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Wind River

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 2. Januar 2018

Wind River

Die Probleme in den US-amerikanischen Reservaten sind stets dieselben und dennoch schauen die meisten Menschen weg. In seinem Regiedebüt legt Taylor Sheridan den Finger offen in die Wunde, wenn er mit „Wind River“ ein sehr reduziertes Crime-Drama dem Zuschauer präsentiert, das noch lange in Erinnerung verweilt.

Wind RiverDer Jäger und Fährtenleser Cory Lambert (Jeremy Renner) durchstreift die weiße Winterlandschaft an der Grenze eines Indianerreservats, da stößt dieser auf einen grausigen Fund. Die 18-jährige Natalie (Kelsey Asbille) ohne Schuhe, blutverschmiert und offensichtlich sogar vergewaltigt, meilenweit von jeder Siedlung entfernt. Für die örtliche Polizei ist dieser Fall nicht handhabbar, woraufhin das FBI die noch junge Absolventin Jane Banner (Elizabeth Olsen) vorbei schickt, die weder Erfahrung in Mordfällen dieser Art hat, noch irgendein Gespür für die dort lebenden Menschen besitzt.

Die Unerfahrenheit ist Jane ins Gesicht geschrieben, weswegen sich Cory dazu berufen sieht, ihr zu helfen. Es ist aber nicht nur der Wille, den Mordfall möglichst bald aufzuklären, es ist vor allem ein Stück Vergangenheit, das dieser endlich zurücklassen will. Vor vielen Jahren ist nämlich seine eigene Tochter in diesen Bergen verschwunden, woraufhin nicht nur seine Ehe in die Brüche ging, sondern gleichfalls sein Vertrauen in die Justiz. Nun versucht er alles besser zu machen, ebenso aber auch ein Stück Vergangenes zu bewältigen, um womöglich den Mörder seiner eigenen Tochter zu finden.

Wind RiverBei den letztjährigen Filmfestspielen von Cannes war „Wind River“ als kleines, aber feines Drama zu bewundern, das anfangs wenig beachtet, später aber mit jeder Menge positiver Stimmen bedacht wurde. Für Drehbuchautor Taylor Sheridan (Hell or High Water, Sicario) stellte „Wind River“ sein Debüt als Regisseur dar, wofür er das Drehbuch natürlich auch selbst beisteuerte.

Im Grunde ist „Wind River“ ein sehr geradliniges Crime-Drama, das bis auf eine kurze Wendung kaum nennenswerte Überraschungen für den Zuschauer bereit hält. Letztere wären hier aber auch kaum möglich gewesen, denn in der schneebedeckten und eisigen Landschaft von Wyoming leben nicht nur kaum Menschen, es ist auch kaum etwas los. Dahingehend dreht sich vieles um den zurückgezogenen Cory, der noch immer das Verschwinden seiner Tochter aufzuarbeiten versucht, gleichfalls aber auch um die junge FBI Agentin, der erstmals ein Fall zugeteilt wurde.

Wind RiverEben dieser Fall scheint für das FBI absolut unbedeutend zu sein, denn wo man sich mit dem Recht in einem Reservat kaum abgeben möchte, widmet man diesem Fall erst recht keine Ressourcen. So unterschiedlich Cory und Jane aber auch sind, zusammen ergänzen sie sich nahezu perfekt, woraufhin der Fall langsam aufgerollt wird. Eben diese Lösung des Falls geschieht hier aber weniger durch Recherche oder das Zusammenfügen von Beweisen, als vielmehr zufällig, wenn man von einem Problem ins andere stolpert und irgendwann nur noch der Täter übrig bleibt.

Wo eine spannende Krimi-Handlung nicht unbedingt gegeben ist, muss der Rest eben stimmen, und der stimmt! Jeremy Renner (The Avengers: Infinity War) gibt wunderbar den wortkargen Einzelgänger, der selbst nach einem Schneesturm (!) noch Spuren lesen kann, während Elizabeth Olsen (Godzilla) eine durchaus sehenswerte Wandlung durchmacht, wenn sie damit beginnt die Menschen im Reservat zu verstehen. Natürlich darf bei alledem eine gehörige Portion Sozialkritik nicht fehlen, mit der sich Regisseur und Drehbuchautor Taylor Sheridan zu keinem Zeitpunkt zurück hält. Das Leben im Reservat ist trostlos, die Menschen haben keine Perspektive, keinen Job, sind vielmehr Alkohol und Drogen verfallen. Dem Staat geht dies alles – überspitzt gesagt – am Hintern vorbei, was in so mancher Szene sehr deutlich gemacht wird.

Was bleibt, sind wunderschöne Landschaftsbilder, eine sehr zurückhaltende Musikuntermalung und die Gewissheit, eine kleine, aber feine Filmperle gesehen zu haben.

Mit „Wind River“ schafft Taylor Sheridan ein wirklich gelungenes Debüt als Regisseur, bei dem er geschickt die Elemente eines Crime-Dramas mit einer ordentlichen Portion Gesellschaftskritik zu verbinden versteht.

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Wir vergeben daher 7,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Wild Bunch

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Wind River

Länge: 107 min

Kategorie: Crime, Drama, Mystery

Start: 08.02.2018

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

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Info

Wind River

Wind River

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 107 min
Kategorie: Crime, Drama, Mystery
Start: 08.02.2018

Bewertung Film: (7,5/10)

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