cinetastic.de - Living in the Cinema

Loving Vincent

Geschrieben von Frank Schmidke am 8. Dezember 2017

Mit dem englisch-polnischen Filmprojekt „Loving Vincent“ kommt ein ziemlich einmaliges visuelles Erlebnis in die Kinos. Ausgehend von Gemälden des holländischen Künstlers Vincent van Gogh erzählt „Loving Vincent“ von einem wiedergefundenen Brief und einem außergewöhnlichen Maler. Dabei sind alle Einstellungen des Films von Hand im Stil van Goghs gestaltet.

Rund ein Jahr ist seit dem Tod des Malers Vincent van Gogh vergangen, als in der Stadt, in der Vincent jahrelang gelebt hat, ein Brief an seinen Bruder Theo auftaucht. Der junge Arnand Roulin wird von seinem Vater, dem Postmeister, losgeschickt, den Brief persönlich zu übergeben. Widerwillig macht sich der junge Mann auf den Weg und denkt dabei auch über das Leben und den seltsamen Tod des eigenwilligen Malers nach.

Mit „Loving Vincent“ haben die beiden Regisseure Dorota Kobiela und Hugh Welchman ein ambitioniertes Projekt auf die Beine gestellt, das etliche Kunstmaler eine Weile beschäftigt hat, denn der Look des Dramas ist an die expressionistischen Gemälde van Goghs angelehnt und ihnen nachempfunden. Ausgehend von einigen Gemälden, bringt der Film die darauf dargestellten Situationen mit echten Schauspielern zum Leben. Anschließend wurde jedes einzelne Bild von Hand im Stile van Goghs ausgemalt.

So spannend sich die Idee dieses Filmprojektes auch anhören mag, nicht alles funktioniert wirklich gut. Die strichhafte Pinselführung van Goghs wird zwar immer getroffen, aber dadurch, dass wegen dieses Stils nicht wie bei einem klassischen Zeichentrickfilm alle Bilder exakt übereinadern liegen können, entwickelt „Loving Vincent“ ein etwas hektisches Grundrauschen, das der eine oder die andere Zuschauer/in als sehr anstrengend empfinden könnten. Zudem hat die Story einge Längen, aber dazu später mehr.

Das herausragende Merkmal von „Loving Vincent“ liegt in der Visualisierung. Stilistisch wirkt der Film dabei aufgrund seiner Machart, zunächst reale Darsteller zu filmen und in einem weiteren Durchgang zu animieren, wie Richard Linklaters Philip-K.-Dick-Verfilmung „A Scanner Darkly“ (2006), der dieselbe Methode verwendet. Visuell ist das Experiment in beiden Fällen zwar interessant, aber nicht immer zielführend. Im Jahr 2013 hat der Filmmacher Gustav Deutsch einen Film über Gemälde von Edward Hopper gedreht, der einen anderen Ansatz verfolgt: In 13 Bildern – Gemälden von Edward Hopper, die vor allem Räumlichkeiten zeigen –, erzählt „Shirley“ die Lebensgeschichte einer Frau auf formal sehr stringente Weise.

Auch „Loving Vincent“ hat tolle Momente und Situationen, die berückend sind, aber in einer Geschichte, die doch eher belanglos ist und eher als roter Faden der Erzählung dient, sind das eher die Ausnahmen. Die Story des jungen Briefboten, der sich in einen kriminalistischen Todesfall hineinfantasiert, ist zwar mit namhaften, vornehmlich britischen Darstellern inszeniert, krankt aber an ihrer Oberflächlichkeit und den häufig nicht gerade ausgereiften Dialogen. Gelegentlich hat man als Zuschauer das Gefühl, die Personen müssten nur noch reden, damit das Van-Gogh-Gemälde eine ausreichende Zeit präsentiert werden kann.

Für Kunstinteressierte und Van-Gogh-Verehrer wird „Loving Vincent“ sicher eine Herausforderung und eine Bereicherung sein. Darüber hinaus wird der stilistisch sehr originelle Film wohl eher eine Angelegenheit für Liebhaber bleiben.

 

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Weltkino

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden

Länge: 95 Minuten

Kategorie: Drama, Animation, Biography,

Start: 28.12.2017

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (0,0/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten!

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

Loving Vincent

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 95 Minuten
Kategorie: Drama, Animation, Biography,
Start: 28.12.2017

Bewertung Film: (6/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (0,0/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten