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The Rider

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 22. Oktober 2017

The Rider

In ihrem Debütfilm „Songs My Brothers Taught Me“ widmete sich Regisseurin Chloé Zhao zwei Sioux-Indianern in einem Reservat. Bereits bei den damaligen Dreharbeiten stieß sie auf den Rodeo-Champion Brady Jandreau, der nach einem schweren Unfall eigentlich nie wieder aufs Pferd steigen sollte. Besagte Geschichte erzählt sie in „The Rider“ nach und berichtet dabei von Männlichkeitsidealen im Süden der USA, die nur sehr schwer abzulegen sind.

The RiderBrady Blackburn (gespielt vom echten Brady Jandreau) träumt bereits seit frühester Jugend davon, ein echter Rodeo-Champion zu werden, und nachdem dieser zahlreiche Turniere gewonnen hat, scheint der Wunsch auch langsam in Erfüllung zu gehen. Leider verletzte sich Brady beim letzten Rodeo schwer, denn der Tritt eines Bullen traf ihn mit voller Wucht am Kopf, was beinahe tödlich verlaufen wäre. Nach einer schweren Operation hat Brady nun eine Metallplatte im Kopf, wurde angehalten auf das Reiten zu verzichten, könnten sich daraus doch gesundheitliche Beeinträchtigungen ergeben, die ihn sein ganzes Leben zeichnen würden.

Seine berufliche Zukunft steht in den Sternen, doch ein Selbstmord kommt für Brady nicht in Frage. Seinen spielsüchtigen Vater (der reale Tim Jandreau) kann er genauso wenig alleine lassen wie die geistig behinderte Schwester Lilly (die reale Lilly Jandreau), weswegen er sich schon bald nach alternativen Arbeiten umschaut. Während das Dressieren von Reifpferden nicht mehr funktioniert, versucht er im örtlichen Supermarkt zu arbeiten, doch der Drang, aufs Pferd zu steigen, ist genauso präsent wie die Worte seiner Rodeo-Freunde, denn echte Männer geben niemals auf und sterben notfalls auf dem Pferd.

The RiderDer Debütfilm „Songs My Brothers Taught Me“ von Chloé Zhao zeichnete sich in erster Linie dadurch aus, dass sie mit Laiendarstellern eine emotionale und vor allem glaubhafte Geschichte erzählte. Für „The Rider“ geht dieses Konzept nun erneut auf, denn obwohl man den beteiligten Darstellern so manch schauspielerisches Talent absprechen möchte, überzeugen sie dennoch mit ihrem sympathischen Auftreten. Für Chloé Zhao war „The Rider“ thematisch der logische nächste Schritt, denn bei Brady Jandreau handelt es sich nicht nur um einen indianischen Cowboy und Pferdeflüsterer, sondern vor allem um einen Mann, der sich über die Männlichkeitsideale seines Berufs hinwegsetzen musste.

Das Besondere ist aber nicht nur die fein erzählte Geschichte, die sich tatsächlich so zugetragen hat, sondern vor allem der Umstand, dass bis ins kleinste Detail hinein Laiendarsteller verpflichtet wurden. Brady Jandreau spielt sich selbst und gibt nicht nur den körperlich, sondern gleichfalls den seelisch gebrochenen Mann. Seine Freunde erzählen des Nachts bei einem Ausflug, dass ein echter Cowboy nicht aufgibt, dass ein echter Cowboy notfalls auf seinem Pferd stirbt, gleichwohl muss Brady aber auch einsehen, dass sein Gehirn mit der Situation auf einem Pferd nicht mehr klar kommt und er sich deshalb immer wieder übergeben muss.

The RiderEs ist ein Zwiespalt, der dargelegt wird, denn während auf der einen Seite die traditionelle Männlichkeit eines Cowboys steht, steht auf der anderen die Fürsorgepflicht den nahen Angehörigen gegenüber, die ohne ihn nicht existieren könnten. In einer Szene, in der sich ein Pferd im Stacheldrahtzaun verfängt, wird dies zweifelsohne am besten eingefangen. Das Pferd kann seine Aufgabe nicht mehr erfüllen und wird daher erschossen, Brady allerdings ließ man am Leben, damit dieser weiter leben darf bzw. weiter leben muss.

Neben einer sehr gelungenen Darbietung von Lilly und Tim Jandreau, die mit sehr offenen und ungekünstelten Dialogen begeistern, vermag vor allem die Kameraarbeit von Joshua James Richards (God’s Own Country) zu gefallen. Wunderschöne Landschaftsbilder und lange Einstellungen in der Totalen, die oft aussagekräftiger und emotionaler als so manch Dialog sind.

Chloé Zhao gelingt mit „The Rider“ ein zweiter starker Spielfilm, der diesmal die traditionellen Männlichkeitsideale der Cowboys im Süden der USA in den Vordergrund rückt. Wunderschön fotografiert und von den Laiendarstellern emotional und mitreißend gespielt. Sehr zu empfehlen.

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Wir vergeben daher 8,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Weltkino

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The Rider

Länge: 104 min

Kategorie: Drama

Start: 21.06.2018

cinetastic.de Filmwertung: (8,5/10)

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The Rider

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 104 min
Kategorie: Drama
Start: 21.06.2018

Bewertung Film: (8,5/10)

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