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The Limehouse Golem

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 28. Juli 2017

The Limehouse Golem

Interessante Kriminalgeschichten mit einem historischen Background sind leider rar gesät, was nicht etwa an den fehlenden literarischen Vorlagen liegt, als vielmehr dem Mut und Willen, diese zu verfilmen. Mit „The Limehouse Golem“ setzt Juan Carlos Medina nun den Roman von Peter Ackroyd für die große Leinwand um, in dem ein Mörder in den Straßen Londons sein Unwesen treibt.

The Limehouse GolemLondon im Jahre 1880: Im heruntergekommenen Bezirk Limehouse treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Scheinbar wahllos bringt dieser Menschen um, als einziger Hinweis wird zumeist ein mit Blut geschriebener Text hinterlassen, der in Latein verfasst ist. Für die weniger gebildeten Menschen dieser Gegend erscheint diese Schrift wie eine mystische Sprache, die von niemand geringerem als einem Golem erschaffen sein kann. Nur dieses aus Ton geformte Lebewesen kann besagte Einwohner umgebracht haben, eine Rettung scheint nicht in Sicht zu sein.

Um besagte Morde aufzuklären und unter der Bevölkerung wieder Ruhe einkehren zu lassen, wird Inspektor John Kildare (Bill Nighy) damit beauftragt den Mörder ausfindig zu machen. Während dieser erste Hinweise im örtlichen Theater von Dan Leno (Douglas Booth) zu finden glaubt, erscheinen die Aussagen der Schauspielerin Elizabeth Cree (Olivia Cooke) widersprüchlich, die ganz nebenbei des Mordes an ihrem Ehemann beschuldigt wird. Kann John Kildare den Mörder rechtzeitig finden, oder wird es ein weiteres Opfer geben?

The Limehouse GolemUm den gleichnamigen Roman von Peter Ackroyd zu verfilmen, brauchte es mehr als zehn Jahre. Die Rechte an dem Buch gingen hin und her, es gab erste Drehbuchfassungen, Budgets, diese zu verfilmen, doch zur Umsetzung kam es nie. Erst als sich Autorin Jane Goldman (Kingsman: The Golden Circle) des Stoffes angenommen hat, klang man zuversichtlich, woraufhin man mit Regisseur Juan Carlos Medina jemanden das Vertrauen schenkte, dessen einziger Film (Insensibles) bereits fünf Jahre zurückliegt.

Wer bei „The Limehouse Golem“ einen waschechten Ripper-Thriller erwartet, wird von der Umsetzung des Romans höchstwahrscheinlich enttäuscht werden. Die Morde sind überaus gewalttätig, Blut ist in jeder Ecke des Zimmers zu sehen und dennoch soll es in erster Linie um die Aufklärung der Morde gehen, was recht unstrukturiert verläuft. Die Figur des Inspektor Kildare geht seiner Spur nach, findet Details, verliert sich in diesen und versetzt sich in einzelne befragte Personen hinein, um sich vorzustellen, wie diese den Mord verübt haben könnten.

The Limehouse GolemFür den Zuschauer ist Inspektor Kildare dennoch keine Person, in die man sich hineinversetzen kann, stattdessen steht die Figur der Elizabeth Cree im Fokus der Erzählung, die mit einer Vielzahl von Zeitsprüngen von ihrer Karriere als Schauspielerin berichtet und somit dem Zuschauer die Lebensgeschichte nahebringt. Durch die unzähligen Zeitsprünge ist man anfangs schnell verwirrt, kann man sich darin aber erst einmal zurechtfinden, ergeben kleinste Details mit der Zeit etwas Sinn.

Juan Carlos Medinas „The Limehouse Golem“ ist aber nicht nur die Jagd nach einem Mörder, es ist vor allem eine Momentaufnahme eines Elendsviertels in London der 1880er Jahre, wo eine jede Person gefangen zu sein scheint. Die Schauspieler in Dan Lenos Varieté-Theater versuchen die Massen mit schlüpfrigen Humor zu unterhalten, diese wiederum versuchen mit Alkohol und guter Unterhaltung die Flucht vor dem eigenen unsinnigen Leben zu vollziehen.

Dies alles ist historisch ansehnlich umgesetzt worden, wodurch „The Limehouse Golem“ ein atmosphärisch dichter Thriller geworden ist, der einzig und allein mit seiner inhaltlichen Struktur zu kämpfen hat. Letzteres ist bei 105 Minuten ein hartes Stück Arbeit für den Zuschauer, doch lässt er dies bestmöglich über sich ergehen, wird er ganz ohne Frage mit einer Auflösung konfrontiert, die zu regen Diskussionen im Anschluss an den Film einladen wird.

Bei alledem darf man natürlich den britischen Ausnahmeschauspieler Bill Nighy (Best Exotic Marigold Hotel 2) nicht vergessen, der einmal mehr das Beste aus seiner Rolle macht. Er gibt sehenswert den scheinbar unnahbaren Inspektor, der sich trotz gehobenen Alters in den Mörder hineinzudenken versucht, um diesen schließlich zu überführen.

Juan Carlos Medinas „The Limehouse Golem“ ist ein atmosphärisch dichter Thriller, der weniger mit seiner Kriminalgeschichte als mit seiner historischen Umsetzung zu gefallen versteht. Ein strukturell nicht ganz einfacher Film, der dennoch mit einem sehenswerten Finale auffahren kann.

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Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Concorde

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The Limehouse Golem

Länge: 109 min

Kategorie: Horror, Thriller

Start: 31.08.2017

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Info

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The Limehouse Golem

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 109 min
Kategorie: Horror, Thriller
Start: 31.08.2017

Bewertung Film: (6/10)

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