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Wunder

Geschrieben von Frank Schmidke am 22. Januar 2018

Das amerikanische Wohlfühl-Drama „Wunder“ erzählt die Geschichte des netten und smarten Jungen Auggie, der an einer schlimmen Entstellung im Gesicht leidet, und nun in eine öffentliche Schule gehen soll. Mit Julia Roberts und Owen Wilson in den Rollen der sympathischen Eltern kann in der Bestsellerverfilmung kaum noch etwas schief gehen, denn auch Kinderdarsteller Jacob Tremblay spielt seine Rolle sehr überzeugend. „Wunder“ verläuft zwar recht absehbar, kann unterwegs aber einige Sympathiepunkte einsammeln.

„Auggie“ Pullman (Jacob Tremblay) leidet seit seiner Geburt an einem seltenen Gendefekt, der sich Kraniofaziale Fehlbildung nennt. Nach etlichen chirurgischen Eingriffen sieht sein Gesicht zwar immer noch alles andere als normal aus, aber gesundheitlich ist die Angelegenheit nicht mehr gravierend. Inzwischen ist Auggie zehn und seine Eltern, Isabel (Julia Roberts) und Nate (Owen Wilson) haben beschlossen, Auggie in eine reguläre Schule zu schicken und nicht mehr zu Hause zu unterrichten.

Eigentlich ist das dem klugen und neugierigen Auggie auch ganz recht, aber ihm ist schon ziemlich bange. Da helfen auch die aufmunternden Bemerkungen seiner älteren Schwester Via (Izabel Vidovic) nichts. Und bei der Einführung für den Neuen lernt Auggie auch gleich ein paar Mitschüler kennen. Außerdem bekommt die Klasse einen neuen Lehrer.

Und so scheinen sich die Ängste der Pullmanns bezüglich Auggies Schulbesuch zunächst in Luft aufzulösen. Aber je besser sich Auggie an die neue Situation und die Mitmenschen gewöhnt, desto komplizierter wird auch die Interaktion, und Rückschläge in Sachen Freundschaft lassen sich nicht vermeiden.

Veränderungen in Freundschaftsbeziehungen erleidet auch Auggies Schwester Via, als ihre bis dato beste Freundin scheinbar während der Ferien beschlossen hat, nun zu der angesagten Mädchen-Clique gehören zu wollen. Daher nimmt sie Via kaum noch wahr. Stattdessen stellt sich aber ein neuer Mitschüler ein, der ganz sympathisch zu sein scheint.

Im Grunde ist Stephen Chboskys („Vielleicht lieber morgen“) Drama um den außergewöhnlichen Auggie eine recht absehbare Geschichte um Freundschaft und die Suche nach der eigenen Selbständigkeit. In „Wunder“ wird auch stimmungsmäßig schnell klar, dass es vorraussichtlich nicht allzu tragisch werden wird, denn als Off-Erzähler schlägt Auggie gleich einen aufmunternden Ton an.

Da es sich bei der Geschichte um eine Bestsellerverfilmung handelt, hatte Chbosky, der auch das Drehbuch verfasste, eine Vorlage zur Hand, die emotional funktioniert, und es gelingt „Wunder“ auch aufgrund der erstklassigen Besetzung die Stimmung der Vorlage zu transportieren.

Die Roman-Autorin R.J. Palacio schrieb 2012 mit ihrem Debütroman „Wunder“ eine vielfach ausgezeichnete Geschichte, die auch davon lebt, dass sie nicht nur Auggies Entwicklung erzählt, sondern die Perspektive zu wechseln versteht, so dass ein familiärer Mikrokosmos entsteht. Auch die Verfilmung handhabt die unterschiedlichen Perspektiven vorlagengetreu. So gelingt es dem Film „Wunder“ in einigen Momenten sehr authentische kindliche und jugendliche Befindlichkeiten einzufangen.

Das ist nicht immer nur auf die Probleme des außergewöhnlichen, weil von der Erkrankung gebeutelten Kind zugeschnitten. Nein, auch Auggie weiß, wie die meisten Kids, seine Stellung manipulativ einzusetzen und sich in den Vordergrund zu drängen. Das wird besonders klar, wenn Schwester Via die Erzählung übernimmt und von ihren Teenager-sorgen und –Nöten berichtet. Auch Auggie muss seinen Teil dazu beitragen, dass sich die Beziehungen in seiner noch kleinen, aber ständig wachsenden Welt normalisieren.

An dieser Stelle ist ein Lob für die Besetzung angesagt. Während man bei den Stars Julia Roberts und Owen Wilson, sowie Mandy Patinkin als Schuldirektor davon ausgehen kann, dass sie für sympathische Identifikationsfiguren sorgen, gelingt es vor allem den jugendlichen Darstellern um Jacob Trembley („Raum“, „Book Of Henry“), die Aspekte der Story lebendig zu gestalten. Vor allem Noah Jupe als Jack Will, der als braver Vorzeigeschüler zu Auggies Ansprechpartner ausgewählt wird und sich erst an den seltsam aussehenden Neuen gewöhnen muss, sorgt für einige Dynamik im Spiel der jungen Leute.

Gegen Ende des Films wird es dann nach einigen Höhen und Tiefen für die Charaktere vielleicht doch etwas pathetisch, aber im US-amerikanischen Mainstream-Kino liegen haufenweise Fallstricke zum Kitsch, quasi als Stolperfallen auf dem Weg zur Schule. Wenn der kindliche Astronaut Auggie mit seinem Raumfahrerhelm und seinem Hang zu Verkleidungen als Vorbild herausstellt wird und sich (fast) alle Konflikte halbwegs lösen lassen, wird sicher auch der letzte Zuschauer die Botschaft von Freundschaft und Akzeptanz verstanden haben.

Auch wenn der US-amerikanische Wohlfühl-Film „Wunder“ an einigen Stellen und vor allem gegen Ende arg überzuckert daherkommt, wird die Botschaft der Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers nicht weniger wichtig. Die Leichtigkeit der Inszenierung und die Klasse des Ensembles sorgen für gute Unterhaltung.

 

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Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Studiocanal

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Wunder

Länge: 113 min

Kategorie: Drama, Family

Start: 25.01.2018

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 113 min
Kategorie: Drama, Family
Start: 25.01.2018

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