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Immer noch jung – 15 Jahre Killerpilze

Geschrieben von Frank Schmidke am 7. September 2017

Vor ungefähr zehn Jahren wurde die jugendliche Punkband Killerpilze quasi über Nacht zum Teenie-Hype aufgeblasen. Doch ebenso schnell, wie die Popularität generiert war, flaute das Interesse der großen Plattenfirma an der „jüngsten Rockband Deutschlands“ auch wieder ab. Die Killerpilze aber weigerten sich als One Hit Wonder in die Musikgeschichte einzugehen und trieben ihr Band-Projekt auf eigene Faust weiter. Mit Punk-Rock hat die Band, die 2016 ihr aktuelles, achtes Album „High“ aufnahm, heute nur noch wenig zu tun, aber die „Do it yourself“-Attitude des Undergrounds ist auch in der mitreißenden, selbstproduzierten Banddoku „Immer noch jung – 15 Jahre Killerpilze“ zu spüren. Dafür gab es auf dem Filmfest München auch den Publikumspreis.

So richtig interessiert heute eigentlich niemanden mehr, wie der Bandname zustande kam, aber in der Doku gibt es einen Backstage-Moment vor einem Interview, da geht Sänger und Gitarrist Jo Halbig die medientaugliche Story mit seinem jüngeren Bruder Fabi durch, dem die Sprüche auch schon aus den Ohren kommen. „Killerpilze“ mag für eine jugendliche Punkband, deren Mitglieder bei Gründung um die vierzehn Jahre alt sind und aus einem 18.000-Seelen-Kaff stammen, ein ansprechender, punkiger Name sein, aber nicht erst heute ist der Name für die Band Fluch und Segen zugleich.

Die Band wurde 2002 von den Schulfreunden Jo Halbig, Mäx Schlichter und Schlagi Schlagenhaft im süddeutschen Dillingen gegründet, ohne dass einer ein Instrument spielen konnte. Provisorisch sprang der gerade mal elf Jahre alte kleine Bruder von Jo als Schlagzeuger ein, fügte sich aber so gut in die Band, dass er einfach dabei geblieben ist. Gegangen hingegen ist 2007 der Bassist Schlagi, der mit dem Ruhm als Teenie-Idol nicht so recht klargekommen ist.

Aber dass aus dem Killerpilzen nach einem schäbig klingenden ersten Album, das im Wohnzimmer aufgenommen wurde, eine angesagte Teenie-Band werden sollte, hätte auch niemand für möglich gehalten. Doch die Jugendzeitschrift Bravo entdeckt die Jungpunks und baut sie medial als bodenständigen Gegenentwurf zu Tokio Hotel auf. Ausgestattet mit einem Deal bei einer großen Plattenfirma, werden die Killerpilze anschließend immer bekannter. Doch nach zwei ziemlich erfolgreichen Platten ist die Band quasi verbrannt. Aus Sicht der Firma mache das Konzept keinen Sinn mehr und man könne sich allenfalls nach einer Pause einen Neuanfang unter anderem Namen vorstellen…

Die Killerpilze lernen die negative, profitgierige Seite des Musikbusiness‘ kennen, entscheiden sich aber dennoch, nicht aufzugeben und zu versuchen, die Band auf eigene Weise am Leben zu erhalten. Das geht freilich mit einem erheblichen Verlust an Popularität einher, aber es gelingt den inzwischen zum Trio geschrumpften Freunden mit viel Einsatz und unbedingtem Willen, am Ball zu bleiben und Album um Album zu veröffentlichen. Nebenbei arbeiten alle drei Pilze an einer soliden Ausbildung, die dann auch noch dazu angetan ist, das Bandprojekt weiter voranzutreiben.

So ist die durch eine Crowdfunding-Kampagne finanzierte Doku von Schlagzeuger Fabi und Mäx Bruder David Schlichter gedreht und in der Filmfirma Nordpolaris verlegt worden, die Fabian Halbig zusammen mit Florian Kammhuber betreibt. Gitarrist Mäx hat Musik und Produktion studiert und ist nun in der Lage, das musikalische Output der Band zu produzieren. Das alles hört sich an, als hätten die Killerpilze einen Masterplan, um als ehrliche, hart arbeitende deutsche Rockband anerkannt zu werden. Und eben dieser Spirit ist es, der die Doku „Immer noch jung“ so interessant und fesselnd macht.

Filmisch ist „Immer noch jung“ typisch aufgebaut, kann auf enorm viel persönliches Archivmaterial zurückgreifen, da in den frühen Tagen der Band scheinbar immer eine Kamera dabei war. Die Bühnenqualitäten der noch immer jungen Musiker sprechen für sich selbst und ja, die Jungs rocken. So beginnt und endet die Doku mit dem Einschwören der Band vor den Auftritten. Damals und heute dasselbe Ritual. Und als ehemalige Teenie-Band muss man es erst einmal schaffen, bei Rock am Ring auf der Bühne zu stehen.

Die selbstproduzierte Doku „Immer noch jung – 15 Jahre Killerpilze“ zeigt, wie eine junge Band ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt und sich von dem Stigma des Teenie-Hypes emanzipiert. Es gibt ein Leben jenseits von Casting Shows, Medienhype und 15-Minuten-Ruhm. Das macht Mut und ist beispielhaft. Für die Killerpilze geht definitiv noch was.

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Wir vergeben daher 7,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Nordpolaris

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Länge: 108 Minuten

Kategorie: Documentary, Music

Start: 05.10.2017

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Immer noch jung – 15 Jahre Killerpilze

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 108 Minuten
Kategorie: Documentary, Music
Start: 05.10.2017

Bewertung Film: (7,5/10)

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