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Simpel

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 2. Oktober 2017

Simpel

Von der Karriere des 28-jährigen Berliners Frederick Lau können viele andere Schauspielkollegen wohl nur träumen. Er spielte – trotz seines geringen Alters – in mehr als 90 Filmen und Serien mit, gewann schon zwei Mal den deutschen Filmpreis als bester Darsteller (Die Welle, Victoria) und kann sich vor lauter Rollenangeboten raum retten. In „Simpel“ darf man Frederick Lau nun in seiner einfühlsamsten Rolle seit langem bewundern, wenn er alles für seinen geistig behinderten Bruder zu tun versucht.

SimpelSeit Ben (Frederick Lau) denken kann, sind er und sein Bruder Barnabas ein Herz und eine Seele. Barnabas, der zumeist nur Simpel (David Kross) genannt wird, ist 22 Jahre alt, aber auf dem geistigen Stand eines Kindes. Simpel spielt gern mit seinem Stofftier Monsieur Hasehase im nahegelegenen Watt, isst am liebsten Quasilotten und liebt es, Neues zu entdecken. Als eines Tages unerwartet ihre Mutter stirbt, soll Simpel in ein Heim für behinderte Kinder eingeliefert werden, denn Ben wurde das Sorgerecht verwehrt. Der Einzige, der dies rückgängig machen kann, ist ihr Vater David (Devid Striesow), den beide seit 15 Jahren nicht mehr gesehen haben.

Kurzerhand stehlen beide der Polizei den Wagen, woraufhin eine abenteuerliche Reise nach Hamburg beginnt. Unterwegs treffen sie einen polnischen Lastwagenfahrer (Maxim Kovalevski), die Medizinstudentin Aria (Emilia Schüle) und den Sanitäter Enzo (Axel Stein), wodurch der Grundstein für eine große Freundschaft gelegt wird. Während Ben schon bald seinen Vater in Hamburg aufsucht, macht Simpel ganz nebenbei Bekanntschaft mit einer Prostituierten. Das Chaos nimmt seinen Lauf.

SimpelAls Marie-Aude Murails Roman „Simpel“ im Jahre 2004 in Frankreich erschien und kurz darauf nach Deutschland kam, fand dieser hierzulande schnell ein begeistertes Publikum. Der Hamburger Produzent Michael Lehmann sicherte sich die Rechte, Regisseur Markus Goller (Frau Ella) sagte zu und dennoch dauerte es mehrere Jahre, bis es zur Realisierung kam. Drehbuchautor Dirk Ahner (Mord ist mein Geschäft, Liebling) konzipierte mehrere Vorlagen, tüftelte am Drehbuch bis kurz vor Drehstart, bis endlich das letzte Detail stand.

Entgegen der Romanvorlage wird das Geschehen von Paris nach Deutschland verlegt, die beiden Brüder mehr in den Mittelpunkt gerückt und wesentlich mehr Wert auf einen abenteuerlichen Roadtrip gelegt. Bei diesem freunden sich beide mit einem polnischen Lastwagenfahrer an, der selbst einen geistig behinderten Sohn besitzt, der Ärztin Aria, den Sanitäter Enzo und einer Prostituierten, die sich Simpel fast mütterlich anzunehmen versucht.

SimpelObwohl man über geistige Behinderungen nicht lachen kann und nicht lachen sollte, schafft es Markus Goller dennoch, beinahe jede Situation richtig zu nutzen. Der Humor ist unterschwellig und dennoch präsent, während natürlich alles auf das Zusammenspiel beider Brüder ausgerichtet ist. Das Spannende dabei ist die Figurenzeichnung, die zwar nicht sonderlich originell ist, dennoch aber zu unterhalten versteht. Auf der einen Seite steht Simpel, der mit seinem kindlichen Gemüt die Welt aus ganz anderen Augen sieht und immer Neues entdecken kann, auf der anderen Ben, der sich Zeit seines Lebens um Simpel gekümmert hat und dabei völlig vergisst, selber einem normalen Leben nachzugehen.

Über weite Strecken entstehen dabei interessante Situationen, wenn etwa Simpel zusammen mit Aria und Enzo den Hamburger Dom besucht und Personen mit ähnlichen Behinderungen kennenlernt, während Ben seinen Vater zu überzeugen versucht, der nach wie vor seinen behinderten Sohn nicht akzeptieren kann. In „Simpel“ werden zweifelsohne viele wichtige Themen angesprochen, wobei er sich stets dem Mainstream-Publikum widmet und nicht übermäßig viele anspruchsvolle Szenen auszuspielen versucht.

Als großer Gewinn darf die Besetzung angesehen werden, denn Frederick Lau (Die Welle) und David Kross (Der Vorleser) nimmt man jederzeit das Brüderpaar ab, das alles für den jeweils anderen machen würde. Herausragend ist dabei Frederick Lau, den man schon lange nicht mehr in einer solch intensiven Rolle erleben durfte. An seiner Seite glänzt Emilia Schüle (Freche Mädchen) als angehende Ärztin sowie Axel Stein (Nicht mein Tag) als Sanitäter.

Markus Goller gelingt mit „Simpel“ eine sehenswerte Adaption des gleichnamigen Romans von Marie-Aude Murail. Ein Roadtrip der etwas anderen Art, bei dem Frederick Lau  und David Kross auf ganzer Linie begeistern.

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Simpel

Länge: 113 min

Kategorie: Comedy, Drama

Start: 09.11.2017

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 113 min
Kategorie: Comedy, Drama
Start: 09.11.2017

Bewertung Film: (7/10)

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