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Planet der Affen: Survival

Geschrieben von Frank Schmidke am 13. Juli 2017

Mit „Survival“ kommt die Geschichte des Schimpansen Ceesar, der das Sprechen gelernt hat, und seiner Affenbande zu einem Ende. Was mit „Planet der Affen: Prevolution“ 2011 als dystopischer Wissenschaftsthriller begann, kommt nach „Revolution“ 2014 nun zu einem fulminanten, aber sehr düsteren Finale. Dabei ist „Survival“ mit Abstand der finsterste, aber auch der beste Teil der Trilogie, die die modernisierte Vorgeschichte des Science-Fiction-Klassikers „Planet der Affen“ von 1968 erzählt.

Die Handlung setzt kurz nach dem Ende von „Planet der Affen: Revolution“ ein: Die Menschheit wird noch immer von einem tödlichen Virus bedroht und kämpft immer gegen die Primaten, die sich gegen die menschliche Herrschaft aufgelehnt haben. Dabei wäre das absolut nicht nötig, soweit es nach Caesar (Andy Serkis) ginge, dem Anführer der Affen, die sich in die Wälder zurückgezogen haben. Doch die Taten des unversöhnlichen Koba (in „Planet der Affen: Revolution“) scheinen eine friedliche Koexistenz mit dem Menschen unmöglich zu machen. Das macht der Angriff der Soldaten eines unversöhnlichen Colonels (Woody Harrelson) mehr als deutlich, der härter gegen die Affen zu Felde rückt als jemals zuvor.

Doch es gibt Hoffnung, als Caesars Sohn von einer Erkundungsmission zurückkehrt: Weit entfernt hat er ein Land gefunden, in dem die Affen fernab von den Menschen leben könnten. Nach einem guerilla-Angriff des Colonels beschließt Caesar seine Affen dorthin zu führen. Während sich die Affenkolonie auf den Weg macht, sucht Caesar zusammen mit einer kleinen Gruppe Vertrauter Rache am Colonel. Auf dem Weg zu dessen Lager gabeln Caesar und seine Freunde nicht nur ein Menschenmädchen (Amiah Miller) auf, das nicht sprechen kann, sondern auch einen alten, verwirrten Zoo-Schimpansen (Steve Zahn), der sich bislang ganz alleine durchgeschlagen hat, aber ebenfalls sprechen kann.

Als Regisseur Matt Reeves und sein Autorenpartner Mark Bomberg das „Planet der Affen“-Franchise mit dem zweiten Teil „Revolution“ übernahmen, war von der Wissenschaftsgeschichte zwischen dem Forscher und dem genetisch veränderten intelligenten Schimpansen nicht mehr viel übrig. Stattdessen wurde die Entwicklung der intelligenteren Affen konsequent weiter gedacht und in ein dystopisches Setting verfrachtet. Der Konflikt zwischen einer Menschheit im Niedergang und einer aufstrebenden neuen Rasse wurde zum Thema des Films. Mit Furcht und Ressentiments auf beiden Seiten ist der Konflikt zwischen Affen und Menschen in „Survival“ (der im Original übrigens „War on the Planet of the Apes“ heißt) zu einer Sache des blanken Überlebens geworden.

Mit Science-Fiction hat „Planet der Affen: Survival“ nur insofern noch zu tun, als dass hier Menschen gegen intelligente Affen kämpfen, ansonsten ist „Survial“ ein düsterer Antikriegsfilm. Und der beginnt auch gleich in medias res mit einem dreckigen Scharmützel in einem nächtlichen Wald, als die Soldaten des Colonels die Zufluchtsstätte von Caesars Affen angreifen. Und Kameramann Michael Seresin („Planet der Affen: Revolution“, „Das Leben des David Gale“) lässt nicht locker, gönnt dem Zuschauer kaum einen Moment, der nicht packend eingefangen wäre.

Dabei setzt das Drehbuch von Regisseur Matt Reeves („Cloverfield“) und Mark Bomberg („Stirb Langsam 4.0“) konsequent auf eine dramaturgische und emotionale Zuspitzung des Konfliktes zwischen Affen und Menschen. Schimpanse Caesar hat dabei auch mit einem inneren Konflikt zu ringen und sein menschlicher Antagonist, der Colonel, ist in finsterster Colonel Kurtz-Manier aus Apokalypse Now seinem eigenen Wahn verfallen; gebiert sich als martialischer, quasi-religiöser Anführer und als unbarmherziger Lagerkommandant. Zwischen den beiden Anführern kommt es auch in der Ferne zu einem packenden Duell, das vor allem dem grandios sinisteren Woody Harrelson und dem wie gewohnt perfekt in Motion Capture spielenden Andy Serkis zu verdanken ist. Ganz deutlich zeigt sich, dass die Motion Capture-Technik seit „Revolution“ noch einmal Fortschritte gemacht hat und quasi eine ganz eigene Sparte der Schauspielkunst generiert hat. Vielleicht wird das in „Survial“ etwas überbetont und die Mimik der Affen ganz besonders zur Schau gestellt, in Kombination mit dem nicht immer sehr subtilen Soundtrack wirkt das auch schon mal sehr pathetisch.

„Planet der Affen: Suirvival“ ist keineswegs leichte Blockbuster-Kost, sondern ein bedrückendes Kriegsdrama, das zwischenzeitlich einen fast post-apokalyptischen Western evoziert, wenn Caesar und seine kleine Schar beritten durch das winterliche Ödland reiten, das einst die menschliche Kultur beherbergt hat. Auf den ersten Eindruck will da der Charakter des aufgelesenen Zoo-Schimpansen, der sich selbst Bad Ape („schlechter Affe“) nennt, nicht so recht ins Bild passen, da der von Steve Zahn gespielte Schimpanse einige eher komische Situationen hat und so die emotionale Anspannung wieder relativiert. Aber dieser Situationshumor ist nicht ohne die Tragik eines gebrochenen, einsamen Individuums, das durchaus das Schicksal eines „Überlebenden“ verdeutlicht, der Schlimmes durchgemacht hat.

In Sachen Bildgestaltung und Action ist „Survival“ ebenso epochal wie finster und der schon oben gezogene Vergleich zu Francis Ford Coppolas Klassiker „Apokalypse Now“ zeigt sich auch hier wieder. Glücklicherweise ist die Konversion in 3D gelungen, sodass es auch einen echten Mehrwert bietet, den Film im stereoskopischen Format anzuschauen. Es ist eigentlich erstaunlich, dass „Survival“ dabei von der Bundesprüfstelle noch eine Freigabe ab 12 Jahren erhalten hat, denn die Kriegsszenerie wurde doch eher für ein erwachsenes Publikum inszeniert und macht die Absurditäten, Brutalitäten und Menschen(bzw. Affen-)verachtungen des Kriegs ziemlich deutlich, ohne explizit gewalttätig zu sein. Bei alledem gelingt es dem cleveren und detailreichen Drehbuch auch noch den Bogen zu dem ursprünglichen „Planet Der Affen“-Film von 1968 zu schlagen, als dessen Prequel diese jüngste Trilogie einst angelegt war. In sich ist die Trilogie um Caesar nun stimmig zu einem furiosen und auch mutigen Finale gebracht worden. Eine Fortschreibung der Serie bleibt aber dennoch im Bereich des Möglichen. Nach „Survival“ möchte man fast darauf hoffen.

„Planet der Affen: Survival“ bildet nicht nur einen würdigen Abschluss der Trilogie, sondern ist auch mit Abstand der stärkste Teil. Bessere Motion Capture-Technik, epische, düstere Bilder, starke Charaktere und eine stimmige, konsequente Story. In seiner Kriegsdramatik ist „Planet der Affen: Survival“ ein wuchtiges, epochales Kinoereignis.

 

 

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Copyright: 20th Century Fox

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Länge: 140 Minuten

Kategorie: Action, Adventure, Drama

Start: 03.08.2017

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Info

Planet der Affen: Survival

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 140 Minuten
Kategorie: Action, Adventure, Drama
Start: 03.08.2017

Bewertung Film: (8/10)

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