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Maleika

Geschrieben von Peter Gutting am 17. August 2017

Maleika

Nur noch 7000 Geparden gibt es laut Schätzungen in freier Wildbahn. Ob das schnellste Landtier der Erde überleben kann, ist ungewiss. Getreu dem Motto, dass man am ehesten das schützt, was man kennt, bringt uns Dokumentarfilmer Matto Barfuss die gefleckten Raubtiere so nah wie möglich. Das ist ganz wörtlich zu nehmen, sowohl räumlich wie auch emotional. Matto Barfuss erzählt von den Geparden, als wären sie gute Freunde oder sogar enge Verwandte von uns.

MaleikaMit dem Raubtier auf Augenhöhe – das ist so etwas wie das Markenzeichen des Autors, Fotografen und Filmemachers. Ende der 1990er Jahre lebte er ein halbes Jahr lang mit einer wilden Gepardenfamilie zusammen. Auf allen Vieren kriechend, wurde der Abenteurer als einer von ihnen akzeptiert. Das trug ihm den Spitznamen „der Gepardenmann“ ein. Und hinterließ eine bleibende Liebe zu der bedrohten Spezies. 2013 traf Barfuss eine Gepardin, die er als Urenkelin seiner früheren „Adoptionsmutter“ betrachtet. Er nannte sie „Maleika“. Und weil sie ein Jahr später gleich sechs Junge zur Welt brachte, war die erfahrene Jägerin der ideale Filmstar.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. „Maleika“ besteht ausschließlich aus dokumentarisch gedrehtem Material. Trotzdem ist die endgültige Schnittfassung wie ein Spielfilm aufgebaut: mit einer Heldin, die vor einer schier unüberwindlichen Herausforderung steht, und einer Reise, auf der die Heldin über sich hinauswachsen muss. Auch wenn Maleika nicht die Welt retten muss, fordert ihre Aufgabe, daran lässt der Regisseur keine Zweifel, eine „Superwoman“. Sechs Junge achtzehn Monate lang durchzubringen und zu guten Jägern zu erziehen, ist schier unmöglich. Zu unwirtlich ist das Leben im paradiesisch anmutenden Savannengebiet Masai Mara im Südwesten Kenias, angrenzend an den Serengeti-Nationalpark.

MaleikaPutzig tollen die sechs Babys um die Mutter herum, beißen sich zärtlich in den Nacken, purzeln übereinander, lecken sich gegenseitig das Fell. Immer wieder filmt Barfuss solche Idyllen in Großaufnahme. Fährt die Kamera ein wenig zurück, sieht man Gnu-Herden scheinbar friedlich in der Nachbarschaft grasen. Zebras ziehen vorbei, mal lassen sich Elefanten oder Giraffen blicken. Vieles befindet sich in einem artenreichen Gleichgewicht in einem der schönsten Naturschutzgebiete der Welt. Aber die Harmonie des großen Ganzen ist mit harten Überlebenskämpfen im Kleinen erkauft. Das Prinzip Fressen und Gefressenwerden dominiert diesen Tierfilm mehr als andere. Denn die Geparden sind zwar schnell, haben aber viele Feinde. Löwen etwa, oder Hyänen. Sogar die Gnus nutzen jede Gelegenheit, Babys ihrer Jäger zu töten, um deren Zahl möglichst gering zu halten.

Der Niedlichkeitsfaktor, die Vermenschlichung und das Spannungsprinzip – all das ist in einem Tierfilm nicht neu, selbst wenn von dokumentarischer Objektivität nur noch der Name übrig bleibt. Auch in „Maleika“ hat die Hollywoodisierung des Tierfilms eine gewisse Berechtigung. Denn im Gewand der unterhaltsamen Form werden viele Fakten transportiert, für die man andernfalls kein Kinopublikum begeistern könnte, vor allem keine Kinder. Wie geschickt die Jäger sein müssen, um ihre Beute zu reißen, wie oft der Versuch misslingt und wie nah sie dann dem Rand des Verhungerns kommen – das prägt sich in den rasanten Verfolgungsjagden und den ästhetisierenden Zeitlupen tief ins Gedächtnis ein. Und vermutlich wird man die klaffende Wunde der verletzten Mutter so schnell nicht vergessen, die dennoch für ihre Jungen durch die Steppe sprintet.

MaleikaAber „Maleika“ überzieht den Bogen der Vermenschlichung. Es mag ja ganz lustig sein, vor allem für Kinder, dass Sprecher Max Moor der Gepardin bei einem Missgeschick den Spruch „Hey, Kamera aus“ in den Mund legt. Aber wenn dem Tier ein „Leben für Freiheit und Liebe“ angedichtet wird, ist die Kitschgrenze eindeutig überschritten, selbst wenn man das Gepardendrama ausschließlich als Kinderfilm betrachtet. Unerfindlich bleibt in diesem Zusammenhang, warum man ausgerechnet den Kulturjournalisten Max Moor als Erzählonkel engagiert hat. Der aus dem ARD-Magazin „Titel, Thesen, Temperamente“ bekannte Moderator bringt ein viel zu seriöses Image mit, als dass er glaubwürdig Süßholz raspeln könnte. Vermutlich dürfte es die umweltaktivistische Botschaft des Films gewesen sein, die Moor gelockt hat. Dennoch ist er eine Fehlbesetzung. Vielleich hat er zu spät gemerkt, dass bei diesem Text das Prädikat „gut gemeint“ nicht vor Fremdschämen schützt.

Für Kinder ist „Maleika“ gut geeignet, weil er die blutigen Konsequenzen des Raubtierlebens dezent an den Rand drückt oder geschickt überspringt. Erwachsene hingegen dürften mit der dick aufgetragenen Musik und der übertriebenen Vermenschlichung ihre Probleme haben. Darüber helfen dann höchstens die faszinierenden Bilder und der Niedlichkeitsfaktor der Katzenbabys hinweg.

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Copyright: Camino Filmverleih

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Maleika

Länge: 106 min

Kategorie: Documentary

Start: 12.10.2017

cinetastic.de Filmwertung: (5/10)

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Maleika

Geschrieben von Peter Gutting

Länge: 106 min
Kategorie: Documentary
Start: 12.10.2017

Bewertung Film: (5/10)

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