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Wonder Woman

Geschrieben von Frank Schmidke am 1. Juni 2017

Während „Wonder Woman“ der vierte Superhelden-Film aus der neuen Ära der DC Comics, heute und morgen in vielen Ländern schon an den Start geht, müssen sich die deutschen Zuschauer noch bis zum 15. Juni gedulden, um die bombastisch inszenierte Geschichte der Amazone Diana, die in der Menschenwelt als „Wonder Woman“ zur Superheldin wird, zu sehen. Mit „Wonder Woman“ hat DC Comics  eine weitere Gelegenheit, gegenüber dem Comic-Konkurrenten Marvel einiges an Boden gut zu machen, kommt deren erste weibliche Hauptrolle „Captain Marvel“ doch erst 2019 in die Kinos. Und der Fantasy-Actioner von Regisseurin Patty Jenkins bietet gute Unterhaltung.

Diana Prince (Gal Gadot) bekommt im Pariser Louvre von Wayne Enterprises ein altes Foto geschickt, das Erinnerungen in ihr weckt. Und so blickt Diana Prince alias „Wonder Woman“ zurück auf ihre Kindheit und den Abschied von der Amazonen-Insel Themyscira. Dort, vor den Menschen verborgen, leben die Amazonen unter der Herrschaft von Königin Hippolyta (Connie Nielsen) und ihrer Schwester Antiope (Robin Wright). Antiope obliegt es als Generalin, die Amazonen wehrhaft und aufmerksam zu  halten, für den Fall, dass die paradiesische Insel entdeckt und angegriffen wird. Allein die junge Diana (Lilly Aspell) soll nicht in der Kampfkunst ausgebildet werden. Hippolyta hat ihre Tochter, das einzige Kind auf der Insel, einst aus Lehm erschaffen und Zeus selbst hat ihr Leben eingehaucht, so zumindest erzählt es die Königin ihrer Tochter.

Eine weitere Geschichte, die Hippolyta ihrer Tochter erzählt, ist die des Kriegsgottes Ares, der die Herzen der von Zeus geschaffenen Menschheit vergiftete und später in einer epischen Schlacht die Götter selbst getötet hat. Die Bestimmung der Amazonen ist es, Ares zu bekämpfen und dem Krieg ein für alle Mal ein Ende zu bereiten.

Diana ist eine junge Frau, als sie ihre tatsächlichen übermenschlichen Kräfte entdeckt, und just in diesem Moment scheint der Krieg tatsächlich Einzug auf der Amazonen-Insel zu halten. Ein Flugzeug stürzt in den Gewässern vor Themyscira ab und Diana rettet den amerikanischen Piloten Steve Trevor (Chris Pine), der als Spion bei den Deutschen war und nun eiligst wieder nach London will, um die Aufzeichnungen einer deutschen Chemikerin abzuliefern, die unter dem Auftrag von General Ludendorff (Danny Huston) an einem Gift arbeitet, das den Krieg entscheiden könnte. Für Diana ist klar, dass hier Ares seine Hand im Spiel hat, und zusammen mit dem Piloten macht sie sich gegen den Willen ihrer Mutter auf in die Welt der Menschen. Bewaffnet mit einem Schild, dem Lasso der Wahrheit und dem Schwert, das Götter töten kann, findet sich Diana in den Wirren des ersten Weltkrieges wieder.

Mit ihrem Kurzauftritt in „Batman Vs Superman“ hatte Wonder Woman bereits eine Duftmarke gesetzt und den Herren der Schöpfung etwas entgegenzusetzen gehabt. In ihrem eigenen Film scheint die Handlung zunächst eben dort anzusetzen. Das dient allerdings eher der Kontinuität des DC-Franchise als der tatsächlichen Geschichte und ist denn auch schnell abgefrühstückt. Und Fans müssen auch nicht den ganzen Filmabspann in Erwartung eines Appetizers abwarten – es kommt keiner. Und so bleibt offen, was (voraussichtlich im November 2017) in Zack Snyders „Justice League“ zu erwarten ist. Aber zurück zu „Wonder Woman“.

Die Story, die von Zack Snyder, Jason Fuchs („Pan“) und Allen Heinberg („Greys Anatomy“, „Sex and The City“) erdacht und von letzterem in Drehbuchform gebracht wurde, hält sich überraschungsfrei an die Mythologie der Comic-Figur und bietet eine klassische Origin-Story. Die ist mit einigem CGI-Aufwand und vielen Actionsequenzen umgesetzt. Zumindest im ersten Filmdrittel, das auf Themiscyra spielt, erinnern die Choreographien und die Superzeitlupen schon arg an Zack Snyders „300“ auch wenn die „Wonder Woman“-Optik eine ganz andere ist. Das ist nur zum Teil verwunderlich, schließlich hat Regisseurin Patty Jenkins vor allem mit ihrem Erstling „Monster“, der Charlize Theron 2003 einen Oscar bescherte, Eindruck gemacht und anschließend im TV-Seriensektor nicht eben viel Gelegenheit gehabt, aufwändige Action zu inszenieren. Und da Zack Snyder immerhin der Kreativkoordinator für die DC –Superhelden-Filme der „Exended Universe Phase“ ist, wird er seine Vision zumindest eingebracht haben. Leider ist denn auch das furiose Finale des Films etwas beliebig und austauschbar geworden: Explosionen aller Orten und haufenweise Effekte, die vor allem in Orange und Blau gehalten sind. Dem wuchtigen Farbkontrast, dem man bereits in etlichen anderen Comicverfilmungen eingesetzt hat.

Aber „Wonder Woman“ ist nicht nur Action und Kampf. Vielmehr gelingt es Regisseurin Patty Jenkins, ihre Heldin mit naivem Staunen und einer herzlichen Neugier auszustatten. Immerhin hat die junge Frau bislang weder einen Mann noch Menschen gesehen und ihre Bildung, so umfassend diese auch ist, beruht auf jahrtausendealten Büchern. Die Amazone ist aus der Zeit gefallen und kommt ausgerechnet gegen Ende des Ersten Weltkrieges in Kontakt mit der Welt. Das bringt einige wirklich spannende Momente zustande und auch die Chemie zwischen der halbgöttlichen Kriegerin und dem ach so sterblichen Piloten sorgt für einige Szenen zum Schmunzeln. Der zivilisationskritische Blick der Außenstehenden ist allerdings nur bedingt erhellend und emanzipatorisch, schaut sie doch auf eine Zeit, die für den Zuschauer längst vergangen ist und letztlich das tatsächliche Ende des 19. Jahrhunderts und der damaligen Weltordnung manifestierte.

Der Psychologe William Moulton Marston entwickelte die Figur der Heldin zu Beginn der 1940er Jahre auch explizit als Vorbild für Frauen und Mädchen, um ihnen Werte zu vermitteln und der physischen Konfliktlösung der Welt und auch der Superhelden ein positives, emanzipiertes Gegenbild vorzuhalten. Zwar geht Diana im Film durchaus mit kriegerischer Absicht auf ihre Mission, Ares zu töten, aber das ist Ausdruck jugendlicher Naivität, die sich im Verlauf der Handlung ändert, was so die Charakterentwicklung von Wonder Woman zeigt. Gal Gadot ist eine perfekte Besetzung für eine der ersten Superheldinnen in der ersten Reihe überhaupt und auch der restliche Cast braucht sich nicht zu verstecken.

Und dennoch kann man auch an dieser DC-Superhelden-Saga einiges bemängeln. Der Actioner ist und bleibt mit seinen 142 Minuten schlicht zu lang, die Filmmusik von Rupert Gregson-Williams ist zu bombastisch ausgefallen, was zwar die Bildgewalt unterstreicht, aber auch für erhebliches Pathos sorgt. Das wird durch die hehre Ernsthaftigkeit der Figuren, die ja für eine gerechte und gute Sache kämpfen, noch unterstrichen. Zudem, und das ist vielleicht ein grundsätzliches Manko aller neueren DC-Filme, sind sie erstaunlich konservativ und in gewisser Weise unmodern ausgefallen und so wirkt „Wonder Woman“ denn auch bisweilen wie ein Abgesang auf eine vergangenen Ära.

Mit „Wonder Woman“ kommt endlich einmal eine Superheldin zum Zug und zeigt den harten Kerlen, dass man bei aller Keilerei auch mal nach alternativen Konfliktlösungen suchen kann. Episch, fantastisch und bombastisch ist der vierte Superhelden-Film aus dem DC-Universum – trotz einiger Längen – eine sehenswerte Sache geworden.

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Länge: 142 Minuten

Kategorie: Action, Adventure, Fantasy

Start: 15.06.2017

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Info

Wonder Woman

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 142 Minuten
Kategorie: Action, Adventure, Fantasy
Start: 15.06.2017

Bewertung Film: (6,5/10)

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