cinetastic.de - Living in the Cinema

Berlin Falling

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 28. Juni 2017

Berlin Falling

Der deutsche Genrefilm steht bereits seit vielen Jahren in der Kritik. Auf der einen Seite wird die Ideenlosigkeit genannt, auf der anderen der Einfluss der deutschen Filmförderung, bei der mutige Inszenierungen zumeist recht wenig Chancen haben. Das Regiedebüt von Ken Duken sticht hierbei positiv hervor, auch wenn die Inszenierung zuweilen etwas zu mutig ist und bei dem einen oder anderen Zuschauer einen leicht verstörenden Eindruck hinterlassen könnte.

Berlin FallingDer Elitesoldat Frank (Ken Duken) findet seit seiner Rückkehr nach Deutschland nicht ins normale Leben zurück. Frank kann die Erfahrungen von der Front nicht vergessen, wodurch er nicht nur seine Ehe mit seiner Frau Claudia (Marisa Leonie Bach) in den Sand setzt, sondern die Erfahrungen in jeder Menge Alkohol zu ertränken versucht. Natürlich versucht Frank zurück ins Leben zu finden, wofür ausgerechnet seine kleine Tochter Lilly herhalten soll, hat er diese durch seine Trennung doch seit längerer Zeit nicht gesehen.

Um sein Besuchsrecht in Anspruch zu nehmen, setzt sich Frank nach einer durchzechten Nacht ins Auto und begibt sich auf den Weg nach Berlin. Unterwegs hält er kurz bei einer Tankstelle an, wo er neben einigen Besorgungen auch den Anhalter Andreas (Tom Wlaschiha) mitnimmt, der ebenfalls nach Berlin will. Was am Anfang noch eine freundliche Geste ist, stellt sich schon bald als wahre Achterbahnfahrt heraus, denn Andreas hält ihm plötzlich nicht nur eine Waffe an den Kopf, sondern hat im Rucksack auch noch eine beachtlich große Bombe versteckt, die er in der Hauptstadt zu zünden gedenkt.

Obwohl Ken Duken (Das Löwenmädchen) nie eine Schauspielschule besuchte, ist der 38-Jährige seit fast zwanzig Jahren kaum aus der deutschen Filmlandschaft wegzudenken. Egal ob er in Fernsehserien mitspielt, in TV- oder auch in Kino-Produktionen, Duken beweist stets sein Talent. Neben über 80 Engagements versucht er sich nun auch als Regisseur einen Namen zu machen, was sogleich in einer Dreifachbelastung enden sollte. Neben der Regie steuerte Duken die Idee des Drehbuchs bei, ließ diese von Autor Christoph Mille verfeinern und gab sich selbst auch noch die Hauptrolle, wodurch er in allen Bereichen seines Regiedebüts involviert war.

Berlin FallingDas Ergebnis kann sich in Teilbereichen durchaus sehen lassen, denn obwohl „Berlin Falling“ von Anfang an sehr berechenbar ist, macht es dennoch Spaß, dem kurzweiligen Drama zuzusehen. Das liegt weniger an der sehr konstruiert wirkenden Geschichte als vielmehr dem Spiel von Tom Wlaschiha (Rush – Alles für den Sieg), der hier als Anhalter und zukünftiger Terrorist einen wirklich einmaligen Bösewicht abgibt. Am Anfang noch freundlich und mit jede Menge Sarkasmus, kritisiert er seinen Fahrer, dessen laute Musik und dessen übermüdeten Zustand, bis schließlich ein kalter Psychopath zum Vorschein kommt, der im Grunde jede Minute genau vorausgeplant zu haben scheint.

So interessant der Thriller von der Geschichte und der sich zuspitzenden Handlung auch ist, desto verworrener wird dieser schließlich, was darin gipfelt, dass der Zuschauer nach jeder Menge geschlagener Hacken kaum noch weiß, was eigentlich die Intention des Bösewichts ist. Hier wäre eine etwas offensichtlichere Botschaft durchaus denkbar gewesen, um das Publikum nicht vollends zu verwirren.

Damit einher geht aber auch die Kritik am Thema an sich, denn obwohl der Film bereits vor dem Anschlag in Berlin gedreht wurde, erscheint es doch überaus mutig, diesen so kurz nach dem grauenvollen Ereignis ins Kino zu bringen. Auf der einen Seite erscheint es konsequent, sich mit einem Bombenanschlag in Berlin auseinanderzusetzen, auf der anderen Seite dürften die Ereignisse bei einigen Zuschauern noch zu präsent sein, wodurch ein Filmgenuss natürlich nur bedingt gegeben sein wird.

Wie auch immer man dazu stehen mag, „Berlin Falling“ sticht als deutscher Genrebeitrag positiv hervor und zeigt zumindest im Ansatz auf, zu was heimische Produktionen fähig sein können, wenn man denn den Mut besitzt, einen sehr kreativen Stoff umzusetzen.

In seiner ersten Regiearbeit überzeugt Ken Duken mit sehr viel Mut, wenn er dem Zuschauer ein nicht ganz einfaches Thema präsentiert, das definitiv kontrovers diskutiert werden wird.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Edith Held, GrandHôtelPictures

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden
Berlin Falling

Länge: 90 min

Kategorie: Thriller

Start: 13.07.2017

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (0,0/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten!

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

Berlin Falling

Berlin Falling

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 90 min
Kategorie: Thriller
Start: 13.07.2017

Bewertung Film: (6/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (0,0/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten