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Helle Nächte

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 19. Juli 2017

Helle Nächte

Diskussionen über den deutschen Film, unnötige Fördermittel und deren Vergabe gibt es in steter Regelmäßigkeit, doch so sehr man sich über dieses Gebaren auch ärgert, manchmal bekommt man eben doch eine kleine aber feine Perle präsentiert. Im diesjährigen Wettbewerb der Berlinale lief Thomas Arslans Drama „Helle Nächte“, das einmal mehr aufzeigt, wie gute Ideen spannend umgesetzt werden können.

Michael (Georg Friedrich) lebt in Berlin, ist Bauingenieur und wird als Mittvierziger mit einem Problem konfrontiert, das den meisten irgendwann einmal bevorsteht. Sein in Norwegen lebender Vater ist vor einigen Tagen gestorben, nun müssen die üblichen Formalien abgewickelt werden, worauf seine Schwester keinerlei Lust hat. Diese kann ihrem Vater nach wie vor nicht verzeihen, woraufhin es nun an Michael liegt, alles nötige in die Wege zu leiten.

Zusammen mit seinem 14-jährigen Sohn Luis (Tristan Göbel) fährt er schließlich nach Norwegen, besucht das alte Haus seines Vaters, findet Erinnerungsstücke und muss gleichwohl feststellen, dass er im Grunde nur sehr wenig über ihn wusste. Die Beerdigung ist schnell vorbei, doch plötzlich hat Michael eine Idee. Warum nicht für ein paar Tage in den Norden des Landes fahren, die Natur genießen und ein wenig Luis kennenlernen, hatte er doch auch zu diesem schon seit mehreren Jahren keinen Kontakt mehr gehabt.

Helle NächteNachdem Thomas Arslan (Im Schatten) zuletzt mit „Gold“ bei der Berlinale zu sehen war, präsentiert er dem Zuschauer nun ein wesentlich persönlicheren Film. Das Vater-Sohn-Drama „Helle Nächte“ begeistert dabei vor allem durch seine Natürlichkeit, seine Frische, gleichwohl aber auch mit jenem Fakt, dass sich die verschiedensten Generationen oft auseinanderleben und Vergangenes nur schwer nachzuholen ist.

Bereits in den ersten Minuten erfährt der Zuschauer das ganze Problem rund um Michael, denn dem einsamen Mittvierziger fällt es sehr schwer Kontakt mit Menschen zu halten. Vom Vater hat er sich bereits vor Jahren entfremdet, seine Freundin beichtet ihm kurzerhand, dass sie für ein Jahr nach Washington geht, und auch die Beziehung zu seiner Ex-Frau ist alles andere als normal, hat er dadurch seinen Sohn Luis doch bereits seit vielen Jahren nicht mehr gesehen.

Helle NächteViele ähnliche Filme würden nun von einer gemeinsamen Autofahrt berichten, von einem Land das man zusammen erkundet und dass man sich langsam wieder näher kommt, woraufhin ein Happy End unausweichlich erscheint. Für Thomas Arslan ist dies allerdings kein gangbarer Weg, denn Arslan spiegelt die Realität der heutigen Gesellschaft wieder. Michael und Luis schweigen sich im Auto an, versuchen sich näher zu kommen, nur um dann beide wieder einen Rückzieher zu machen.

Auf der einen Seite ein älterer Mann, der keine Gespräche führen kann, auf der anderen ein trotziger Junge in der Pubertät, der keine Gespräche führen will. Bei Themen wie „Herr der Ringe“ kommen sich beide näher, doch wo Luis den Film cool fand und Michael nur das Buch gelesen hat, findet Luis dieses wiederum langweilig. So ziehen sich die Themen dahin, wenn beide ihren Roadtrip durch den Norden Norwegens vollziehen. Der Weg wird für die Autofahrer beschwerlicher, gleichwohl aber auch die Beziehung der beiden zueinander. Michael versucht zu erklären, warum die Beziehung zu Luis‘ Mutter damals in die Brüche gegangen ist, Luis dagegen blockt ab und möchte von alledem nichts hören.

Neben der wunderschönen Natur, die von Kameramann Reinhold Vorschneider gekonnt eingefangen wurde, überzeugen doch insbesondere die beiden Hauptdarsteller. Tristan Göbel (Tschick) als trotziger und unnahbarer Teenager in der Pubertät, Georg Friedrich (Nordwand) in einer beeindruckenden Rolle als Vater, der vergangene Zeiten aufzuholen versucht. Für beide mit Sicherheit keine einfache Rolle, doch in „Helle Nächte“ haben sie dies mit Bravour gemeistert.

Thomas Arslan gelingt mit „Helle Nächte“ ein wunderbar intensives Vater-Sohn-Drama, bei dem Georg Friedrich und Tristan Göbel mit einer sehenswerten Darbietung brillieren.

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Wir vergeben daher 7,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Piffl, Schramm Film, Marco Krüger

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Helle Nächte

Länge: 86 min

Kategorie: Drama

Start: 10.08.2017

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

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Info

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Helle Nächte

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 86 min
Kategorie: Drama
Start: 10.08.2017

Bewertung Film: (7,5/10)

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