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Return of the Atom – Die Rückkehr zur Atomkraft

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 17. Juli 2017

Return of the Atom - Die Rückkehr zur Atomkraft

Angepriesen als sichere Energiequelle des 20. Jahrhunderts, wurden die Menschen weltweit am 26. April 1986 von der Realität eingeholt. Die Kernschmelze in Tschernobyl zeigte dem Menschen seine Fehlbarkeit auf, gleichwohl aber auch, dass selbst die sicherste Energiequelle Millionen Todesopfer fordern kann. Zwei Jahrzehnte nach diesen schrecklichen Ereignissen sollte in Finnland wieder ein Reaktor gebaut werden, was durch die Dokumentarfilmer Jussi Eerola und Mika Taanila mehr als zehn Jahre begleitet wurde.

Return of the Atom - Die Rückkehr zur AtomkraftAls Finnland im Jahre 2003 beschloss, einen weiteren Meiler an den Start gehen zu lassen, blickten die verschiedensten Länder voller Interesse auf das Projekt dieses kleinen Landes. Erstmals nach der verheerenden Katastrophe von Tschernobyl sollte ein neuer Reaktor gebaut werden, wofür sich gleich mehrere Gemeinden schließlich bewarben. Als die Gemeinde Eurajoki schließlich den Zuschlag bekam, sah man Bilder jubelnder Menschen, die sich vor Freude in den Armen lagen. Natürlich gehen solche Großprojekte stets mit einer Aufwertung der näheren Umgebung einher, wenn der Nahverkehr ausgebaut wird, die Gemeinde jede Menge zusätzliche Gelder erhält und natürlich auch zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Für die beiden Dokumentarfilmer Jussi Eerola (Flüchtlinge vor einer strahlenden Welt) und Mika Taanila (Thank You for the Music) war dies der Beginn einer einmaligen Zeit, denn angelegt auf rund 100 Drehtage verfolgten beide ein unglaublich komplexes Projekt, das eigentlich nach seinem Beginn im Jahre 2004 bereits im Jahre 2009 fertiggestellt sein sollte. So wird der Zuschauer mit Bildern der ersten Grubenarbeiten konfrontiert, mit kleineren Werbevideos der französischen Areva, die den ersten 1600-MW-Reaktor überhaupt errichten wollte, der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht.

Return of the Atom - Die Rückkehr zur AtomkraftBesagter Reaktor vom Typ EPR sollte abstürzenden Flugzeugen standhalten, bei einer möglichen Kernschmelze den Kern in ein Wasserbad herunterlassen, was jedoch alles niemals eintreten wird. Somit wird der Zuschauer mit jeder Menge Statistiken konfrontiert, wenn die Verantwortlichen die Sicherheit herunterspielen und stattdessen den Mehrwert darlegen, der im Bereich der Energiegewinnung erzielt werden kann.

Im Laufe der rund 110 Minuten entsteht dabei ein recht zwiespältiges Bild, bei dem mit fortlaufender Zeit der Eindruck aufkommt, dass die Filmemacher bei ihrem langjährigen Projekt selber ein wenig den Faden verloren haben. Hat man am Anfang noch den Bau des Reaktors selber im Blick, wendet sich „Return of the Atom – Die Rückkehr zur Atomkraft“ mit fortlaufender Zeit der Fragestellung zu, wie gefährlich Atomenergie im allgemeinen ist und welche Gefahren bei einer möglichen Kernschmelze auftreten würden.

Return of the Atom - Die Rückkehr zur AtomkraftDies wird immer wieder durch das undurchsichtige Handeln eines beurlaubten Mitarbeiters unterstützt, der offen gegen seinen Arbeitgeber angeht, diesen und sein Handeln kritisiert, dafür aber nicht weiter belangt wird. Dadurch wird das Thema Sicherheit punktuell vertieft, gleichwohl aber auch durch Interviews polnischer Stahlarbeiter unterbrochen, die von den grauenhaft chaotischen Zuständen auf der Baustelle berichten.

Dabei wird vor allem deutlich, dass neben den harten Fakten (Kostenexplosion von 3 auf 9 Mrd. Euro, Fertigstellung nicht 2009, sondern frühestens 2018) vor allem eine durchdachte Struktur fehlt, die bei einer mehr als zehnjährigen Arbeit irgendwann einmal verloren gegangen ist. Neben den inhaltlichen Themen ist dies insbesondere bei der dargelegten Haltung der Filmemacher abzulesen, die anfangs noch neutral dem Projekt gegenüberstanden, mit der Zeit jedoch die Seite der Kernkraftwerksgegner einnehmen.

Die Dokumentarfilmer Jussi Eerola und Mika Taanila begleiten in „Return of the Atom – Die Rückkehr zur Atomkraft“ mehr als ein Jahrzehnt den Bau des neuen finnischen Kernreaktors in der Gemeinde Eurajoki. Was inhaltlich durchaus interessant aufbereitet wurde, hat mit fortlaufender Zeit unübersehbare strukturelle Defizite.

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Wir vergeben daher 5,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Real Fiction, Jussi Eerola

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Return of the Atom - Die Rückkehr zur Atomkraft

Länge: 110 min

Kategorie: Documentary

Start: 10.08.2017

cinetastic.de Filmwertung: (5,5/10)

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Info

Return of the Atom - Die Rückkehr zur Atomkraft

Return of the Atom – Die Rückkehr zur Atomkraft

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 110 min
Kategorie: Documentary
Start: 10.08.2017

Bewertung Film: (5,5/10)

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