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Das Gesetz der Familie

Geschrieben von Frank Schmidke am 10. Juli 2017

Das Spielfilm-Debut “Das Gesetz der Familie” von Adam Smith wird wohl vor allem aufgrund der Besetzung sein Publikum in die Kinos locken. Wenn Brendan Gleeson und Michael Fassbender als Vater und Sohn vor der Kamera stehen, ist das allemal sehenswert. Allerdings ist „Das Gesetz der Familie“ nicht auf ganzer Linie überzeugend ausgefallen, denn die Mischung aus Familiendrama und rasanter Krimi-Action fügt sich nicht immer zu einem stimmigen Ganzen.

Immer wieder stimmt der alte Colby Cutler (Brendan Gleeson) am Lagerfeuer die alte Leier an, dass sein Vater ihm erzählt hätte, die Welt sei eine Scheibe. Und das glaube er immer noch. Egal wohin er gucke, alles sei flach. Und deshalb habe er diese Feststellung auch an seinen Sohn Chad (Michael Fassbender) weitergegeben. Und während Chads Sohn Tyson der Story seines Großvaters immer wieder mit kindlicher Andacht lauscht, kann Chads Frau Kelley (Lyndsey Marshal) den Mist, den der Alte verzapft, einfach nicht mehr hören. Sie macht Chad ziemlich deutlich klar, dass sie aus dem Dunstkreis von Colby weg will.

Doch das ist gar nicht so einfach, immerhin sind die Cutlers „Traveller“, die zwar seit Jahren relativ sesshaft am Rand einer Kleinstadt in Gloucestershire in ihrer Wohnwagenburg leben, aber dieser Lebensstil ist für den alten Colby alternativlos, weshalb er es auch nicht gerne sieht, dass sein Enkel zur Schule geht, das hat Sohn Chad schließlich auch nicht nötig gehabt. Chad allerdings hat eigene Pläne und sich schon nach einem Grundstück umgesehen, wo er mit seiner kleinen Familie bleiben kann. Er muss die Sache nur noch mit seinem Vater regeln.

Colby hat inzwischen ganz andere Ideen, denn Einbrüche und Diebstähle machen die Haupteinnnahmequelle des Traveller-Clans aus. Obwohl die Polizei dem berüchtigten Cutler-Clan schon länger auf den Fersen ist, plant der Alte einen ganz besonderen Coup. Und Chad ist dabei als waghalsiger Fluchtwagenfahrer unersetzlich.

Trotz des Settings in dem kleinkriminellen Umfeld der Traveller-Gemeinschaft, die schon in Guy Ritchies „Snatch“ (2000) den Backdrop für eine schwarzhumorige Gaunerkomödie lieferte, legt Regisseur Adam Smith seine Geschichte als Familiendrama an, in dem sich zwei willensstarke Charaktere gegeneinander zu behaupten versuchen. Für die Charakterdarsteller Brendan Gleeson und Michael Fassbender eine Herausforderung, die sie wie gewohnt mit sehenswerter Bravour meistern. Daneben verblassen dann auch andere Charaktere wie der Polizist Lovage (Rory Kinnear) und der etwas minderbemittelte Gordon im Cutler-Clan (immerhin gespielt von dem „Mission Impossible“-Bösewicht Sean Harris).

Auch will sich dieser Vater-Sohn-Konflikt nicht so recht in die actionreiche Kriminalstory fügen, die vor allem aus nicht gerade subtil geplanten, aber effektiven Raubzügen besteht. Diese werden von Kameramann Eduard Grau („Buried“, „Suffragette“) vor allem in Form rasanter und ziemlich faszinierend choreografierter Autoverfolgungsjagden in Szene gesetzt. Das ist zwar toll anzuschauen, zerlegt das Drama von Adam Smith aber immer wieder in zwei Teile, die sich nicht immer ergänzen.

Smith, der sich in der Vergangenheit als Serien-Regisseur und Macher von Musikvideos hervorgetan hat, sieht seinen Familienkonflikt als universell übertragbar an und will zugleich einen Outlaw-Lebensstil portraitieren, ohne dabei den Lebensstil der „Traveller“ zu analysieren. Es gehe ihm vielmehr um das gesellschaftliche Konfliktpotential, das deren bloße Anwesenheit im idyllischen Bilderbuch-England von Gloucestershire erzeuge. Und vielleicht liegt gerade darin auch die große Schwäche des Films: Er nimmt keine Haltung zu seinen Figuren und seiner Handlung ein.

Immer wieder wird in typischer Genremanier der Kontrast zwischen Gesetz und Familienwerten der Gauner thematisiert, unterschwellig geht es dabei aber auch um gesellschaftliche Teilhabe im Gegensatz zu einer anderen Tradition, exemplarisch am Beispiel von Tysons Schulbildung abgehandelt. Und so sehr sich Chad damit schwer tut, sich von dem Lebensstil des Vaters abzuwenden, so diffus beleuchtet auch „Das Gesetz der Familie“ diesen Lebensstil der Nichtsesshaften, der dadurch, dass der Clan sich scheinbar seit Jahren nicht vom Fleck bewegt hat, irgendwie schon ad absurdum geführt ist.

Man hätte diese Geschichte auch anders erzählen können, Drehbuchautor Alastair Siddons hätte sein Gauner-Milieu auch woanders verorten können, um die Schwierigkeiten des Aussteigens zu zeigen, auch die Emanzipation vom übermächtigen Vater wäre in jeder anderen Familienaufstellung stimmig gewesen. Aber „Das Gesetz der Familie“ stützt sich auf die Lebensweise der „Traveller“ und wird deren Tradition, die per Klischee und Statistik häufig mit kleinkriminellen Machenschaften in Verbindung gebracht wird, nicht gerecht.

Während hierzulande das „Fahrende Volk“ fast ausgestorben scheint und es früher vor allem Sinti und Roma und auch die Jenischen waren, die auf nichtsesshafte Weise lebten und leben, gibt es in Irland und auch Teilen Großbritanniens bis heute eine Gruppe sogenannter „Irish Travellers“, eine soziokulturelle Gruppe, deren reisender Lebensstil in der modernen Gesellschaft vom Aussterben bedroht ist. Neben einem eigenen Wertesystem, das stark auf Familienbindung beruht, bedingt der Lebensstil der Traveller ein hohes Armutsrisko und eine gewisse Bildungsferne. All das zeigt auch „Das Gesetz der Familie“, nur ist die Beschäftigung mit diesem Themenkomplex dann doch zu sehr im kriminalistischen Genre verhaftet, um überzeugend dargestellt zu sein.

Das kriminelle Familiendrama „Das Gesetz der Familie“ lebt von seinen beiden großartigen Hauptdarstellern Michael Fassbender und Brendan Gleeson sowie seinen temporeichen Actionszenen, als Familienkonflikt ist Adam Smith’s Film dann doch zu vordergründig gezeichnet.

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Copyright: Koch Film

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Länge: 99 Minuten

Kategorie: Action, Crime, Drama

Start: 03.08.2017

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Das Gesetz der Familie

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 99 Minuten
Kategorie: Action, Crime, Drama
Start: 03.08.2017

Bewertung Film: (6/10)

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