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Licht

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 9. Oktober 2017

Licht

Die gezielte Förderung von Menschen mit einer Behinderung hat in den letzten 50 Jahren gewaltige Schritte nach vorn gemacht, denn wo diese heutzutage weitestgehend in den normalen Alltag integriert sind, waren sie vor 200 Jahren noch komplett ausgegrenzt. Das musikalische Wunderkind Maria Theresia von Paradis (1759-1824) musste mit dieser Ausgrenzung zurechtkommen, wurde ihr die Sehkraft doch bereits in frühster Kindheit genommen.

LichtWien im Jahre 1777: Die 18-jährige Maria Theresia „Resi“ von Paradis (Maria Dragus) ist als Klavier-Wunderkind in der Wiener Gesellschaft bekannt, doch wo sie das Publikum mit ihrem einmaligen Spiel begeistert, sieht sie sich auch Spott und Häme ausgesetzt. Resi kann bereits seit frühester Kindheit nicht sehen, wodurch ihre Augen nicht nur verdreht nach oben schauen, sondern auch durch zahlreiche Behandlungen stark entzündet sind. Beim umstrittenen Arzt Franz Anton Mesmer (Devid Striesow) soll sich dies nun ändern, denn ihre Eltern sehen in dem angeblichen Wunderheiler eine letzte Chance. Mit Hilfe magnetischer Wellen soll Resi ihr Augenlicht zurückerlangen, doch während sie langsam erste Bilder zu erkennen glaubt, verliert sie gleichzeitig das Talent perfekt am Klavier zu spielen.

Mit ihrem Spiegel-Bestseller „Am Anfang war die Nacht Musik“ begeisterte Alissa Walser Kritiker und Leser gleichermaßen, mit „Licht“ kommt nun ein Auszug aus ihrem Roman ins Kino, dem sich Regisseurin Barbara Albert (Nordrand) gewidmet hat. Für die Adaption der entsprechenden Roman-Passage zeichnet Autorin Kathrin Resetarits (Böse Zellen) verantwortlich, die sich weitestgehend auf die Zeit im Jahre 1777 konzentrierte, als sich Maria Theresia von Paradis auf Kur bei einem umstrittenen Arzt befand.

LichtMaria Theresia von Paradis galt als Wunderkind am Klavier, denn sie spielte nicht nur unglaubliche Stücke, sie komponierte auch und leitete später sogar eine Schule für blinde Musiker, was jedoch weitestgehend unbekannt geblieben ist. Um diese Zeit soll es sich in „Licht“ aber auch nicht drehen, denn Barbara Albert konzentriert sich vielmehr auf jene Zeit, bei der Resi zum ersten Mal Konturen von Gegenständen wahrnehmen konnte.

Trotz ihres Talents hatte Resi kein einfaches Leben. Der Vater sah ihre musikalische Begabung als einzige wertvolle Fähigkeit an, die Mutter dagegen war ein grausames Etwas, das sich vielmehr um das eigene Ansehen kümmerte. Durch den Arzt Franz Anton Mesmer versprach man sich eine letzte Hoffnung, um der eigenen Tochter nicht nur das Sehen zu ermöglichen, sondern auch selbst gesellschaftlich weiter aufzusteigen. Ein ähnliches Ansinnen hatte aber auch Mesmer, der als Scharlatan abgehandelt wurde und der Gesellschaft beweisen wollte, dass seine Kur mit einem unsichtbaren Fluidum tatsächlich Wirkung zeigen konnte.

LichtFür Resi dagegen wird die Kur eine wahre Offenbarung, denn wo man sie bisher ausgegrenzt und in ihrem Beisein über sie gespottet hat, ist sie nun unter gleichen. In der gleichaltrigen Kammerzofe Agnes (Maresi Riegner) findet sie eine Freundin, durch den Arzt Mesmer langsam das Sehen, obwohl dies nie über unscharfe Konturen hinausgehen soll. Selbiges setzt Barbara Albert als verwaschene graue Bilder um, wodurch der Zuschauer kurze Einblicke erhält, gleichwohl aber nicht weiß, ob dies auf bloße Einbildung zurückzuführen ist. Während der Zuschauer beim medizinischen Standpunkt im Unklaren gelassen wird, zeichnet sich ein erschreckendes Bild des späten 18. Jahrhunderts ab, bei dem Behinderten keinerlei Wert beigemessen wird. Der kleine Sohn der Köchin wird als Krüppel bezeichnet und weggestoßen, während Resi einmal ganz treffend feststellen muss: „Wer nicht sehen könne, der werde auch nicht gesehen – und wer nicht gesehen werde, der werde auch nicht gehört, der lebe nicht“.

Es sind aber nicht nur die Klassenunterschiede, die hier zu Tage treten, nicht nur der Wert eines Menschen, sondern auch die Wahl, die Resi treffen muss, als mit fortlaufender Behandlung zwar das Augenlicht besser wird, sie gleichzeitig aber auch ihre musikalische Begabung verliert. Obwohl sich daraus viele interessante Aspekte ergeben, hat „Licht“ trotz überschaubarer 97 Minuten zahlreiche Längen, ist der ausgewählte Zeitabschnitt doch ohnehin nur bedingt interessant. Im Nachhinein stellt sich die Frage, wie ein späterer Abschnitt auf der Leinwand ausgesehen hätte, denn sowohl die Zeit als Komponistin wie auch das spätere Leben als Musikpädagogin wären doch durchaus interessant gewesen.

LichtNeben der leichten inhaltlichen Schwäche hat „Licht“ vor allem seine Stärken in der visuellen Aufarbeitung der damaligen Zeit, denn egal ob es sich um das Setting oder um die Kostüme handelt, alles ist sehenswert aufbereitet worden. Natürlich darf man bei alledem nicht Hauptdarstellerin Maria Dragus (Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte) vergessen, die sehenswert das Klavier-Wunderkind gibt, dass unter Gleichen endlich einmal das Leben in vollen Zügen genießen darf.

Barbara Albert präsentiert mit „Licht“ einen Ausschnitt aus Alissa Walsers Spiegel-Bestseller, bei dem sie sich auf die wenigen Monate einer Kur von Maria Theresia von Paradis konzentriert. Zweifelsohne ein gelungenes Drama, das trotz vereinzelter inhaltlicher Schwächen mit einer starken Darbietung von Maria Dragus zu überzeugen vermag.

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Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Farbfilm, Christian Schulz

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Licht

Länge: 97 min

Kategorie: Drama, History

Start: 01.02.2018

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 97 min
Kategorie: Drama, History
Start: 01.02.2018

Bewertung Film: (6/10)

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