cinetastic.de - Living in the Cinema

Der Wein und der Wind

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 20. Juli 2017

Der Wein und der Wind

Der französische Regisseur und Drehbuchautor Cédric Klapisch widmete sich mit „Beziehungsweise New York“ zuletzt einem Familiendrama, in dem ein 40-jähriger Mann mit der Trennung von seinen beiden Kindern fertigwerden muss, da die Mutter mit diesen nach New York gezogen ist. Mit „Der Wein und der Wind“ setzt Klapisch den Fokus auf die Familie fort, doch stehen diesmal gleich drei Geschwister im Mittelpunkt seiner Geschichte, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Der Wein und der WindEs ist Spätsommer in Burgund, die Weinernte steht kurz bevor, da kommt der 30-jährige Jean (Pio Marmaï) nach über zehn Jahren wieder zurück nach Hause. Damals ist er Hals über Kopf aufgebrochen, da Jean den Anforderungen seines Vaters einfach nicht gerecht werden konnte. Er zog um die Welt, lernte Menschen und Kulturen kennen, doch jetzt hat ihn die Vergangenheit erneut eingeholt. Sein Vater liegt im Sterben, ein letzter Besuch soll eine Aussprache bringen, bevor es erneut nach Australien geht, wo Jean inzwischen mit Frau und Kind lebt.

Für die Geschwister Juliette (Ana Girardot) und Jérémie (François Civil) kommt der Besuch ihres Bruders recht überraschend, doch nachdem ihr gemeinsamer Vater schließlich friedlich eingeschlafen ist, gehen die Probleme erst richtig los. Das umfangreiche Weingut wurde den dreien zu gleichen Teilen überlassen, allerdings ist noch eine Erbschaftsteuer fällig, die keiner auch nur im Ansatz bezahlen kann. Während Jean das Gut am liebsten direkt verkaufen würde, hängen Juliette und Jérémie an den geliebten Weinbergen, beherbergen diese doch einen Großteil ihrer eigenen Vergangenheit.

Der Wein und der WindFür Regisseur und Drehbuchautor Cédric Klapisch (Barcelona für ein Jahr) stehen die familiären Bindungen stets im Mittelpunkt seiner Geschichten, wenn dieser von zerrütteten Ehen erzählt, von der Beziehung der Eltern zu ihren Kindern oder von den Kindern untereinander, wie es nun in „Der Wein und der Wind“ geschehen soll. Erneut schrieb Klapisch das Drehbuch selbst, woraufhin nicht nur ein wunderbares Drama entstand, sondern ebenso ein nahezu perfekt fotografierter Film.

Bereits am Anfang wird der Zuschauer mit einem Weingut in Burgund konfrontiert, in der Mitte ein altes Haus, ein riesiger Baum, während Klapisch mit dem Wechsel der Jahreszeiten spielt und so die Szenerie in Abhängigkeit von der Natur porträtiert. Was folgt, ist ein kurzer Rückblick rund um den Weggang von Jean, bis dieser schließlich zehn Jahre später wieder aufs Gut zurückkehrt. In den folgenden anderthalb Stunden soll sich nun alles um das Beziehungsgeflecht dreier Geschwister drehen, die alle mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen haben, die eines aber auch gemeinsam bewältigen müssen.

Der Wein und der WindJean kann nach wie vor nicht die damaligen Probleme mit seinem Vater vergessen und muss sich parallel um die kriselnde Ehe kümmern, hat er Frau und Kind doch in Australien zurückgelassen. Juliette soll als mittleres der drei Kinder den Weinberg weiterführen und diesem seine eigene Note verleihen, doch kann sie sich einfach nicht als Chefin durchsetzen, wodurch eine Unsicherheit stets zu spüren ist. Jérémie dagegen ist ein nur wenig erfolgreicher Winzer, was ihm sein Schwiegervater auch bei nahezu jeder Gelegenheit zu verdeutlichen versucht. Mit Frau und Kind wohnt er bei den Schwiegereltern, die ihn nicht nur in den Wahnsinn treiben, sondern ihm auch in allen Situationen etwas vorzuschreiben haben.

Für Cédric Klapisch stehen all diese Geschichten im Mittelpunkt, die mit fortlaufender Zeit zusammenlaufen, wodurch die beteiligten Figuren Kompromisse eingehen, sich mit ihren jeweiligen Stärken ergänzen und erkennen, dass dann doch das Familiäre wichtiger ist. Darüber hinaus erfährt der Zuschauer viele Details rund um ein Weingut, wenn es beispielsweise um das Schneiden der Reben geht, um die Ernte der Trauben oder den eigentlichen Prozess der Gärung. Dies alles wird durch wunderbare, zum Teil sogar zauberhafte Bilder von Kameramann Alexis Kavyrchine (Reich mir deine Hand) unterstützt, der viel Wert auf Details legt und dabei nicht die große ganze Bildkomposition aus den Augen verliert.

„Der Wein und der Wind“ ist ein wunderbares französisches Drama, bei dem der Fokus auf die familiären Probleme dreier Geschwister gelegt wird. Bis zuletzt spannend erzählt und mit wunderbar fotografierten Bildern unterlegt.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 7,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Studiocanal

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden
Der Wein und der Wind

Länge: 114 min

Kategorie: Comedy, Drama

Start: 10.08.2017

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (0,0/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten!

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

Der Wein und der Wind

Der Wein und der Wind

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 114 min
Kategorie: Comedy, Drama
Start: 10.08.2017

Bewertung Film: (7,5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (0,0/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten