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Der Dunkle Turm

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 8. August 2017

Der dunkle Turm
Es gibt immer wieder Romane, die aufgrund ihrer Struktur und der dahinterliegenden Komplexität kaum bzw. nur sehr schwer zu verfilmen sind. Stephen Kings Zyklus vom Dunklen Turm galt lange Zeit als nicht verfilmbar, umso mehr erstaunte es schließlich, als Sony Pictures plötzlich mit einer Pressemitteilung herauskam, dass es doch einen Regisseur gäbe, der sich diesem annehmen möchte.

Der dunkle TurmDer zwölfjährige Jake Chambers (Tom Taylor) wird bereits seit vielen Jahren von dunklen Visionen und Träumen geplagt. Meist geht es darin um schreckliche Gestalten, mysteriöse Welten, einen Revolvermann und einen Mann in Schwarz. Für seine Umwelt ist Jake ein kleines verrücktes Etwas, das gern zeichnet, für seine Mutter (Katheryn Winnick) allerdings ein Sohn, der dringend fachmännische Hilfe benötigt, die über die normalen Stunden beim Psychiater hinausgeht.

So beschließt sie schließlich, Jake für einige Tage in eine Einrichtung einzuweisen, doch als Jake besagte Menschen erblickt, sieht er plötzlich die Helfer des Mannes in Schwarz. Sofort ergreift er die Flucht, sucht ein altes Haus aus seinen Träumen auf, in welchem er schließlich ein Portal entdeckt. Besagte Portal bringt Jake in eine öde und verlassene Welt, wo er schließlich den Revolvermann Roland (Idris Elba) kennenlernt. Dieser befindet sich gerade auf der Suche nach seinem alten Widersacher Walter O’Dim (Matthew McConaughey) – auch bekannt als der Mann in Schwarz -, wofür er Jakes Visionen dringend gebrauchen kann.

Der dunkle TurmAls Stephen King im Oktober des Jahres 1978 den ersten Teil seines „Der Dunkle Turm“-Zyklus‘ veröffentlichte, dachte er wohl nicht im Traum daran, dass er für die nächsten sieben Bücher fast vier Jahrzehnte benötigen würde. Seine Geschichte ist komplex, oft wusste King selbst nicht einmal, wo er hin wollte, während er unzählige Details (nicht zuletzt sich selbst als Schriftsteller) aus anderen Werken mit einbaute. Sein Werk basiert dabei lose auf dem Gedicht „Herr Roland kam zum finstren Turm“ von Robert Browning, das er während seines Studiums gelesen hat.

Aufgrund der Komplexität, der Unmenge an Details, Verschachtelungen und nicht zuletzt der recht zerfahrenen Struktur galt „Der dunkle Turm“ lange Zeit als nicht verfilmbar. Umso mehr war man schließlich davon überrascht, als uns der dänische Regisseur Nikolaj Arcel (Die Königin und der Leibarzt) vom Gegenteil überzeugen wollte und mit den Autoren Akiva Goldsman (Star Trek: Discovery), Jeff Pinkner (Fringe – Grenzfälle des FBI) und Anders Thomas Jensen (Brothers) ein entsprechendes Drehbuch schrieb.

Der dunkle TurmSelbiges ist sehr ungewöhnlich ausgefallen, denn anstatt die Romanvorlage als Wegweiser zu nehmen, ließ er sich von dieser bestenfalls inspirieren. In seinem gerade einmal 90-minütigen Werk ist daher sehr viel unter den Tisch gefallen, denn anstatt Roland als verletzten und gebrochenen Mann zu zeigen, der sich Gefährten sucht, stolpert hier Jake bestenfalls über ihn. Drei Gefährten wurden zu einem reduziert, was aufgrund der verfügbaren Zeit durchaus legitim erscheint, auf der anderen Seite aber insbesondere die Kenner und Fans der Romane verärgern könnte.

Die Geschichte selbst ist kurzweilig, denn im Grunde geht es nur um ein paar entführte Kinder, die mit ihrem Shining in der Mittwelt den Turm mit bloßer Gedankenkraft zum Einsturz zu bringen versuchen. Wo Kenner der Bücher sich natürlich sofort zuhause fühlen, dürfte das bei Neulingen jede Menge Fragezeichen im Gesicht hinterlassen. „Shining, hä?“ Was sich bei Stephen King in gleich mehreren Romanen immer wieder als seltene Gabe interpretieren lässt, ist hier der Dreh- und Angelpunkt rund um den Turm, wobei Nikolaj Arcel dem Zuschauer auch hier wichtige Details vorenthält, die bei einem 90-minütigen Film aber womöglich den Rahmen gesprengt hätten.

Der dunkle TurmWas bleibt, ist also eine sehr übersichtliche und für Neulinge vor allem verwirrende Geschichte, die als Blockbuster künstlich aufgeblasen wird. In eindrucksvollen Szenen sieht man Roland, wie er Gegner im Dutzend zu Boden schickt, doch so chic das visuell auch aussehen mag, es lässt den Zuschauer überwiegend kalt. Dies liegt vor allem an einer recht zerfahrenen Umsetzung, bei der man stets das Gefühl hat, nur Fragmente vorgeworfen zu bekommen. Genau dies ist leider auch der Fall, denn Kenner der Vorlage finden verschiedene Orte und Anspielungen wieder, die sich auf rund acht Romane verteilen. Was in diesen schlüssig und in einem Fluss dargelegt wurde, fühlt sich hier leider oft wie ein Fremdkörper an, was insbesondere bei Neulingen aufstoßen wird.

Lässt man dies außer Acht, so findet man in „Der Dunkle Turm“ eine Unmenge an Details, die sich vor allem an die Fans der Reihe richten. Ob dies das Foto im Rücken des Psychiaters ist, die Warnung an den Wänden über den Scharlachroten König oder eben Kleinigkeiten im später aufgesuchten Dorf, man muss sie nur entdecken.

So durchwachsen der Film aber auch ist, in Hinblick auf die Darsteller haben die Verantwortlichen alles richtig gemacht. Tom Taylor (Docter Foster) kann in der Rolle des Jake überzeugen, Idris Elba (Thor: Tag der Entscheidung) gibt einen sehenswerten Revolvermann ab und auch Matthew McConaughey (Interstellar) vermag als fieser Mann in Schwarz zu gefallen.

Fans der Romanvorlage wird „Der Dunkle Turm“ ähnlich enttäuschen wie absolute Neulinge, denn wo für erstere vieles zu schnell abgehandelt wird, verbleibt für andere vieles im Dunkeln, da sich der Zusammenhang einfach nicht offenbart. Als Drei- bis Vierteiler, der sich an die Romane hält, hätte „Der Dunkle Turm“ mit Sicherheit etwas Großes werden können.

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Wir vergeben daher 5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Sony

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Der dunkle Turm

Länge: 95 min

Kategorie: Action, Adventure, Fantasy

Start: 10.08.2017

cinetastic.de Filmwertung: (5/10)

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Der dunkle Turm

Der Dunkle Turm

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 95 min
Kategorie: Action, Adventure, Fantasy
Start: 10.08.2017

Bewertung Film: (5/10)

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