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Schumanns Bargespräche

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 2. August 2017

Schumanns Bargespräche

Egal ob es nun die Hotelbar ist oder eine schummrige irgendwo in der Stadt, nahezu jeder ist mit der Barkultur, den Besuchern und der Vielzahl an Drinks bereits einmal in Berührung gekommen. In der Dokumentation „Schumanns Bargespräche“ entführt uns Charles Schumann in die ungewöhnlichsten Bars der unterschiedlichsten Länder, um einen Einblick in die verschiedensten Cocktails zu geben und den Kellnern hinter dem Tresen einfach nur zuzuhören.

Schumanns BargesprächeFür Regisseurin Marieke Schroeder (Richard Strauss – Skizze eines Lebens) war Charles Schumann schon immer ein ganz besonderer Mensch, denn obwohl der Niederbayer beim Grenzschutz anfing, eine Ausbildung beim Auswärtigen Amt absolvierte und schließlich sogar einen Stripteaseclub an der spanischen Grenze leitete, war seine Berufung doch immer das Geschehen in einer Bar. Anfangs noch angestellt in „Harry’s New York Bar“, eröffnete er schon bald mit „Schumann’s American Bar“ sein erstes eigenes Lokal, wo diverse Cocktails von ihm erschaffen wurden und den Siegeszug über die gesamte Welt antraten.

In „Schumanns Bargespräche“ soll es aber nicht unbedingt um den 75-Jährigen gehen, denn obwohl dieser von seiner ersten Bar berichtet, den Besuchern, die sich in erster Linie aus Menschen der Kunstszene, Musikern und Journalisten zusammensetzten, gibt er doch einen kleinen Einblick in die vorherrschende Barkultur. Bars müssen dunkel sein, ein dezentes Licht besitzen und gleichwohl einen Mann hinter der Theke, der jedem seiner Kunden einen Wunsch von den Lippen ablesen kann.

Schumanns BargesprächeNeben vielen älteren Geschichten über die unterschiedlichsten Besucher, Nächte, in denen man hunderte verschiedener Cocktails zubereitet und gekostet hat, gibt uns Schumann vor allem kleine Einblicke in sein Seelenleben. Für Schumann gab es stets nur die Devise: Mach es ganz oder gar nicht, etwas dazwischen gibt es nicht.

Charles Schumann steht hier aber nicht unbedingt im Mittelpunkt der Geschichte, denn Charles ist vielmehr eine Art Stadtführer, wenn es darum geht, die unterschiedlichsten Bars dieser Welt zu erkunden. Trotz seines gehobenen Alters scheint dieser noch immer rastlos zu sein, wenn es ihn ins New Yorker Dead Rabbit (World’s Best Bar 2016) zieht, in die Berliner Victoria Bar, in die Pariser Hemingway Bar, ins Floridita auf Kuba oder in die High Five Bar in Tokio.

Schumanns BargesprächeSie alle haben eine gewachsene Barkultur gemein, Gäste, die diese zu schätzen wissen, gleichwohl sind aber auch sie dem Wandel der Zeit unterlegen. Früher war alles sehr viel offener, berichtet Schumann, wenn man allein in die Bar gehen konnte und sofort einen Gesprächspartner fand. Heutzutage ist alles viel privater, was man in dieser Form aber auch akzeptieren muss. Für Schumann sind Menschen aber sowieso eher verhasste Objekte, wie er bei einer Veranstaltung einmal so schön zum Besten gibt. Viel interessanter sind da schon die Cocktails, die er noch heute am liebsten selbst hinter dem Tresen kreiert.

Wo die einen Barkeeper einem ganz genauen Rezept folgen, geht bei Schumann vieles nach Gefühl. „Da schmeckt kein Getränk wie das andere“ meint einer seiner Angestellten so schön, andererseits wird damit auch die Einzigartigkeit hervorgestellt, mit der diese zusammengemixt werden. Um Cocktails geht es natürlich auch in „Schumanns Bargespräche“ und so berichten die unterschiedlichsten Barkeeper von ihren Drinks, rühren diese an, schwärmen von frischen und geheimen Zutaten, während Schumann diese probiert.

Selbiger ist dabei alles andere als redegewandt, was man dieser Dokumentation dann auch ein wenig anlasten muss. Charles Schumann ist kein Mann der großen Worte und so kommen seine Kommentare oft nicht über ein zustimmendes „Ja“ hinaus, welches womöglich noch mit einem „Bravo“ abgerundet wird. Sieht man darüber einmal hinweg, so vermag die Rundreise zwischen den Kontinenten zu gefallen, bei der die Kunst des Generierens von Getränken wunderbar mit Interviews von Barkeepern abgerundet wird.

Mit „Schumanns Bargespräche“ gelingt Marieke Schroeder eine einzigartige Dokumentation über eine Nische, die bisher kaum auf Film festgehalten wurde. Trotz des eher wortkargen Charles Schumann erhält der Zuschauer jede Menge Einblicke in die Historie der Bar-Szene, der Bar-Kultur und das Zubereiten der ungewöhnlichsten Drinks, bei denen natürlich das reine Genießen im Vordergrund steht.

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Copyright: NFP, Niv Abootalebi

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Schumanns Bargespräche

Länge: 98 min

Kategorie: Documentary

Start: 12.10.2017

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

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Info

Schumanns Bargespräche

Schumanns Bargespräche

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 98 min
Kategorie: Documentary
Start: 12.10.2017

Bewertung Film: (6,5/10)

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