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Die Spur

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 2. Januar 2018

Die Spur

Bilder von anklagenden Tierschützern sind in Deutschland nichts neues. Das diese sich nackt und mit künstlichem Blut bespritzt in die Fußgängerzone stellen, ist verwerflich, doch auch damit können die meisten von uns inzwischen leben. In Polen sieht dies allerdings noch immer ganz anders aus, denn wo noch immer große Mengen an Fleisch konsumiert werden, tut man sich mit Vegetariern entsprechend schwer.

Die SpurIn einem kleinen Dorf an der polnisch-tschechischen Grenze lebt die alte und etwas quirlige Janina Duszejko (Agnieska Mandat-Grabka). Wenn sie nicht gerade mit ihrer Englischklasse unterwegs ist, macht sie am liebsten mit den beiden Hunden die angrenzenden Wälder unsicher, doch ausgerechnet diese sind eines Tages verschwunden. Zusammen mit ein paar Kindern versucht sie die Hunde schließlich zu finden, doch mit Ausnahme einiger Tierkadaver, erlegt von den zahlreichen Jägern, ist im Wald nicht viel zu entdecken.

Die Vermutung steht natürlich nahe, dass ihre Hunde von Jägern erschossen wurden, woraufhin sie sich nicht nur zur Polizei, sondern ebenso zum Oberhaupt der Kirche begibt. Von allen Instanzen wird Janina jedoch nur belächelt, denn wo der Mensch von der Jagd lebt, ist tierisches Leben nicht allzu viel wert. Eines Tages wird schließlich die Leiche eines Jägers gefunden, woraufhin kleine Fußspuren auf Tiere als Täter hindeuten. Schlagen eben diese Tier nun tatsächlich zurück, oder hat man es hier mit einem sehr gerissenen Täter zu tun?

Die SpurAuf der letztjährigen Berlinale wurde „Die Spur“ mit dem Alfred-Bauer-Preis gewürdigt, in Kürze nun darf er als Polens Beitrag für die kommenden Oscars an den Start gehen. Basierend auf dem Roman „Der Gesang der Fledermäuse“ von Olga Tokarczuk, ist Regisseurin Agnieszka Holland eine sehr vielschichtige Verfilmung gelungen, die als Öko-Thriller genauso funktioniert wie als verschrobener Krimi.

Entgegen der Buchvorlage legt sich Agnieszka Holland allerdings recht früh auf das Genre fest, denn wo die im Mittelpunkt stehende Janina fest als Tierschützerin etabliert wird, bleiben alle anderen Figuren zum doch zum Großteil recht blass. Egal ob dies die zahlreichen Jäger sind, die Polizisten oder auch das Kirchenoberhaupt, Profil hat keine dieser Figuren, was dem Werk nachhaltig anzulasten ist. Da sich der Zuschauer so bereits recht früh in die Enge gedrängt sieht, ist der weitere Verlauf des Films klar vorgegeben.

Die SpurStilistisch versteht „Die Spur“ durchaus zu gefallen, denn mit kurzen Texteinblenden wird dem Zuschauer die Jagdsaison verdeutlicht, die über die verschiedensten Tierarten hinweg wohl das ganze Jahr anzudauern scheint. Genau darin verdeutlicht sich nun auch das Krimi-Element, denn zu den verschiedensten Jahreszeiten werden fortan Jäger auf unterschiedlichste Art und Weise ermordet. Stets bleiben Fußspuren von Tieren zurück, kleine Knochenreste oder allerhand anderer Beweise, die auf eine Rache der Tiere zurückschließen lassen.

Leider geht eben dieser Kniff nicht im Ansatz auf, denn wo der Zuschauer den Mörder schon bald erahnen kann, gehen vor allem die endlosen Monologe von Janina gehörig auf den Geist. Mit den wildesten Theorien versucht sie die Tiere in Schutz zu nehmen, gleichwohl geht sie dabei aber auch so weit, dass sie Gefühle anderer offen mit Füßen tritt. Janina ist eine Figur, die kaum zu gefallen versteht, die aneckt, gleichwohl aber auch polarisiert. Für den einen Zuschauer mag dies eine vertretbare Reaktion sein, ganz andere sehen sich schon bald in der Defensive, wenn man beginnt die Polizei zu verstehen.

Aber wie auch immer man inhaltlich dazu auch stehen mag, „Die Spur“ versteht es mit interessanten Ideen zu unterhalten und auf visueller Ebene zu gefallen. Zweifelsohne eine gelungene Kameraarbeit, die auf auditiver Ebene positiv unterstützt wird.

Der Öko-Thriller „Die Spur“ ist ein recht eigenartiger Film, der mit zahlreichen Elementen zu Gefallen versteht, mit ganz anderen den Zuschauer aber auch offen vor den Kopf stößt. Polens Beitrag für die kommende Oscar-Verleihung, dem allerdings nur geringe Chancen einzuräumen sind.

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Copyright: Film Kino Text

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Die Spur

Länge: 128 min

Kategorie: Crime, Drama, Mystery

Start: 04.01.2018

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Die Spur

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 128 min
Kategorie: Crime, Drama, Mystery
Start: 04.01.2018

Bewertung Film: (6/10)

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