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Happiness

Geschrieben von Frank Schmidke am 10. November 2017

Gerade erst Ende September hatte Rapid Eye Movies mit „Mr. Long” das aktuelle Werk des japanischen Filmmachers und Schauspielers SABU hierzulande in die Kinos gebracht. Nun legt der kleine Filmverlag nach und präsentiert mit „Happiness“ einen weiteren Film von SABU, der eine ganz andere filmische Ausrichtung des Regisseurs zeigt. Ein Mann zieht mit seinem Glückshelm durch die Gegend und macht Menschen fröhlich.

Es gibt Orte, aus denen scheint sich das Leben zu verabschieden. Als der geheimnisvolle Kanzaki (Masatoshi Kagase) in einem kleinen, ländlichen Ort in Japan ankommt, ist die überalterte Bevölkerung niedergeschlagen und vegetiert förmlich nur noch vor sich hin. Der Bürgermeister ist etwas verwirrt, als Kanzaki seinen Wunderhelm präsentiert, der die Menschen angeblich wieder glücklich machen kann. Nur Kanzaki kann das komplizierte Gebilde bedienen und tatsächlich sorgt die richtige Einstellung bei den Leuten, die den Helm tragen, dafür, dass sie sich an den glücklichsten Moment ihres Lebens erinnern. Diese Euphorie scheint sich etwas länger zu halten und gibt dem Menschen wieder Lebensmut. Der Bürgermeister ist begeistert und hofft, seine kleine Gemeinde so wieder wirtschaftlich nach vorne zu bringen.

Aber der schweigsame Kanzaki selbst ist ein sehr trauriger und melancholischer Mensch. Niemand weiß, dass sich mit seinem Helm auch die schlimmsten Momente des Lebens erneut erleben lassen und insgeheim ist Kanzaki auch noch auf Rache aus.

Der japanische Film-Kreative SABU ist ein umtriebiger Künstler, dessen Regie-Werk häufig von aberwitzigen Reisen seiner Protagonisten geprägt wird. Und auch in „Happiness“ (Nicht zu verwechseln mit Todd Solondz‘ kultiger Dramödie von 1988), das SABU 2016 drehte und in Japan veröffentlichte, ist der traurige, wortkarge Protagonist auf einer einsamen Reise unterwegs.

Und „Happiness“ beginnt auch verheißungsvoll, vor allem wenn die Eindrücke, die „Mr. Long“ hinterlassen hat, noch positiv nachwirken. Ruhig und fast ohne Dialoge entwickelt sich eine ebenso melancholische wie hysterische Stimmung in „Happiness“ die trotz aller Glücksgefühle, die der Helm freisetzen soll, doch eher bedrohlich und manisch wirkt als tatsächlich freundlich und heiter.

Das hat auch seinen Grund, denn der traurige Erfinder hat alles andere als das Glück der Welt im Sinn, vielmehr entpuppt sich die scheinbar altruistische Erfindung als brutale psychologische Waffe, die Kanzaki explizit für denjenigen entwickelt hat, der ihm das Lebensglück raubte. Und so stürzt SABUs Film zwar mit eindringlicher Konsequenz in einen Abgrund aus Brutalität, der sich definitiv nicht angekündigt hat, aber auch in ein gerütteltes Maß an Larmoyanz.

Sicher, Protagonist Kanzaki hat unendliches Leid und selbst brutale Gewalt erfahren müssen und schwere emotionale Verluste hinnehmen müssen, so dass es durchaus plausibel ist, dass sich dieser Mann in Rachefantasien ergießt und in seinem Dasein keinen Sinn mehr sieht. Allerdings lotet die Story in „Happiness“ das weder psychologisch aus, noch wird das eingehend thematisiert, statt dessen herrscht eine selbstmitleidige Rührseligkeit im Erzählton, die sich dann doch Selbstzweck genug ist. Und so wirkt „Happiness“ je weiter die Handlung fortschreitet als selbstgefälliges Mittel, einen abrupten Gewaltausbruch zu inszenieren, einfach um der Schockwirkung willen. Aber das mag jeder Zuschauer anders empfinden.

Der eigentliche Star in SABUs „Happiness“ ist trotz des großen japanischen Mimen Masatoshi Kagase („Radiance“, „Patterson“, „Mystery Train“) sowieso der gülden Helm mit seinen Stacheln. Das antiquiert steampunkige Design des „Glückshelms“ ist definitiv von Kugelkopf-Schreibmaschinen inspiriert, einer nicht sehr erfolgreichen frühen Entwicklung der Schreibmaschinen. Das Gerät sieht einfach sehr fotogen aus.

Das Werk des japanischen Filmmachers SABU bekommt nun auch im deutschsprachigen Raum mit dem bereits vor „Mr. Long“ gedrehten „Happiness“ nun eine weitere Schattierung. Leider kann die abstruse Rachestory der hohen Erwartung nicht gerecht werden und bleibt inhaltlich vieles schuldig.

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Wir vergeben daher 5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Rapid Eye Movies

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Länge: 90Minuten

Kategorie: Drama

Start: 30.11.2017

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Happiness

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 90Minuten
Kategorie: Drama
Start: 30.11.2017

Bewertung Film: (5/10)

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