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Spider-Man: Homecoming

Geschrieben von Frank Schmidke am 4. Juli 2017

Als der Comic-Autor Stan Lee zusammen mit Zeichner Steve Ditko 1963 einen jugendlichen Superhelden auf die Leserschaft losließ, war man ziemlich skeptisch, ob das funktionieren konnte. Die Erfolgsgeschichte von „Spider-Man“ über die Jahrzehnte ist bekannt. Nun drückt Peter Parker auch in Sonys jüngstem „Spider-Man“-Film „Homecoming“ die Schulbank. Der Titel bezieht sich allerdings genauso auf die Rückkehr des Superhelden in das Marvel Cinematic Universe, in dem sich bereits die Avengers und Co tummeln. „Spider-Man: Homecoming“ wurde von den Fans heiß ersehnt, kann die Erwartungen aber nur zum Teil erfüllen.

Nachdem der fünfzehnjährige Peter Parker (Tom Holland) den Avengers bereits im letzten Captain America-Film „Civil War“ zur Seite gestanden ist, hat Tony Stark (Robert Downey Jr.) alias Iron Man den jungen Helden aus dem New Yorker Stadtteil Queens unter seine Fittiche genommen. Peter hat nun zwar einen Hightec-Anzug, aber irgendwie als Superheld nichts zu tun. Offiziell macht er zwar bei Stark Industries ein Praktikum, aber Happy Hogan (Jon Favreau), Starks rechte Hand, sorgt vor allem dafür, dass der jugendliche Peter keinen Mist baut.

Also bleibt Peter nur der schnöde Schulalltag, während er auf eine Superaufgabe wartet. Und trotz seines Kumpels Ned Leeds (Jacob Batalon) ist der ziemlich ernüchternd. Schulmotzer Flash Thompson (Toni Revolori) hat den intelligenten Peter als Streber auf dem Kieker und die schöne Liz (Laura Harrier), in die Peter verknallt ist, scheint ihn nicht wahrzunehmen. Ausgerechnet als er dann endlich von Liz auf eine Party eingeladen wird, ist Spider-Man gefragt. Denn irgendjemand handelt illegal mit Waffen, in denen Alien-Technologie verarbeitet ist, die bei der großen Schlacht der Avengers mit den außerirdischen Invasoren (The Avengers) auf der Erde geblieben ist.

Die Artefakte sollen zwar eigentlich alle von einer extra geschaffenen Behörde eingesammelt werden, aber dem Bauunternehmer Adrian Toomes (Michael Keaton) ist es dennoch gelungen, einen schwunghaften illegalen Handel aufzubauen, dazu schlüpft er selbst immer wieder als der Geier (The Vulture) in seinen fliegenden Anzug. Als Peter Parker vergeblich versucht die Avengers darauf aufmerksam zu machen, Tony Stark aber nicht reagiert, beschließt der Junge dem Geier als Spider-Man selbst das Handwerk zu legen.

Regisseur Jon Watts und Hauptdarsteller Tom Holland haben eine undankbare Aufgabe übernommen, liegt es doch maßgeblich an ihnen, den beliebten Marvel-Superhelden „Spider-Man“ in das inzwischen recht ausgedehnte Marvel Cinemativ Universe zu integrieren, damit „Spider-Man“ als Teil der „Avengers“ auch in deren epischen Leinwand-Abenteuern mitmischen kann. Tom Holland ist nach Toby Maguire und Andrew Garfield nun der dritte Spinnenmann, den Sony ins Rennen schickt, weshalb es einigermaßen schwierig ist, den Charakter noch frisch und unverbraucht neu zu erfinden.

Jeder neue Spider-Man braucht aber in gewisser Weise auch eine Herkunftsgeschichte. „Homecoming“ umgeht das Problem, den Spinnenbiss und den prägenden Tod des Onkels noch einmal zu erzählen, indem einfach ein neuer Mentor für den jungen Helden installiert wird. Iron Man nimmt Spidey unter seine Fittiche, während der als freundlicher Wandkrabbler aus der Nachbarschaft seine ersten Superhelden-Gehversuche macht. Parallel dazu erzählt „Homecoming“ viel aus dem Privatleben des Schülers Peter Parker und modelt da einiges um, was Fans aus den Comics zu kennen glauben.

„Spider-Man: Homecoming“ braucht als Actioner viel zu viel Vorlauf, um überhaupt in der Jetztzeit des Films anzugelangen. Zuvor gibt es eine Rückschau, die Adrian Toomes vor Jahren bei der Arbeit zeigt und ein Homevideo, das Peter gedreht hat, als ihn die Avengers nach Europa holten. Die Verbindung zum Mega-Franchise ist so zwar hergestellt und auch der zukünftige Bösewicht wurde vorgestellt, aber spannend ist das alles nicht gerade. Hier zeigt sich ein großer Nachteil des Marvel Cinematic Universe in voller Pracht: Wer nicht als Fan in der ausschweifenden Erzählung steckt, hat kaum eine Chance, einfach nur einen eigenständigen Film zu sehen.

Spider-Man wieder auf die Schulbank zu schicken, ist grundsätzlich eine feine Idee und der englische Schauspieler Tom Holland gibt dem jüngsten Spider-Man aller Zeiten eine gehörige, nerdige Portion Naivität mit auf den Weg. Warum Parker alias Spider-Man allerdings in der Manier solider Highschool-Komödien einen Sidekick braucht, erschließt sich aus keiner Comic-Vorlage und wird dem Charakter ebenso wenig gerecht wie der Übervater Iron Man. Zwar sägt Peter Parker durchaus mit einigem Humor auch am Thron des Mentors, den ganzen technischen Schnickschnack aus der Stark-Schmiede hätte Spider-Man als Held aber nicht nur nicht gebraucht, er tut dem jungen Helden auch nicht gut. Aber „Homecoming“ ist auch eine Geschichte über das Erwachsenwerden und mangelnde Charakterentwicklung konnte man Spider-Man noch nie vorwerfen.

Das Drehbuch, für das immerhin sechs Autoren verantwortlich zeichnen, basiert auf einer Story von Jonathan Goldstein und John Frances Daley, die zusammen schon die beiden „Kill the Boss“-Filme und „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2“ verfasst haben. Dass „Spider-Man: Homecoming“ also einen hohen Humoranteil hat, sollte nicht verwundern und ist grundsätzlich gelungen, allerdings reitet das Script zu sehr auf Teenager-Jokes herum und ist in Hinblick auf die Einarbeitung des Avengers-Kosmos‘ doch sehr bemüht. Dabei hätte man aus der Story deutlich mehr herausholen können, schließlich hat man sich ja sowieso schon sehr weit von der Comicvorlage entfernt.

Auch in Sachen Action und Schauwerte ist „Homecoming“ eine zweischneidige Angelegenheit. Gelungen ist es, die Action bodenständig zu halten. Der Teenie-Superheld muss schließlich noch lernen. Einiges ist dann doch ziemlich ikonisch geworden, anderes ist austauschbares Superhelden-Remmidemmi, das leider in nicht sehr überzeugendem 3D über die Leinwand flimmert.

Bleibt zum Abschluss noch auf einen der Höhepunkte in „Spider-Man: Homecoming“ hinzuweisen: der Bösewicht. Abgesehen davon, dass Michael Keaton als Vulture viel zu wenige Szenen hat, ist der Geier einer der besten Superschurken, die bislang im Marvel Cinematic Universe ihr Unwesen getrieben haben. Der Mann hat den klaren Antrieb, einfach nur seine Familie zu ernähren und fühlt sich von der neuen Superhelden-Gesellschaft benachteiligt. Keaton, der ja auch schon als „Batman“ und als „Birdman“ zu sehen war, gelingt in Toomes eine Charaktertiefe, die so gar nicht in diesen Teenager-Film passen will.

Endlich ist der beliebte Superheld Spider-Man wieder genau so alt wie sein Teenager-Publikum. Etwas holprig zwar, aber auch mit einigen sehr gelungenen Aspekten. Mit dem überzeugenden Tom Holland – als sehr jungem Spider-Man – gelingt dem Wandkrabbler der Anschluss an die restliche Superheldenwelt aus dem Hause Marvel. Ob das überhaupt erstrebenswert ist, ist eine ganz andere Frage.

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Länge: 133 Minuten

Kategorie: Action, Adventure, Scri-Fi

Start: 13.07.2017

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Info

Spider-Man: Homecoming

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 133 Minuten
Kategorie: Action, Adventure, Scri-Fi
Start: 13.07.2017

Bewertung Film: (6/10)

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