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Suburbicon

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 15. Oktober 2017

Suburbicon

Wenn George Clooney hinter der Kamera in Erscheinung tritt, schauen die meisten für gewöhnlich etwas genauer hin. Mit seinem Film „Monuments Men – Ungewöhnliche Helden“ landete er vor drei Jahren eine wahre Bruchlandung an den Kinokassen, doch hat er aus den damaligen Fehlern gelernt? Für seine neueste Arbeit baute er dahingehend auf die Coen-Brüder, die das Drehbuch beisteuerten, das Clooney dann aber noch einmal verändert hat.

SuburbiconDie Vereinigten Staaten in den 1950er Jahren: In der kleinen aber feinen Gemeinde Suburbicon leben einige hundert Menschen den amerikanischen Traum. Der Postbote bringt morgens freundlich die Post vorbei und begrüßt dabei jeden mit Namen, es gibt ein eigenes Polizeirevier und kürzlich hat man sich sogar eine kleine Feuerwache leisten können. Diese Idylle wird jedoch schlagartig unterbrochen, als die erste afroamerikanische Familie in diese Gemeinde einzieht. Plötzlich sehen sich die Einwohner einer Gefahr ausgesetzt, der sie natürlich zusammen begegnen müssen.

Parallel dazu ereignet sich ein schrecklicher Vorfall, denn eines Nachts wird die Familie rund um Vater Gardner (Matt Damon), Mutter Rose (Julianne Moore), Tante Margaret (ebenfalls Julianne Moore) und Nicky (Noah Jupe) überfallen und mit Chloroform betäubt, wobei Rose ums Leben kommt. Während der restlichen Familie noch der Schrecken in den Gliedern steckt, muss Nick schon bald realisieren, dass nicht alles so war, wie es den Anschein hatte.

SuburbiconIm Grunde könnte man allein über die Entstehungsgeschichte von George Clooneys (Up in the Air) neuem Film bereits seitenweise schreiben, so grotesk ist diese abgelaufen. Eigentlich wollte Clooney zusammen mit Grant Heslov eine wahre Geschichte aus dem Jahre 1957 verfilmen, denn in die kleine Vorzeigestadt Levittown zog tatsächlich eine afroamerikanische Familie ein, der schon bald jede Menge Fremdenhass entgegenschlug. Die Familie wehrte sich, doch die Situation eskalierte bereits nach kurzer Zeit. Parallel zu dieser Geschichte erinnerte sich Clooney aber auch an ein Drehbuch der Coen -Brüder, das diese in den 90er Jahren schrieben und wo Clooney selbst einmal mitspielen sollte. Kurzerhand rief er diese an, verarbeitete das Drehbuch mit in seiner eigenen Geschichte und erschuf so einen Film, der ungewöhnlicher kaum sein könnte.

Dass die Basis von „Suburbicon“ gleich zwei Drehbücher bilden, merkt man dem Film leider zu jeder Zeit an. Obwohl beide Nachbarn nebeneinander wohnen und die beiden gleichaltrigen Kinder das verbindende Element sind, heben sich sowohl Story als auch der Grundton der Erzählung konsequent voneinander ab. Genau das ist auch die große Hürde des Films, denn während der Zuschauer der afroamerikanischen Familie beisteht, die sich erst gegen Blicke, später gegen Proteste und brennende Fahnen erwehren muss, wandelt sich der Ton immer wieder mit der parallel erzählten Gangstergeschichte.

SuburbiconEben jene ist absolut grotesk, denn ähnlich wie in „Fargo“ lassen die Coen-Brüder wieder eine Vielzahl von unmöglichen Figuren aufeinanderprallen, die sich zum Teil doch absolut dämlich verhalten. Das ist über weite Strecken witzig, herrlich daneben, dann wiederum fragt man sich aber, ob Clooney nicht etwas zu weit gegangen ist. Auf der einen Seite macht er sich über Familienmitglieder und Gangster lustig, auf der anderen zeigt er den kleinen Nick vor Angst weinend unter dem Bett, der jeden Moment ermordet werden könnte. Bei Szenen wie diesen bleibt dem Zuschauer der Lacher im Halse stecken, wodurch das Ziel eines unterhaltsamen Filmes zumindest für einen kurzen Augenblick nicht erreicht wurde.

Trotz zweier sich abgrenzender Geschichten, die nur wenig miteinander zu tun haben, und dem ständig wechselnden Grundton machen doch zumindest die Darsteller jede Menge Spaß. Julianne Moore (Still Alice – Mein Leben ohne Gestern) überzeugt in einer Doppelrolle als Mutter und Tante, während Matt Damon (Der Marsianer – Rettet Mark Watney) den ruhigen Familienvater gibt, der allerdings ein großes Geheimnis bewahren muss. Neben einer soliden Darbietung des kleinen Noah Jupe (Wunder), bleibt vor allem Oscar Isaac (Drive) als Versicherungsermittler in Erinnerung. Ein herrlich groteskes Spiel einer völlig überzeichneten Figur.

In „Suburbicon“ versucht George Clooney gleich zwei Geschichten miteinander zu verweben, was ihm leider nicht im Ansatz gelungen ist. Trotz allem macht vor allem die Gangstergeschichte der Coen-Brüder richtig Spaß, auch wenn so manch Lacher im Halse stecken bleiben wird.

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Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Concorde

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Suburbicon

Länge: 104 min

Kategorie: Crime, Drama, Mystery

Start: 09.11.2017

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 104 min
Kategorie: Crime, Drama, Mystery
Start: 09.11.2017

Bewertung Film: (6/10)

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