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Die Vierhändige

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 15. November 2017

Die Vierhändige

Mit seinem Debütfilm „Bis aufs Blut – Brüder auf Bewährung“ erntete Oliver Kienle im Jahre 2010 auf den verschiedensten deutschen Festivals jede Menge Beifall, sieben Jahre später versucht er nun an den damaligen Erfolg anzuknüpfen. Mit „Die Vierhändige“ präsentiert er dem Zuschauer nun einen dichten Psychothriller, der zwar das Genre nicht komplett neu erfindet, auf seine ganz eigene Art aber dennoch zu gefallen versteht.

Die VierhändigeDie beiden Schwestern Jessica (Friederike Becht) und Sophie (Frida-Lovisa Hamann) wurden in frühester Kindheit Zeuge eines schrecklichen Verbrechens. Mitten im Klavierspiel drangen plötzlich Fremde in die Wohnung ein, ermordeten Mutter und Vater, während sie sich kauernd unter dem Sofa versteckten. Schon damals schwor Jessica, die ältere Schwester, die kleine Sophie ein Leben lang zu beschützen, was sich zur wahren Obsession entwickeln sollte.

Zwanzig Jahre später ist für Sophie die Welt in Ordnung. Sie bereitet sich auf die Aufnahmeprüfung am Konservatorium vor, möchte sich gern einmal verlieben, doch Jessicas Obsession treibt sie langsam in den Wahnsinn. Ausgerechnet jetzt kommen auch noch die damaligen Täter aus dem Gefängnis frei, woraufhin Jessica diese hinter jeder Ecke zu erblicken glaubt. Nach einem folgenschweren Unfall wird die Situation schließlich auf die Spitze getrieben, woran selbst Arzt Martin (Christoph Letkowski) nur wenig ändern kann.

Die VierhändigeIn seinem Debütfilm berichtete Oliver Kienle (Auf kurze Distanz) von zwei Freunden, die einen letzten Drogendeal über die Bühne bringen wollten, in „Die Vierhändige“ konzentriert er sich nun auf zwei Schwestern, die eine ähnlich enge Verbindung zueinander haben. Für das Drehbuch zeichnet Kienle erneut selbst verantwortlich, doch anstatt sich einfach nur auf ein Drama zu konzentrieren, versucht dieser sich ebenso im Bereich des Psychothrillers.

Herausgekommen ist ein solider Genrebeitrag, der das Genre zwar nicht komplett neu erfindet, auf seine ganz eigene Art aber dennoch zu unterhalten versteht. [Achtung, Spoiler ab hier unvermeidlich.] Der Schlüssel zum Erfolg ist für Kienle schließlich ein Autounfall, bei dem eine Schwester stirbt, die andere aber plötzlich unter gewaltigen Gedächtnislücken leidet. Was habe ich gestern Nacht noch einmal gemacht? Warum ist plötzlich so viel Geld vom Konto weg und warum finde ich mich auf einmal in einer Polizeizelle wieder?

Die VierhändigeEs entsteht ein Versatzstück nach der Art von Dr. Jekyll und Mr. Hyde, bei dem sich eine Schizophrenie schließlich dahingehend steigert, dass des Nachts dem Leben der verstorbenen Schwester nachgegangen wird. Thematisch nicht neu, wurde dies ganz ähnlich schon in dutzenden anderer Filme genutzt und dennoch ist hier eines anders. Kienle schafft es nämlich, mit den speziellen Eigenarten der Figuren zu spielen, diese sind sich wiederum der anderen Person bewusst, wodurch recht seltsame Konstellationen und Handlungsstränge entstehen.

Darüber hinaus gelingt es Kienle aber vor allem, eine sehenswerte Atmosphäre aufzubauen, wenn unsere Hauptdarstellerin des Nachts durch dunkle Clubs und Gassen zieht. Das Spiel mit dem Licht ist in diesen wenigen Szenen herausragend, die beklemmende Atmosphäre sogar erdrückend. Für Friederike Becht (Der Vorleser) und Frida-Lovisa Hamann (Zwischen Himmel und Hölle) eine sehr fordernde Rolle, die beide allerdings mit Bravour meistern.

Mit „Die Vierhändige“ präsentiert Oliver Kienle einen starken zweiten Spielfilm, der im Bereich des Psychothrillers das Genre zwar nicht komplett neu erfindet, mit einigen guten Ideen und zwei starken Hauptdarstellerinnen aber dennoch zu gefallen versteht.

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Wir vergeben daher 6,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Camino Filmverleih

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Die Vierhändige

Länge: 94 min

Kategorie: Drama, Thriller

Start: 30.11.2017

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

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Info

Die Vierhändige

Die Vierhändige

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 94 min
Kategorie: Drama, Thriller
Start: 30.11.2017

Bewertung Film: (6,5/10)

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