cinetastic.de - Living in the Cinema

Die Grundschullehrerin

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 30. Januar 2018

Die Grundschullehrerin

In den Medien liest man immer wieder von sogenannten Helikoptereltern, jenen, die überfürsorglich um ihre Kinder herum tanzen und dabei nicht nur den Kindern jedwede natürliche Entwicklung berauben, sondern auch den Lehrern gehörig auf die Nerven gehen. In dem französischen Drama „Die Grundschullehrerin“ geht es zwar nicht um nervende Eltern, dafür aber um den Lehrerberuf, der sich bei manch einem auch als Berufung herausstellen kann.

Die GrundschullehrerinIn einer französischen Kleinstadt betreut Florence Mautret (Sara Forestier) die fünfte Klasse an einer Grundschule. Die alleinerziehende Mutter hat es dabei alles andere als leicht, denn während alle Kinder um ihre Aufmerksamkeit buhlen, muss sie ausgerechnet bei ihrem eigenen Sohn Denis (Albert Cousi) einen Spagat vollziehen. Denis geht nämlich ebenso in ihre Klasse, weiß vieles besser und möchte am liebsten für ein Jahr mit seinem Vater nach Indonesien fahren, was Florence natürlich alles andere als einsehen mag.

Eines Tages wird der junge Sacha Drouet (Ghillas Bendjoudi) von einer Kollegin in ihrer Klasse abgeladen, da dieser sein Badezeug vergessen hat. Sacha ist bereits auf den ersten Blick ein ungewöhnliches Kind. Er riecht etwas streng, seine Sachen sind verschmutzt und außerdem hat er jede Menge Bargeld bei sich, das er angeblich von seiner Mutter bekommen hat. Nach einem klärenden Gespräch stellt sich schließlich heraus, dass eben diese den Jungen bereits vor zwei Wochen verlassen hat, seitdem ist er allein, was so natürlich nicht vorkommen darf. Eine kurze Rückfrage beim Notfallkontakt ergibt auch keine befriedigende Antwort, denn Lieferdienstfahrer Mathieu (Vincent Elbaz) hat sich bereits vor vielen Jahren von Sachas Mutter getrennt. Nun liegt es an Florence eine Lösung zu finden, doch dies ist einfacher gesagt als getan.

Die GrundschullehrerinIn den deutschen Kinos waren in den letzten Jahren zahlreiche Filme über die Schule zu sehen, doch wo diese oft als Komödie aufbereitet waren, fehlte es an einem Stoff, der den harten Alltag der Lehrer zeigte. Mit Hélène Angels (Propriété interdite) Drama „Die Grundschullehrerin“ kann man diese Lücke nun zumindest im Ansatz schließen, denn obwohl man auch hier Defizite im Drehbuch ausmachen kann, gibt dieses doch den lauten und vor allem chaotischen Alltag einer Grundschule recht treffend wieder.

Letzteres steht hier aber nicht unbedingt im Mittelpunkt der Geschichte, denn es geht vielmehr um Florence, die ihren Job nicht unbedingt als Beschäftigung, sondern vielmehr als Berufung zu sehen versucht. Zusammen mit ihrem Sohn wohnt sie in der Schule, nach dem Unterricht kümmert sie sich um Probleme von Lehrern und Schülern, und wenn letztere mal nicht abgeholt werden, kümmert sie sich auch noch darum. Sohn Denis fühlt sich bei alledem alles andere als wohl, denn wenn er nur einen Wunsch frei hätte, würde er sich des Abends eine Mutter und keine Klassenlehrerin wünschen.

Die GrundschullehrerinGenau hier fängt auch die eigentliche Botschaft des Films an, denn mit dem Eintreffen des verwahrlosten Sacha wird die Führsorge von Florence schließlich auf die Spitze getrieben. Plötzlich führt sie lange Gespräche mit dessen Notfallkontakt, versucht dessen Mutter zu finden und unternimmt alles, damit dieser nicht ins Heim eingeliefert wird. Dabei wird gerade sie als Mutter für ihren eigenen Sohn gebraucht, doch wenn man seinen Beruf liebt und ihn nach der Arbeit noch weiter lebt, kann eine Trennung irgendwann nicht mehr gewahrt werden.

Neben dem Thema Beruf und Berufung gibt es allerdings noch zahlreiche Nebengeschichten, die Hélène Angel anzusprechen versucht, was drehbuchtechnisch allerdings nicht immer gelingen will. Da haben wir beispielsweise ein behindertes Kind, das ganz besonders betreut werden muss, eine Analphabetin, die Hilfe beim Lesen benötigt, und diverse Konflikte innerhalb der Lehrerschaft, die ausgetragen werden müssen. Nicht alle Themen werden dabei konsequent verfolgt, ganz andere lösen sich plötzlich so schnell und unerwartet, dass jedwede Glaubwürdigkeit verloren geht.

Trotz dieser inhaltlichen Schwächen macht „Die Grundschullehrerin“ insbesondere durch Hauptdarstellerin Sara Forestier (Die unerschütterliche Liebe der Suzanne) unheimlich Spaß, die sich den Kindern mit viel Geduld und Zuneigung widmet, dabei das eigene Leben aber außer Acht lässt. Definitiv das Bild einer Lehrerin, die ihre Arbeit nicht als Beruf, sondern als Berufung versteht.

Hélène Angels „Die Grundschullehrerin“ ist ein sehr realitätsnahes Drama, das den chaotischen Alltag einer Grundschulklasse wiederzugeben versucht. Wo die Inszenierung kleinere Drehbuchschwächen aufweist, punktet diese doch mit einer überzeugenden Sara Forestier.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Alamode

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden
Die Grundschullehrerin

Länge: 105 min

Kategorie: Drama

Start: 15.02.2018

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (0,0/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten!

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

Die Grundschullehrerin

Die Grundschullehrerin

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 105 min
Kategorie: Drama
Start: 15.02.2018

Bewertung Film: (6/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (0,0/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten