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Killer’s Bodyguard

Geschrieben von Frank Schmidke am 28. August 2017

Die Action-Komödie lässt sich heutzutage nicht mehr neu erfinden. Häufig genug steht und fällt das Genre mit dem Charisma der Hauptdarsteller, die nicht selten in allerbester Buddy-Manier als ungleiches Duo auftauchen. Dabei haben die Figuren von Samuel L. Jackson und Ryan Reynolds in „Killer’s Bodyguard“ eigentlich mehr gemeinsam, als sie sich eingestehen wollen, denn sie setzen ihre Talente mit entgegengesetzten Absichten ein. Die Action-Komödie „Killer’s Bodyguard“ ist vor allem deshalb unterhaltsam, weil alle Beteiligten das tun, was man gerne von ihnen sieht.

Weil sich der Verleih nicht sicher war, dass die deutschsprachige Zielgruppe dieser recht brutalen Action-Komödie von Regisseur Patrick Hughes („The Expendables 3“) sich soweit im Gaunerjargon auskennt, um zu wissen, was ein Hitman ist, hat man den Film kurzerhand von „The Hitmans’s Bodyguard“ in „Killer’s Bodyguard“ umbenannt. Das Prinzip bleibt dasselbe und hart recht wenig mit der schmusigen Romanze „Bodyguard“ mit Whitney Huston und Kevin Costner von 1992 zu tun. Überraschend ist vielmehr das Maß an übersteigerter Gewalt, dass „Killer’s Bodyguard“ in einer Altersfreigabe ab 16 Jahren so auffahren darf. Eventuell mag es „Deadpool“ geschuldet sein, dass die Filmbewertungsstelle stilisierte Gewalt nicht mehr in dem Maße als jugendgefährdend einstuft, wie das noch vor einem Jahrzehnt der Fall war.

Wie auch immer: in „Killer’s Bodyguard“ hat Personenschützer Michael Bryce (Ryan Reynolds) seine hochgelobte Firma und auch sein Privatleben in den Sand gesetzt, als ihm in letzter Sekunde ein Klient abgeknallt wird. Bryce macht die Schuld dafür an seiner Freundin Amelia Russel (Elody Young) fest, die irgendwie geplaudert haben muss. So etwas verträgt keine Beziehung.

Nun, zwei Jahre später, hat Amelia in ihrer Funktion als Interpol-Beamtin die Aufgabe, mit ihrem Team einen professionellen Killer von England nach Den Haag zu befördern. Darius Kincaid (Samuel L. Jackson) soll dort vor dem internationalen Gerichtshof gegen den weißrussischen Diktator Victor Dukhovich (Gary Oldman) aussagen. Bislang läuft der Prozess allerdings nicht so gut, weil Dukhovich systematisch alle Zeugen aus dem Weg räumen lässt. Und auch Amelia kommt mit Kincaid nicht einmal aus den Startlöchern.

Kincaid ist clever genug, zu erkennen, dass der Diktator einen Informanten bei Interpol sitzen haben muss und rät seiner Beschützerin, sich dort Hilfe zu holen, wo es niemand erwartet. Woraufhin, Amelia widerwillig ihren Ex anruft und ihn damit lockt, dass er als Personenschützer wieder in der ersten Liga mitspielen könnte, wenn er Kinkaid nach Den Haag befördert. Doch Kincaid und Bryce sind alte Feinde, die sich schon diverse Male gegenseitig in die Quere gekommen sind. Allerdings sind die beiden auch ein schlagkräftiges Team, und Amelias Tipp, das einzige, was die beiden daran hindern könnte, nach Den Haag zu gelangen sei, wenn sie sich gegenseitig umbringen, erweist sich als recht zutreffend.

Drehbuchautor Tom O’Connor, der mit seinem Autorendebüt „Fire with Fire“ 2012 nicht eben überzeugen konnte und einen eher belanglosen Rachethriller mit Bruce Willis hinlegte, erfindet zwar mit der Story zu „Killer’s Bodyguard“ die Action nicht gerade neu, aber die beiden Hauptfiguren sind ganz auf die beiden Stars Ryan Reynolds und Samuel L. Jackson zugeschnitten. Wer es mag, wenn Reynolds mit kanadischem Understatement mit seinem Schwiergersohn-Image ringt, während Sam Jackson ihm mit flotten Sprüchen und handfesten Argumenten auf den Geist geht, während Gary Oldman einen mehr als soliden, aber ebenfalls typischen, ruchlosen Filmbösewicht mimt, wird in „Killer’s Bodyguard“ auch sehr ordentlich unterhalten.

Die Action kommt recht handfest rüber und vor allem die turbulente Verfolgungsjagd in Amsterdam weiß mit gehörigem Tempo und diversen fahrbaren Untersätzen zu gefallen. Insgesamt wirkt die Actionkomödie sehr old-school-mäßig, erinnert wohltuend an 90er-Jahre-Actioner, was durch den 80er-Soundtrack untermalt wird und dem Film gut zu Gesicht steht. Ein bisschen fühlt man sich an die alten „Lethan Weapon“-Filme erinnert, eher aber dann doch an den zweiten „Stirb langsam“-Film „Jetzt erst recht“ (1995), in dem Sam Jackson neben Bruce Willis agierte.

Sucht man unter den Action-Filmen neueren Datums nach einer Referenzgröße für „Killer’s Bodyguard“ so fällt einem„From Paris with Love“ (2010) ein. In der Story von Luc Besson geht es zwar um einen alten Haudegen und einen Schreibtischhengst, die zusammen gegen Terroristen vorgehen sollen, aber die Figurendynamik zwischen John Travolta und Jonathan Rhys Meyers hat eine gewisse Ähnlichkeit mit der zwischen Reynolds und Jackson in „Killer’s Bodyguard“. Allerdings sitzt in Patrick Hughes Action-Komödie längst nicht jeder Gag und einiges ist ganz schön absehbar und abgeschmackt.

Samuel L. Jackson und Ryan Reynolds und auch Salma Hayek, die eine kleine, aber feine Nebenrolle hat, reißen die Action-Komödie „Killer’s Bodyguard“ aus der Genre-Belanglosigkeit heraus und sorgen für hirnfreie Kurzweil im Kino. Und wenn der Film dazu beiträgt, den Internationalen Gerichtshof in Den Haag auf die mentale Landkarte des Durchschnittsamerikaners zu setzen, gibt es auch noch ein wenig politische Bildung obendrauf.

 

 

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Copyright: 20th Century Fox

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Länge: 11 Minuten

Kategorie: Action, Comedy

Start: 31.08.2017

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Killer’s Bodyguard

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 11 Minuten
Kategorie: Action, Comedy
Start: 31.08.2017

Bewertung Film: (6/10)

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