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The Promise – Die Erinnerung bleibt

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 31. Juli 2017

The Promise - Die Erinnerung bleibt

Ungeachtet der Kritik aus der Türkei hat die Bundesregierung im Juni des Jahres 2016 die Armenien-Resolution verabschiedet, worin die Ermordung von rund 1.5 Mio. Menschen offiziell als Völkermord bezeichnet wird. Mit „The Promise – Die Erinnerung bleibt“ versucht nun Regisseur Terry George die grauenhaften Ereignisse aufzuarbeiten, wenn er die harten Fakten eines Genozids mit einer Liebesgeschichte zu verbinden versucht.

The Promise - Die Erinnerung bleibtKonstantinopel im Jahre 1914: Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges versucht der junge Apotheker Michael (Oscar Isaac) in der Hauptstadt des Osmanischen Reiches den nächsten Schritt zu gehen. Dort plant er nämlich ein Medizinstudium zu absolvieren, um im Anschluss in sein Heimatdorf zurückzukehren, seine Verlobte zu heiraten und dort ein Krankenhaus zu eröffnen. Während der Zeit in Konstantinopel wohnt Michael bei seinem Onkel, wo er auch die bildhübsche Künstlerin Ana (Charlotte Le Bon) und deren Geliebten, den amerikanischen Fotojournalisten Chris Myers (Christian Bale), kennenlernt.

Schon bald kommen sich Michael und Ana näher, doch der hereinbrechende Krieg scheint auch für ihn unausweichliche Auswirkungen zu haben. Plötzlich werden Armenier scheinbar wahllos verhaftet, offen auf der Straße erschossen, woraufhin für beide nur die Flucht bleibt. Während Michael schon bald in einem Arbeitslager landet, kann er Ana nicht vergessen. Als ihm die Flucht schließlich gelingt, beginnt der Kampf ums nackte Überleben, wird doch gerade ein Genozid an seinem Volk verübt.

The Promise - Die Erinnerung bleibtFür die Türkei ist der erwiesene Völkermord im Ersten Weltkrieg noch immer ein Thema, das man nicht ansprechen möchte. Die deutsche Regierung wurde vor der Armenien-Resolution unter Druck gesetzt und auch die Veröffentlichung von „The Promise – Die Erinnerung bleibt“ stand unter keinem guten Stern, wurde der Film doch bereits während der Premiere mit tausenden ein-Sterne-Bewertungen auf der IMDB abgestraft.

Ungeachtet der politischen Gegebenheiten versuchte Regisseur und Drehbuchautor Terry George (Hotel Ruanda) das Beste aus der Situation zu machen, als er sich dazu entschloss das Drehbuch zusammen mit Robin Swicord (Die Geisha) zu schreiben. Es sollte eine Aufarbeitung der damaligen Geschehnisse werden, gleichwohl wollte man auch eine Dreiecksgeschichte integrieren, anhand derer sich der Verlauf des Filmes abzeichnet.

The Promise - Die Erinnerung bleibtLetzteres ist beiden nur bedingt gelungen, denn wo Michael als junger Mann dargestellt wird, der die Worte seiner Mutter achtet und dem Versprechen seiner Verlobten treu bleibt, sind Künstlerin Ana und Journalist Chris oft nur lose Figuren am Reißbrett. Die Liebesgeschichte bleibt stets oberflächlich, ehrliche und wahrhaftige Liebe ist den Gesichtern der Darsteller nicht zu entnehmen, das einzige, was bleibt, ist die innere Zerrissenheit von Chris. Dieser weiß von der verblassenden Liebe, er sieht die Anziehung, die Michael und Ana für einander verspüren, gleichwohl ist ihm sein Job als Journalist aber wichtig genug, um über private Probleme hinwegzusehen.

Wesentlich besser als eben diese oberflächliche Liebesgeschichte gelingt Terry George die Aufarbeitung historischer Fakten. Der langsame Verlauf von den ersten Verhaftungen über offene Exekutionen bis hin zu den Arbeitslagern ist glaubhaft dargelegt, was den Zuschauer nicht nur emotional berührt, sondern zuweilen auch an Steven Spielbergs „Schindlers Liste“ erinnert. Die Bilder sind dabei in überwiegend warmen Farben gehalten, wodurch Rot-, Gelb- und Brauntöne dominieren, dadurch aber auch ein sonderbarer Kontrast zum eigentlichen Völkermord entsteht.

In den USA ist „The Promise – Die Erinnerung bleibt“ leider komplett untergegangen, denn bei einem Budget von rund 90 Mio. US Dollar (überwiegend vom verstorbenen Kirk Kerkorian finanziert, der selbst armenischer Abstammung ist) wurden nicht einmal 10 Mio. wieder eingespielt. Von der türkischen Regierung wurde der Film bereits als Propagandamaterial abgestraft, die Verantwortlichen in den USA begründen den Misserfolg immerhin noch damit, dass „The Promise – Die Erinnerung bleibt“ in erster Linie der Aufklärung dienen soll. Letzteres gelingt diesem Film zweifelsohne, denn neben Fatih Akins „The Cut“ ist dies einer der wenigen Filme, die sich des armenischen Völkermords annehmen und diesen aufzuarbeiten versuchen.

Terry Georges Drama „The Promise – Die Erinnerung bleibt“ ist in erster Linie eine Herzensangelegenheit, wenn er vom Genozid am armenischen Volk berichtet und dies mit einer Liebesgeschichte verbindet. Leider vermag sich Letztere nicht vollends einzufügen, wodurch zuweilen eine recht seltsame Stimmung entsteht.

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Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Capelight Pictures

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The Promise - Die Erinnerung bleibt

Länge: 133 min

Kategorie: Drama, History

Start: 17.08.2017

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Info

The Promise - Die Erinnerung bleibt

The Promise – Die Erinnerung bleibt

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 133 min
Kategorie: Drama, History
Start: 17.08.2017

Bewertung Film: (6/10)

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