der größten Altlasten), die Wakandas neuer König zu meistern hat, die Frage, ob und wie der fortschrittliche Staat der Welt hilft und eben gerade den Schwestern und Brüdern derselben Rasse, die seit Jahrhunderten ausgebeutet werden. Diese Grundsatzentscheidung wird zwischen Black Panther und seinem Widersacher Eric Killmonger auf recht physische Weise ausdiskutiert.

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Inhaltlich macht „Black Panther“ vieles richtig, kommt ohne Cameos und Gastauftritte anderer Superhelden aus und ist sich selbst genug. Überzeugen kann auch der ganze technische Schnickschnack und die Casino-Szene, die in fast archetypischer „James Bond“ –Manier aufgebaut ist und in eine rasanten Auto-Verfolgungsjagd mündet. Viele Action-Sequenzen kommen eher handfest daher, das fügt sich stimmig in die traditionsbewusste Stammeskultur Wakandas. Aber es gibt auch einige Schwachpunkte zu vermelden, so etwa die seit einigen Filmen für Marvel typischen schluderig inszenierten und gerenderten Action-Sequenzen, die optisch einfach schlampig sind und auch in 3D nicht besser aussehen. Dazu gehört auch die immergleiche Action-Dramaturgie die auf eine epische Keilerei mit viel Kollateralschaden hinausläuft.

Mit „Black Panther“ tritt erstmals ein afroamerikanischer Superheld ins Rampenlicht. Dessen Inthronisation im weiten Cinematic Universe des Marvel/Disney Konzerns kann man getrost ohne Nerd-Vorbildung genießen. „Black Panthers“ Auftritt überzeugt mit Frische und mit viel Selbstbewusstsein.

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Wir vergeben daher 8 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Walt Disney / MArvel studios

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Länge: 134 Minuten

Kategorie: Action, Adventure, Sci-Fi

Start: 15.02.2018

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Info

Black Panther

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 134 Minuten
Kategorie: Action, Adventure, Sci-Fi
Start: 15.02.2018

Bewertung Film: (8/10)

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