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Das ist unser Land!

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 13. August 2017

Das ist unser Land!

Als im Mai 2017 die Wahlen in Frankreich anstanden, war die Angst der europäischen Mitgliedsstaaten zu spüren. Zum ersten Mal seit langem könnte mit Marine Le Pen eine Rechtspopulistin an die Macht kommen, was tiefgreifende Änderungen für alle in Europa bedeutet hätte. Mit „Das ist unser Land!“ greift Lucas Belvaux die Stimmung in Frankreich auf und zeigt eindrucksvoll, wie kurz der Weg vom einem frustrierten Nichtwähler hin zum Wähler einer rechtspopulistischen Partei ist.

Das ist unser Land!Die Mittdreißigerin Pauline (Émilie Dequenne) arbeitet in einer Kleinstadt im Norden Frankreichs als selbständige häusliche Krankenschwester. Mit viel Liebe und Fürsorge kümmert sie sich um die überwiegend älteren Patienten, während sie als alleinerziehende Mutter scheinbar nebenbei die beiden Kinder und ihren kranken Vater versorgt. Beinahe täglich wird Pauline mit steigender Arbeitslosigkeit konfrontiert, mit grauenhaften Zuständen und einem System, dass sich um die kleinen Leute nicht mehr zu kümmern scheint.

Eines Tages wird ihr vom örtlichen Arzt Dr. Berthier (André Dussollier) ein unmoralisches Angebot unterbreitet, denn was wäre, wenn sie als Bürgermeisterin kandidieren würde, um die Probleme anzupacken und zu lösen? Was sie im ersten Moment noch als Scherz betrachtet und ablehnt, festigt sich bei ihr schon bald als echte Möglichkeit, doch kann sie tatsächlich unter der Führung von Parteichefin Agnès Dorgelle (Catherine Jacob) kandidieren, der Tochter eines alten Faschisten? Ihre neue Partei scheint sich jedoch weder rechts noch links zu positionieren, wodurch einzig und allein das Wohl der Franzosen im Vordergrund stehen soll, doch was heißt dies überhaupt?

Das ist unser Land!Im Frühjahr diesen Jahres erschien der Roman „Der Block“ von Jérôme Leroy, der sich fiktiv der Geschichte zweier Männer annahm, die an ihre Zeit im Block einer rechtsradikalen Partei zurückdenken. Regisseur und Drehbuchautor Lucas Belvaux (Nach dem Leben) konnte diesen Roman in seiner Gänze nicht adaptieren, daher entschloss er sich das äußere Gerüst zu nehmen, um dieses dann mit Leben zu füllen. Herausgekommen ist ein Film der stark an Front-national-Chefin Marine Le Pen erinnert, die sich ebenso von ihrem fragwürdigen Vater abgewandt hat, um mit ähnlich populistischen Gedankengut eine eigene Partei zu gründen und Europa in seinen Grundfesten zu erschüttern.

In „Das ist unser Land!“ dreht es sich aber nicht um Le Pen und ihre Partei, es geht vielmehr um eine angesehene junge Frau, die sich trotz Arbeit längst ihrem Schicksal ergeben hat. Wählen gehen bringt sowieso nichts, die Arbeitslosenzahlen steigen monatlich und ganz nebenbei kommen täglich mehr Migranten nach Frankreich, die unter der Hand die Arbeit der Einheimischen erledigen. Mit dem angesehenen Arzt Dr. Berthier wird nun beispielhaft zelebriert, wie einfach ein solcher Mensch mit rechtem Gedankengut beeinflusst werden kann, wie er vom Nichtwähler zum Wähler wird und sich letzten Endes sogar selbst zur Wahl aufstellen kann.

Das ist unser Land!Was auf der einen Seite den psychologischen Aspekt wunderbar wiedergibt, offenbart auf der anderen kleine Schwächen, wenn es ums eigentliche Hinterfragen der Partei und des Programms geht. Erst auf der Zielgraden wird Pauline dies bewusst, was sich dramaturgisch dann doch wie ein Fremdkörper anfühlt. Wesentlich gelungener erscheint dagegen die eingeflochtene Romanze zur Jugendliebe Stanko (Guillaume Gouix), der als ehemalige Führungsperson eines rechten Blocks noch heute über einflussreiche Kontakte verfügt.

„Das ist unser Land!“ lebt in erster Linie von Émilie Dequenne (Rosetta), die mit viel Hingabe die alleinerziehende Mutter spielt und wunderbar darlegen kann, wie leicht selbst eine im Leben stehende Frau sich vom rechten Gedankengut verführen lassen kann. Nicht weniger gelungen ist aber auch das Spiel von André Dussollier (Gemeinsam wohnt man besser), der mit seiner schmeichelnden und einfühlsamen Art beinahe jeden um den Finger wickeln kann.

Mit „Das ist unser Land!“ präsentiert Lucas Belvaux einen Film, der aktueller kaum sein könnte. Obwohl sein Werk so manch dramaturgische Schwäche aufweist, überzeugt er doch mit zwei sehenswerten Darstellern und einer auf den Punkt kommenden Botschaft.

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Wir vergeben daher 6,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Alamode Film

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Das ist unser Land!

Länge: 117 min

Kategorie: Drama

Start: 24.08.2017

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 117 min
Kategorie: Drama
Start: 24.08.2017

Bewertung Film: (6,5/10)

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