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Brimstone

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 12. November 2017

Brimstone

Der klassische Western gilt seit vielen Jahrzehnten als tot, stattdessen präsentiert man dem Zuschauer einige wenige Geschichten, bei denen zuletzt starke Frauen in Erscheinung traten, und versucht somit aus dem bekannten Muster auszubrechen. Die europäische Co-Produktion „Brimstone“ könnte man nun als wilden Genre-Mix bezeichnen, der mit beinahe zweieinhalb Stunden Laufzeit dem Zuschauer nicht nur einiges abverlangt, sondern ihn auch inhaltlich immer wieder deutliche Grenzen überschreiten lässt.

BrimstoneAm Ende des 19. Jahrhunderts, irgendwo im Wilden Westen der Vereinigten Staaten: Die junge und taubstumme Liz (Dakota Fanning) hat ein gutes und dennoch schweres Leben. Liz arbeitet als Geburtshelferin, während ihr Mann Eli (William Houston) mit den beiden Kindern den Hof bewirtschaftet. Eines Tages kommt ein neuer Priester (Guy Pearce) in die kleine Gemeinde, den Liz sofort wiederzuerkennen glaubt. Die Narben sind eindeutig, die Blicke ihr gegenüber lassen keinen anderen Schluss zu. Sie versucht ihren Mann zu warnen, doch während dieser dies noch als Lappalie abzutun versucht, muss er dafür schon bald mit dem Leben bezahlen. Fortan befindet sich Liz zusammen mit beiden Kindern auf der Flucht, doch der Priester scheint ihr immer einen Schritt voraus zu sein.

Mit seinem Drama „Mein Kriegswinter“ präsentierte Martin Koolhoven (Schnitzelparadies) dem Zuschauer vor mehr als neun Jahren einen sehr eindringlichen Film, der auf der einen Seite aufklärte, auf der anderen die Wahrheit aber auch ungefiltert und sehr offen transportierte. Diesen Weg scheint Koolhoven nun konsequent weitergehen zu wollen, denn „Brimstone“ ist mit 148 Minuten nicht nur ungewohnt lang, sondern zuweilen auch so verstörend, dass man am liebsten den Kinosaal verlassen würde.

BrimstoneMit seiner Einteilung in gleich vier Kapitel (Revelation, Exodus, Genesis, Retribution) verdeutlicht Koolhoven gleich zu Beginn, wie der weitere Werdegang auszusehen hat. Der Glaube steht im Mittelpunkt, welcher sogleich in den verschiedensten Formen angewandt werden soll. Bereits im ersten Kapitel wird der Zuschauer sogleich mit einer Reihe von seltsamen Ereignissen konfrontiert, wenn ein neuer Priester in die kleine Gemeinde kommt und keiner der Anwohner Näheres zu erfahren wünscht. Die tiefen Narben werden ignoriert, stattdessen folgt man diesem blind und macht, was er verlangt, denn er ist das Sprachrohr Gottes, dem man folgen muss.

Was am Anfang noch recht verwirrend aussehen mag, ergibt oft erst im weiteren Verlauf einen tieferen Sinn. Koolhaven nimmt sich viel Zeit für seine Figuren, erzählt deren Geschichte langsam, deutlich und widmet sich immer wieder kleineren Seitenarmen, die es verdient haben, näher betrachtet zu werden. Dabei ist die Gesinnung der Figuren zumeist offensichtlich, denn während die Männer morden, saufen und herumhuren, werden die Frauen zumeist als das schwache Geschlecht dargestellt, das oft das Nachsehen hat. Das zweite und dritte Kapitel sind chronologisch in der Vergangenheit einzuordnen, denn dort erfährt der Zuschauer nun mehr über die frühere Zeit von Liz und dem noch namenlosen Priester, während sich das vierte Kapitel wieder nahtlos an das erste anschließt.

BrimstoneWas inhaltlich trotz der fast zweieinhalb Stunden durchaus interessant aufbereitet ist, vermag auf der visuellen Ebene nicht immer zu überzeugen. Dies liegt vor allem an der ungewohnten Gewaltdarstellung, denn Koolhoven nimmt ein ums andere Mal vom Western-Genre Abstand, um sich in einer ungewohnten Gewaltorgie zu verirren. Männer ersticken an ihren eigenen Gedärmen, aus Schweinen wird offen der Fötus herausgeschnitten, die Zunge der jungen Liz schneidet man in Nahaufnahme heraus und auch sonst gibt es unzählige Szenen, bei denen man sich angewidert abzuwinden beginnt.

Diese explizite Gewaltdarstellung wäre im Grunde gar nicht nötig gewesen, denn „Brimstone“ überzeugt nicht nur inhaltlich, sondern vor allem auch von Seiten der Darsteller. Guy Pearce (Prometheus – Dunkle Zeichen) ist ein herrlich fieser Bösewicht, der zuweilen etwas übers Ziel hinaus schießt, zumeist aber genau den richtigen Ton trifft, um die Zuschauer ihn hassen zu lassen. Mit der Verpflichtung von Dakota Fanning (Krieg der Welten) hat man sich allerdings keinen Gefallen getan, denn obwohl diese durchaus überzeugend ist, geht sie im Schatten von Schwergewicht Pearce sprichwörtlich unter. Hier hätte es womöglich eine etwas dominantere Frau gebraucht, um in seinem Schatten glaubhaft zu bestehen.

Martin Koolhovens „Brimstone“ ist ein wilder Genre-Mix, der nicht nur unglaublich lang ist, sondern mit seiner expliziten Gewaltdarstellung so manchen Zuschauer aus den Kinosaal vertreiben wird. Beim besten Willen kein einfacher Film…

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Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Koch Films

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Brimstone

Länge: 148 min

Kategorie: Thriller, Western

Start: 30.11.2017

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Info

Brimstone

Brimstone

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 148 min
Kategorie: Thriller, Western
Start: 30.11.2017

Bewertung Film: (6/10)

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