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Veloce come il vento – Giulias großes Rennen

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 9. Juni 2017

Veloce come il vento - Giulias großes Rennen

Italienische Filme haben es in Deutschland nicht leicht. Die Filmverleihe oft zu mutlos, die Sehgewohnheiten der Zuschauer gänzlich anders, weswegen selbst der Berlinale-Gewinner „Cäsar must die“ mit einer einjährigen Verspätung ein recht überschaubares Publikum bei uns erreichte. Der Sportfilm „Veloce come il vento – Giulias großes Rennen“ lief bereits im Frühjahr 2016 in den italienischen Kinos, doch nach gleich sechs Auszeichnungen beim David di Donatello bekommen auch wir ihn nun doch noch zu sehen.

Veloce come il vento - Giulias großes RennenDie 17-jährige Giulia De Martino (Matilda De Angelis) entstammt einer alten italienischen Rennfahrerfamilie und auch sie hat das Benzin im Blut. Mit ihren noch jungen Jahren nimmt sie bereits an der GT-Meisterschaft teil, doch plötzlich stirbt ganz unerwartet ihr Vater und Lehrmeister, der ihr alles beigebracht hat. Allein mit ihrem jüngeren Bruder, steht Giulia plötzlich vor dem Nichts, denn hoch verschuldet wird sie am Ende der Saison auch noch das geliebte Elternhaus verlieren, wenn sie es nicht schafft die Meisterschaft zu gewinnen.

Ausgerechnet jetzt kreuzt auch noch ihr 40-jähriger Bruder Loris (Stefano Accorsi) auf, der vor langer Zeit selbst einmal ein Rennfahrer war, sich dann aber den Drogen verschrieb. Inzwischen lebt er als Junkie mit seiner Freundin in einem kleinen Wohnwagen, nun kreuzt er auf, um sein Erbe in Empfang zu nehmen. Wiederwillig geht Giulia mit Loris einen Deal ein, denn wenn er ihr beibringt, auf der Strecke noch besser zu werden, wird sie ihn dafür täglich entlohnen.

Veloce come il vento - Giulias großes RennenIn Matteo Roveres (Gli sfiorati) drittem Spielfilm dreht sich alles um das schnellen Leben auf und abseits der Rennstrecke, doch wo sich andere auf einen reinen Sportfilm konzentrieren würden, versucht er es mit einem interessanten Familiendrama zu vermengen. Das Rezept geht auf, denn obwohl sein Drehbuch dramaturgisch einige Ecken und Kanten hat, konnte er damit doch in gleich sechs Kategorien des wichtigsten italienischen Filmpreises überzeugen.

Mit Benzin im Blut ist die 17-jährige Rennfahrerin Giulia kalt und dennoch berechenbar, denn wo sie die Geraden in absoluter Perfektion fährt, fehlt es ihr dennoch an Erfahrung und Kaltschnäuzigkeit, um die Gegner in der Kurve abzudrängen. Eben dies soll ihr der ältere und heruntergekommene Bruder Loris beibringen, der früher selber einmal recht erfolgreich Rennen gefahren ist, bis er schließlich in den Drogensumpf abrutschte. Die Beziehung beider ist alles andere als einfach, was der Zuschauer ab der ersten Minute auch spüren soll.

Veloce come il vento - Giulias großes RennenLoris ist nur da, um seinen Vater zu beerdigen und das Erbe einzustreichen, Giulia behandelt ihn abfällig, weil er sich seit über zehn Jahren nicht hat blicken lassen. So sehr sich beide aber auch hassen, so brauchen sie einander, denn während Loris mit 50€ täglich für seine Dienste als Lehrer entlohnt wird, lernt Giulia alles Notwendige, um auf der Rennstrecke zu bestehen. Es ist also ein seichtes Familiendrama, wo sich alle Beteiligten im Laufe der Geschichte wieder näherkommen, gleichzeitig ist es aber auch ein Sportfilm, bei dem die typische Geschichte des Underdogs erzählt wird. David gegen Goliath, denn während andere Teams in Simulatoren üben und teure Wagen fahren, versucht sich Giulia mit dem Wenigen, was sie hat, durchzuschlagen. Geübt wird auf dem Parkplatz oder wenn man vor verärgerten Rockern flieht, umgesetzt wird dies schließlich auf der Rennstrecke, wenn sie die Gegner reihenweise in die Tasche steckt. Ein wenig erinnert dies alles an Sportmärchen wie „Rocky“, wobei der Fokus hier eindeutig auf das Familiäre gesetzt wird.

Schauspielerisch können vor allem Matilda De Angelis (Una Famiglia) und Stefano Accorsi (Ein letzter Kuss) überzeugen, die zusammen eine wirklich sehenswerte Performance abgeliefert haben. De Angelis als taffe Rennfahrerin, die sich nichts sagen lässt und sich versucht in einer reinen Männerdomäne durchzusetzen, Accorsi als Drogenjunkie mit fettigen Haaren, der dann doch irgendwann den Wert einer Familie erkennt und zu schätzen versteht.

Trotz gelegentlicher dramaturgischer Schwächen überzeugt „Veloce come il vento – Giulias großes Rennen“ insbesondere als Familiendrama, was in erster Linie Matilda De Angelis und Stefano Accorsi zuzuschreiben ist.

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Wir vergeben daher 6,5 von 10 Filmpunkten.

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Veloce come il vento - Giulias großes Rennen

Länge: 118 min

Kategorie: Drama, Sport

Start: 08.06.2017

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

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Veloce come il vento - Giulias großes Rennen

Veloce come il vento – Giulias großes Rennen

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 118 min
Kategorie: Drama, Sport
Start: 08.06.2017

Bewertung Film: (6,5/10)

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