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The Killing of a Sacred Deer

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 22. Oktober 2017

The Killing of a Sacred Deer

Der griechische Ausnahmeregisseur Yorgos Lanthimos hat sich in den letzten Jahren mit seinen provozierenden und zutiefst verstörenden Dramen einen Namen gemacht. In seiner zweiten englischsprachigen Arbeit konzentriert er sich nun auf die Verhältnisse innerhalb einer intakten Familie, die von außen eine kaum nachvollziehbare Bedrohung erfährt.

The Killing of a Sacred DeerIm Grunde hat Herzchirurg Steven Murphy (Colin Farrell) alles, um glücklich zu sein. Zusammen mit seiner Frau Anna (Nicole Kidman) und den beiden Kindern Kim (Raffey Cassidy) und Bob (Sunny Suljic) führt er das Leben in einer Bilderbuchfamilie, bei der scheinbar alles vorhanden ist. Beide haben sie einen guten Job und gehen einer erfolgreichen Karriere nach, während mit dem nötigen Kleingeld das Leben allerhand Annehmlichkeiten erfährt. Mit dem Auftauchen des 16-jährigen Martin (Barry Keoghan) ist es allerdings schon bald mit der Ruhe vorbei, denn obwohl Steven sich mit diesem nach der Arbeit im Diner trifft und ihm Geschenke macht, möchte dieser schon bald mehr.

Auf die Spitze wird es schließlich getrieben, als Steven den Schüler nach Haus zum Abendessen einlädt, wo dieser nicht nur von der ganzen Familie empfangen wird, sondern sich auch schon bald in Kim verliebt. Was anfangs noch recht normal beginnt, nimmt schon bald seltsame Züge an, denn Martin stellt Steven vor die Wahl. Entweder tötet er ein Familienmitglied oder diese werden der Reihe nach sterben. Erst tritt eine Lähmung ein, dann bluten die Augen und schließlich tritt der Tod ein. Nach diesen Worten wirft Steven den jungen Mann umgehend aus dem Haus, doch plötzlich kann sein Sohn nicht mehr laufen.

The Killing of a Sacred DeerMit seinen Filmen „Kinetta“, „Dogtooth“ und „Alpen“ gelang Yorgos Lanthimos der internationale Durchbruch, mit „The Lobster: Eine unkonventionelle Liebesgeschichte“ lieferte er schließlich vor zwei Jahren seine erste englischsprachige Produktion ab, bei der Colin Farrell (Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind) in der Hauptrolle zu sehen war. Für den Folgefilm setzte Lanthimos daher erneut auf Altbewährtes, denn er vertraute nicht nur Drehbuchautor Efthymis Filippou, sondern vergab die Hauptrolle auch erneut an Colin Farrell.

In den letzten Filmen konfrontierte Yorgos Lanthimos den Zuschauer zumeist mit provokanten Bildern und Ereignissen, was  nicht nur verstörende Reaktionen hervorrief, sondern im Nachhinein zu langen Diskussionen einlud. Auch diesmal ist dies für ihn ein gangbarer Weg, wenn er bereits zu Beginn in Großaufnahme eine Herzoperation zeigt, bei der sich gegen Ende langsam die Gummihandschuhe aus dem Brustkorb entfernen und der Zuschauer mit der im Mittelpunkt stehenden Figur konfrontiert wird. Steven scheint unnahbar, kalt, gefühllos, was sogleich an mehreren Beispielen dargelegt wird. Auf dem Gang des Krankenhauses unterhält er sich ohne jedwede Nuancen in der Stimme über Uhren, zuhause folgt ein offenes Gespräch über die Menstruation seiner Tochter, während er kalten und gefühllosen Sex mit seiner Frau praktiziert, die sich auf dem Bett nicht rührt.

The Killing of a Sacred DeerSzenen wie diese sind verstörend, lassen den Zuschauer die Szenerie hinterfragen, wirken gleichwohl unnahbar gegenüber der Hauptfigur, wodurch jedwede Bindung zu fehlen scheint. Mit dem Auftauchen von Martin schleichen sich erste Fragen ein. Wer ist dieser junge Mann? Hat Steven mit diesem eine Beziehung? Warum stellt er ihn plötzlich der Familie vor? Bruchstückhaft fügen sich erste Puzzleteile zusammen, man meint den Sinn hinter allem verstanden zu haben, dann stürzt das Kartenhaus wiederum zusammen und man wird mit neuen Fragezeichen konfrontiert.

„The Killing of a Sacred Deer” weigert sich Antworten zu geben, stattdessen bleiben jede Menge Fragezeichen offen, bei denen Yorgos Lanthimos dem Zuschauer die Wahl der Interpretation lässt. Man kann in diesem Film ein verstörendes Rache-Drama sehen, eine Momentaufnahme scheinbar intakter Familien, dann wiederum einfach nur den Versuch, mit bekannten Sehgewohnheiten zu brechen. Bei den Filmfestspielen von Cannes wurde dieses ungewöhnliche Drama mit dem Preis für das Beste Drehbuch ausgezeichnet, für Lanthimos ein weiterer Beweis dafür, dass er mit seiner provozierenden Art ein Publikum gefunden hat.

Yorgos Lanthimos präsentiert mit „The Killing of a Sacred Deer” ein verstörendes Horror-Drama, das noch lange in Erinnerung verbleiben wird. Ein Film zum Nachdenken, der zu regen Diskussionen einladen wird.

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Copyright: Alamode Film

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The Killing of a Sacred Deer

Länge: 121 min

Kategorie: Drama, Horror, Mystery

Start: 28.12.2017

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Info

The Killing of a Sacred Deer

The Killing of a Sacred Deer

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 121 min
Kategorie: Drama, Horror, Mystery
Start: 28.12.2017

Bewertung Film: (7/10)

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