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Atomic Blonde

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 17. Juli 2017

Atomic Blonde

Agententhriller zur Zeit des Kalten Krieges hatten ganz ohne Frage ihren Charme, auch wenn eben diese in den 1970er und 1980er Jahren so im Überfluss gedreht wurden, dass der Zuschauer ihrer schon bald überdrüssig wurde. Regisseur David Leitch versucht mit „Atomic Blonde“ an die guten alten Zeiten anzuknüpfen, wenn er dem Zuschauer eine einmalige Berliner Kulisse kurz vor dem Mauerfall präsentiert und diese – neben unzähligen Agenten – mit einer ordentlichen Portion Hollywood bereichert.

Atomic BlondeBerlin im November des Jahres 1989: Die Menschen gehen auf die Straße, der Mauerfall steht kurz bevor, da wird der britische Agent Gascoine (Sam Hargrave) von einem russischen Spion ermordet. Was eigentlich nichts Besonderes ist, stellt sich nun allerdings als großes Problem heraus, denn Gascoine besaß eine Liste mit nahezu allen international agierenden Agenten, die nun kurz vor der Enttarnung stehen.

Um dieses Problem doch noch in den Griff zu bekommen, schicken Gray (Toby Jones) und C (James Faulkner) mit Lorraine Broughton (Charlize Theron) ihre beste MI6-Agentin ins Feld. Selbige soll nach Berlin fliegen, sich mit dem Agenten David Percival (James McAvoy) treffen und mit diesem zusammen schließlich besagte Liste wieder erlangen. Natürlich geht auch dies gehörig daneben, denn kaum am Flughafen angekommen, wird Lorraine bereits von Agenten des KGB entführt. Während sie ihr Möglichstes versucht der Situation Herr zu werden, bleibt schon bald nur noch ein einziger Ausweg. Sie muss den übergelaufenen Stasi-Offizier Spyglass (Eddie Marsan) von Ost nach West-Berlin bringen, doch auch das ist einfacher gesagt als getan.

Atomic BlondeBasierend auf der Graphic Novel „The Coldest City“ von Antony Johnson und Sam Hart, versucht Regisseur David Leitch (Fight Club) einen actionreichen Agententhriller zur Zeit des Kalten Krieges aus dem Hut zu zaubern. Dabei besinnt er sich zum einen auf die Stärken vergangener Filme aus den 1970er und 1980er Jahren, schafft es zum anderen aber auch dem Retro-Look eine ordentliche Portion Hollywood mitzugeben, was sich insbesondere in den actionreichen Choreografien wiederspiegeln soll.

Drehbuchautor Kurt Johnstad (300) nutzt dafür eine hippe Berliner Kulisse im November des Jahres 1989, die es so natürlich niemals gegeben hat. Grelle Neonlichter, verdunkelte Gassen und stets das richtige Licht, um die Agenten möglichst gut in Szene zu setzen. Anders als bei „Bridge of Spies“ steht hier nicht die Realitätsnähe im Vordergrund, auch wenn jede Menge Requisiten der damaligen Zeit aufgefahren wurden, sondern der Unterhaltungswert. Agenten treffen auf Agenten, entpuppen sich als Doppelagenten, welche wiederum ein dreifaches Spiel spielen.

Atomic BlondeIrgendwann weiß bei diesem Durcheinander der Zuschauer kaum noch, wer nun wirklich für wen arbeitet, was allerdings auch nicht weiter schlimm ist. „Atomic Blonde“ lebt von der Action, von atemberaubenden Choreografien, von schnellen Schnitten und einer unglaublichen Charlize Theron (Prometheus – Dunkle Zeichen), die nach „Mad Max: Fury Road“ abermals zeigt, dass sie auch Actionfilme mit Bravour meistern kann. Bereits zu Beginn des Films wird sie in einer Badewanne voller Eis gezeigt, der Körper gezeichnet von blauen Flecken, dass Gesicht voller Schürfwunden, sodass der Zuschauer sofort weiß, das hier nicht mit Wattebällchen geworfen wird.

Neben unzähligen Choreografien, in denen es in bester Nahkampf-Manier ordentlich zur Sache geht, begeistert „Atomic Blonde“ mit seiner auditiven Seite. Ein wunderbarer 1980er-Jahre-Soundtrack mit jeder Menge großer Hits, die weit über Nenas „99 Luftballons“ hinausgehen und beinahe immer die Szene zusätzlich unterstützen. Wenn mitten in der Verfolgungsjagd plötzlich Popsongs ertönen, hat das schon einen leicht ironischen Unterton, vermag in der simplen Kombination aber zu gefallen. „Atomic Blonde“ kann und muss man zweifelsohne mit „John Wick“ vergleichen, denn wo Keanu Reeves sich im Nahkampf jeder Menge russischer Gangster entledigt hat, tut ihm dies Charlize Theron in einer beeindruckenden Sequenz in einem alten Mietshaus gleich. Dort wird mit Pistolen aufeinander geschossen, mit Messern eingestochen, mit Kochplatten geworfen und nicht zuletzt mit Korkenziehern gemordet, was eine helle Freude bereitet.

Atomic BlondeLeider gibt es aber auch an „Atomic Blonde“ vereinzelt Kritik anzubringen, was sich in erster Linie im Bereich der Figurenzeichnung abspielen soll. Viele Agenten sind lediglich eine Ansammlung großer Hollywood-Namen, die weder einen Background besitzen, noch in Erinnerung verbleiben. Selbst die Figur von James McAvoy (X-Men: Dark Phoenix) vermag nur im Ansatz zu gefallen, denn so durchtrieben sein doppeltes Spiel auf allen Ebenen auch ist, so unnahbar erscheint dieser für den Zuschauer. Zweifelsohne Kritik auf hohem Niveau, der sich dieser Film aber auch zu stellen hat.

David Leitch’s „Atomic Blonde“ ist zweifelsohne die Antwort auf „John Wick“. Eine großartige Berliner Kulisse, atemberaubende Choreografien und eine beeindruckende Charlize Theron, die als taffe MI6-Agentin nahezu jeden auf die Bretter schicken kann. Für Freunde des Action- und Agentenkinos sehr zu empfehlen.

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Atomic Blonde

Länge: 115 min

Kategorie: Action, Mystery, Thriller

Start: 24.08.2017

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

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Atomic Blonde

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 115 min
Kategorie: Action, Mystery, Thriller
Start: 24.08.2017

Bewertung Film: (7,5/10)

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