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Coco – Lebendiger als das Leben

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 12. November 2017

Coco - Lebendiger als das Leben

Im Bereich des Animationsfilms gehen die unterschiedlichsten Studios kaum noch ein nennenswertes finanzielles Risiko ein,  denn anders lässt sich kaum erklären, dass Disney-Pixar mit „Arlo & Spot“ zuletzt im Jahr 2015 einen Film ins Kino brachten, der nicht auf einer Fortsetzung basierte. Mit „Coco – Lebendiger als das Leben“ rückt man nun – zumindest kurzweilig – von diesem Trend ab, denn pünktlich zum mexikanischen Fest der Toten kommt ein Animationsfilm zu uns ins Kino, den man zweifelsohne als Highlight des Jahres bezeichnen darf.

Coco - Lebendiger als das LebenDer zwölfjährige Miguel Rivera (Stimme im englischen Original: Anthony Gonzalez) hat einen großen Traum, denn er wünscht sich nichts sehnlicher, als eines Tages Musiker zu werden. Auf dem Dachboden schaut er im Geheimen alte Filme von Ernesto de la Cruz (Benjamin Bratt) und spielt dessen größte Hits auf der Gitarre nach, denn ausgerechnet Musik ist in dieser Familie absolut verpönt. Der Grund dafür ist ausgerechnet Miguels längst verstorbener Urgroßvater, der seinerzeit Frau und Kind verließ, um sich der Musik zu widmen.

Während Miguel nun also die Tradition als Schuhmacher fortführen soll, versucht er dennoch, keine Chance ungenutzt zu lassen, sein tief schlummerndes Talent auszuleben. Ausgerechnet am Tag der Toten soll sich nun die große Chance bieten, denn Miguel kann bei einem Musikerwettbewerb mitmachen, der ihn allerdings durch mehrere unglückliche Umstände ins Land der Toten verschlagen soll. Dort kann er nun allerdings nur mit dem Segen eines verstorbenen Familienmitglieds wieder verschwinden, was Uroma Imelda (Alanna Ubach) sogleich mit einer Forderung in Verbindung bringt. Für Miguel ein Ding der Unmöglichkeit, woraufhin er zusammen mit seinem Hund Dante das verstorbene Idol Ernesto De la Cruz aufsucht, um diesen kennen zu lernen.

Coco - Lebendiger als das LebenDie UNESCO hat bereits vor längerer Zeit den Dia de los muertos (Der Tag der Toten) in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Das Ungewöhnliche ist nun allerdings Disneys Vorgehen, denn mit „Coco – Lebendiger als das Leben“ widmen sich die Regisseure Lee Unkrich (Findet Nemo) und Adrian Molina (Arlo & Spot) einem kulturellen Thema, das in dieser Form noch nicht für das jüngere Publikum aufbereitet wurde. Das Autorenteam, bestehend aus Lee Unkrich, Adrian Molina, Jason Katz (Toy Story) und Matthew Aldrich (Cleaner), konzentrierte sich dabei allerdings auf das Wesentliche, um das Publikum einerseits nicht zu überfordern, gleichwohl aber auch angenehm zu unterhalten.

Während der amtierende US-Präsident Donald Trump offen gegen Mexiko und dessen Bürger hetzt, versteht es Disney diese zu nutzen, indem ein kulturelles Fest in den Mittelpunkt gestellt wird. Eben dieses Fest der Toten wird in „Coco – Lebendiger als das Leben“ wirklich einmalig dargestellt, denn an besagtem Feiertag gedenkt man nicht nur der Verstorbenen allgemein, sondern vor allem Familienmitgliedern, die von uns gegangen sind. Obwohl man dieses Thema den ganz kleinen Zuschauern nur sehr schwer vermitteln kann, ist dies Disney zweifelsohne gelungen. Bereits das kleine mexikanische Dorf strotzt vor Ideen und Einfallsreichtum, wenn etwa auf einem Altar die Bilder verstorbener Familienmitglieder aufgestellt werden und man dazu deren Lieblingsgericht platziert.

Coco - Lebendiger als das LebenDas wirkliche Highlight ist aber im späteren Verlauf das Reich der Toten, das mit einer riesigen Brücke mit dem Reich der Lebenden verbunden ist. Dort sieht man verstorbene Mitmenschen als Skelette, Tiere als eine Art Fabelwesen, die mit ihrer farbenfrohen Darstellung für staunende Gesichter sorgen werden. Rein inhaltlich ist „Coco – Lebendiger als das Leben“ leider nur die Geschichte eines Jungen, der seinen Traum zu leben versucht, der einem großen Idol nacheifert und schon bald erkennen muss, dass auch dieses seine Schattenseiten hat. Für das jüngere Publikum mag dies vollkommen in Ordnung sein, alle Älteren hätten sich vermutlich etwas mehr Originalität gewünscht. Zum Glück bekommt Disney aber auch dabei gegen Ende hin noch einmal die Kurve, wenn etwas ganz offensichtliches als Finte aufgelöst wird.

Wie aber steht es mit der technischen Umsetzung, den Bildern und vor allem der Musik? Hier ist Disney zweifelsohne ein sehr großer Wurf gelungen, der bereits jetzt für eine Oscar-Nominierung ausreichen sollte. Die Bilder sind technisch wirklich atemberaubend, beide Welten strotzen nur so vor Details, während die Musik immer passt, zuweilen aber auch etwas zu sehr auf die Tränendrüse drückt. All jene, die sich „Coco – Lebendiger als das Leben“ im Original anschauen können, sei dies wärmstens ans Herz gelegt. Der Film ist zwar nur auf Englisch gehalten, dafür wurden lateinamerikanische Schauspieler verpflichtet, die mit einem wunderbaren Akzent die jeweiligen Figuren verkörpern.

Mit „Coco – Lebendiger als das Leben“ ist Disney-Pixar zweifelsohne einer der besten Animationsfilme der letzten Jahre gelungen. Farbenfroh und voller verrückter Ideen, mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Tradition und Familie. Absolut zu empfehlen.

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Coco - Lebendiger als das Leben

Länge: 109 min

Kategorie: Animation, Adventure, Comedy

Start: 30.11.2017

cinetastic.de Filmwertung: (8/10)

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Coco - Lebendiger als das Leben

Coco – Lebendiger als das Leben

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 109 min
Kategorie: Animation, Adventure, Comedy
Start: 30.11.2017

Bewertung Film: (8/10)

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