Alles Geld der Welt › cinetastic

cinetastic.de - Living in the Cinema

Alles Geld der Welt

Geschrieben von Frank Schmidke am 23. Januar 2018


Mit seiner 25. Regiearbeit hat Ridley Scott nicht eben ein erfolgreiches Händchen. Die Geschichte erzählt nach wahren Begebenheiten von der Entführung des Milliardärs-Enkels John Paul Getty III. in den 1970ern. Das Thriller-Drama wurde dann aber überschattet von dem Skandal um Kevin Spacey, der eigentlich die Hauptrolle spielen sollte. Ridley Scott und die gesamte Produktion entschieden sich dann Spaceys Szenen mit Christopher Plummer nachzudrehen. Daran dass „Alles Geld dieser Welt“ ein ziemlich durchwachsenes, überlanges Thriller-Drama geworden ist, ändert auch diese Personalie nichts.

Im Jahr 1973 wird in Rom der gerade erst erwachsen gewordene John Paul Getty III (Charlie Plummer) entführt. Der Enkel des reichsten Mannes der Welt soll die Kidnapper um 17 Millionen US-Dollar reicher machen. John Pauls Mutter Gail Harris (Michelle Williams) hält den Anruf der Entführer zunächst für einen Jux, denn die geschiedene, allein erziehende Mutter von zwei Kindern hat zu dem Getty-Clan keinerlei Beziehungen mehr.

Das ändert sich, nachdem der kalabrische Entführer Cinquanta (Roman Duris) die Ernsthaftigkeit der Entführung deutlich gemacht hat. Gail versucht ihren ehemaligen Schwiegervater zu bewegen, das Lösegeld zu bezahlen, John Paul Getty (Christopher Plummer) allerdings tritt vor die Kameras der Journalisten und weigert sich auf die Entführung zu reagieren. Schließlich habe er etliche Enkel und wolle Entführer nicht auch noch ermutigen. Hinter den Kulissen allerdings ist der alte Mann doch besorgt um das Wohlergehen seines Lieblingsenkels. Getty holt Fletcher Chase (Mark Wahlberg), seinen Mann für alle Fälle, mit ins Boot und stellt den ehemaligen Agenten an die Seite seiner Schwiegertochter, auch um herauszufinden, wieviel an dieser Entführungsgeschichte dran ist.

Ridley Scotts Thriller-Drama „Alles Geld dieser Welt“ fährt eigentlich zweigleisig und erzählt anhand dieses realen Entführungsfalles einerseits eine Thriller-Story und zum anderen von der absurden Situation, superreich zu sein. Der Entführungsfall zieht sich in die Länge (nicht nur filmisch) und der Gekidnappte wird wie eine Wahre weiter verschachtert, weil den ursprünglichen Entführern die Geduld und die Mittel ausgehen. Diese Filmhandlung ist weniger auf Hitchcocksche Suspense angelegt als auf die Psychologie des Verbrechens. Das Täter-Opfer-Verhältnis wird ebenso nur plakativ angerissen wie die Verwicklung der `Ndrangheta, der kalabrischen Mafia, in das Geschehen. Allerdings fungiert der junge John Paul Getty in seiner eher passiven Rolle als Opfer ziemlich oft als Off-Erzähler, um die Familienstruktur und die Zerrüttung der Getty-Familie aufzuzeigen.

Der Off-Erzähler als Verbindungsglied zum zweiten, deutlich interessanteren Aspekt in „Alles Geld der Welt“, der absurden Situation, superreich zu sein. Christopher Plummer, der übrigens tatsächlich der Großvater von Charlie Plummer ist, gibt seinen Selfmademan und Milliardär als verhärteten, gefühlskalten Patriarchen, der kalkulierend in Kauf nahm und nimmt, dass die Familie stets hinter dem Geschäft zurücksteht. So verwundert es auch nicht, dass Getty Senior zwar mitansieht, wie seine Familie zerfällt, darauf aber nicht reagieren kann. Statt eines Familienclans, der von seinem Sohn John Paul Getty II weitergeführt wird, erlebt der alte Mann seinen Sohn als charakterschwach und als Enttäuschung.

Die Scheidung Gail Harris‘ von ebenjenem Sohn und auch der wegfallende Einfluss auf die Enkel macht die Vision von der Dynastie letztlich komplett hinfällig. Scotts filmische Beobachtungen und Bewertungen des Reichtums und seiner Auswirkungen gehen zwar nach dem Drehbuch von David Scarpa („Die letzte Festung“) ziemlich eindeutig auf eine moralische Verurteilung hinaus, aber einige Szenen aus dem Haushalt des Milliardärs sind schon ziemlich gelungen. Die Story beruht zwar auf wirklichen Begebenheiten, zu einem ebenso großen Anteil aber auch auf John Pearsons zugrunde liegenden Sachbuch „Painfully Rich: The Outrageous Fortunes and Misfortunes of the Heirs of J. Paul Getty“ (1995) und schließlich kommt noch eine ganz gehörige Portion dramaturgische Zuspitzung dazu.

Letztlich ist „alles Geld der Welt“ handwerklich solide und die schauspielerischen Leistungen wissen ebenso zu überzeugen wie die zeitgenössiche Ausstattung. Wobei Mark Wahlbergs Beitrag austauschbar ist, der Franzose Romain Duris einen überzeugenden kalabrischen Entführer mimt und Christopher Plummer, der altersmäßig näher am realen Getty ist, als Kevin Spacey es gewesen wäre, einen garstigen Machtmenschen zur Schau stellt. Michelle Williams zeigt als besorgte, aber resolute Mutter noch die facettenreichste Darstellung. Warum in Rom neben etlichen Fiats ausgerechnet ein Citroen DS die Protagonisten durch die Stadt fährt, ist wohl der vermeintlichen Gleichgültigkeit des amerikanischen Publikums geschuldet.

Das Thriller-Drama „Alles Geld der Welt“ ist ein leidlich solider Film, der etwas zu lang ausgefallen ist und sicher nicht zu Ridley Scotts vielgestaltigen Meisterwerken gehört. Das Drama um die Getty-Entführung hat aber seine gelungenen Momente und ist weitgehend unterhaltsam ausgefallen.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Tobis

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden

Länge: 132 Minuten

Kategorie: Biography, Crime, Drama

Start: 15.02.2018

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (0,0/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten!

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

Alles Geld der Welt

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 132 Minuten
Kategorie: Biography, Crime, Drama
Start: 15.02.2018

Bewertung Film: (6/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (0,0/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten