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Auguste Rodin

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 13. August 2017

Auguste Rodin

Der französische Künstler Auguste Rodin musste viele Jahrzehnte um Anerkennung in der Gesellschaft kämpfen, doch im Alter von fast 40 Jahren erhielt er vom Staat schließlich den Auftrag, das Höllentor zu entwerfen, das wiederum von Dantes „Göttlicher Komödie“ inspiriert sein sollte. Regisseur und Drehbuchautor Jacques Doillon versucht die Geschichte eines Mannes zu erzählen, der sich Zeit seines Leben zwischen Kunst und den Frauen entscheiden musste und dabei nicht zur Ruhe kam.

Auguste RodinParis im Jahre 1880: Der skandalträchtige und überaus erfolgreiche Bildhauer Auguste Rodin erhält mit 40 Jahren seinen ersten Staatsauftrag. Er soll „Das Höllentor“ entwerfen, inspiriert von Dantes „Göttlicher Komödie“, das als Bronzeportal den Eingang des Pariser Louvre schmücken soll. Sechs Meter hoch und vier Meter breit, das später berühmte Skulpturen wie „Der Denker“ und „Der Kuss“ beherbergen wird. „Das Höllentor“ wird zu Rodins Lebenswerk, dass er in manischer Arbeit mit der 24 Jahre jüngeren Schülerin Camille Claudel (Izïa Higelin) teilt, mit der er ebenso eine leidenschaftliche Affäre unterhält.

Camille ist talentiert, ihrer Zeit weit voraus und dennoch einer Anerkennung ihres Meisters nicht wert. Rodin sieht ihr Potential, die Leidenschaft ihrer tanzenden Skulpturen, doch bleibt Frauen der engere Zirkel der Künstler verwehrt. Zwischen Arbeit und zügelloser Leidenschaft leben sich beide auseinander, denn Camille muss Rodin nicht nur mit zahlreichen Affären teilen, sondern ebenso mit der Bauerntochter Rose Beuret (Séverine Caneele). Mit 60 Jahren gilt Rodin schließlich als größter Bildhauer aller Zeiten, der nur noch von Michelangelo übertroffen werden kann.

Auguste RodinHervorgegangen aus einer Dokumentation, die leider nie gedreht wurde, wollte sich Regisseur und Drehbuchautor Jacques Doillon (Ponette) den drei großen Leidenschaften des Bildhauers annehmen. Egal ob es die Leidenschaft für das Leben, die Liebe oder die Kunst ist, nichts sollte in seinem Biopic über den bekannten Künstler zu kurz kommen.

So interessant dies im ersten Moment aber auch klingen mag, so durchwachsen ist leider das Resultat ausgefallen. Wo andere Filmemacher in Filmen über berühmte Persönlichkeiten zu akribisch vorgehen und sich oft in Details verlieren, hetzt Doillon durch das Leben von Auguste Rodins, ohne dass auch nur im Ansatz eine Struktur zu erkennen wäre. Es beginnt alles mit dem ersten offiziellen Staatsauftrag, woraufhin der Zuschauer den Bildhauer vor einem riesigen Tor aus Gips stehen sieht, der scheinbar endlos überlegt, wie die nächste Figur wohl aussehen könnte. Plötzlich folgt ein schwarzer Übergang, ein Teil einer Zeichnung ist für den Zuschauer zu sehen, während aus dem Off die Stimme Auguste Rodins ertönt, der etwas zur Kunst mitzuteilen hat.

Auguste RodinVon Sprüngen wie diesen gibt es unzählige, wodurch manchmal nur Tage, oft aber Monate und Jahre im Leben Auguste Rodins vergehen. Für den Zuschauer ist die vergangene Zeit kaum nachvollziehbar und so muss man sich leider vieles zusammenreimen, was hier denn passiert sein könnte. Leider nimmt es Jacques Doillon nicht nur mit der zeitlichen Abfolge und den angesprochenen Lebensabschnitten nicht so genau, auch die eigentliche Kunst wird nicht sonderlich priorisiert. Der Zuschauer wird in nur wenigen Sequenzen Zeuge, wie berühmte Werke entstehen, stattdessen wird man beinahe zwei Stunden mit Frauengeschichten konfrontiert, die allesamt schön anzusehen sind, von der Figurenzeichnung aber absolut keinen Mehrwert aufzuweisen haben.

Man könnte beinahe meinen, dass für Jacques Doillon die zahlreichen Affären in diesem Biopic im Mittelpunkt stehen, dass Kunst alles andere als wichtig ist und dass man stattdessen darüber berichten muss, welch tragische Figur Camille Claudel war, die Zeit ihres Lebens weder Anerkennung von ihrem Meister erfuhr, noch von der damaligen Kunstszene und der Gesellschaft.

Dies alles macht „Auguste Rodin“ in erster Linie zu einem sehr trockenen Werk, das über zwei Stunden hinweg von einem der berühmtesten Bildhauer berichtet, ohne auf dessen Kunst einzugehen. Was in Sachen Dramaturgie schon alles andere als spannend gestaltet ist, wird nur noch von den wahllos aneinandergefügten Lebensabschnitten übertroffen, in denen sich der Zuschauer zu verlieren droht.

Jacques Doillons „Auguste Rodin“ ist eine wahllose Aneinanderreihung von Lebensabschnitten des berühmten Bildhauers, bei der weniger die Kunst, als vielmehr die Vielzahl von Affären im Vordergrund stehen. Für Interessierte am Künstler und seinen Werken bietet dieser Film leider nur bedingt einen echten Mehrwert.

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Wir vergeben daher 5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Wild Bunch

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Auguste Rodin

Länge: 119 min

Kategorie: Biography, Drama, Romance

Start: 31.08.2017

cinetastic.de Filmwertung: (5/10)

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Auguste Rodin

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 119 min
Kategorie: Biography, Drama, Romance
Start: 31.08.2017

Bewertung Film: (5/10)

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