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All Eyez On Me

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 14. Juni 2017

All Eyez On Me

Für die einen war er einer der begabtesten Musiker dieses Planeten, für ganz andere ein kriminelles Etwas, das fast ein Jahr seines sehr kurzen Lebens im Gefängnis verbracht hat. Die Rede ist von Tupac Shakur, der selbst über seinen Tod hinaus weit über 75 Mio. Platten verkaufte und dessen Leben Benny Boom nun für die große Leinwand einzufangen versucht.

All Eyez On MeWir schreiben das Jahr 1971: Die schwangere Afeni Shakur (Danai Gurira) wurde als Mitglied der Black-Panther-Bewegung gerade erst vom Vorwurf einer terroristischen Verschwörung freigesprochen, da wird ihr Sohn Tupac (Demetrius Shipp Jr.) auch schon in eine Welt aus Hass und Gewalt hineingeboren. Schon früh lernt dieser, wie Polizeiwillkür aussieht, wie afroamerikanische Mitbürger auf offener Straße zusammengeschlagen werden, was dieser schließlich in seiner Kunst auszudrücken versucht. Anfangs noch in Form von Poesie, später auf der Bühne als Schauspieler, was allerdings schon bald sein Ende findet.

Vielmehr versucht er sich nun in Rap-Texten ausdrücken, was anfangs noch als Backgroundsänger, später allerdings auch als Solokünstler in die Realität umgesetzt werden soll. Tupac stößt mit seinen Texten auf, schafft es aber auch die Massen für sich zu gewinnen, doch sein aufbrausendes Temperament bringt ihn regelmäßig in Schwierigkeiten, woraufhin dieser sogar zu einem Jahr Gefängnis verurteilt werden wird. Im Gegenzug für einen Plattenvertrag zahlt Suge Knight (Dominic L. Santana) – berühmt berüchtigter Boss des Labels Death Records – eine Kaution, woraufhin Tupac sein erfolgreiches Album „All Eyez On Me“ fertigstellt und millionenfach verkauft. Doch auch dieser Erfolg ist nur von kurzer Dauer, denn der Superstar des Rap wird auf offener Straße erschossen.

All Eyez On MeNachdem im letzten Jahr der überaus erfolgreiche „Straight Outta Compton“ in die Kinos kam und sich den Rappern von N.W.A. widmete, war ein Biopic über den verstorbenen Tupac Shakur eigentlich der logische nächste Schritt. Wo F. Gary Gray mit ersterem aber ein lupenreines Werk ablieferte, das sich den Höhepunkten und auch den Abgründen der Gruppe widmete, präsentiert uns Musikvideo-Produzent Benny Boom (Next Day Air) ein sehr einseitiges Biopic, das wohl am ehesten seine ganz eigene Sicht von 2Pac widerspiegelt.

Um eben diese eigene Sicht dem Zuschauer zu präsentieren, wählt Boom nicht etwa einen interessanten Ausschnitt aus 2Pacs Leben (allein der unaufgeklärte Mord hätte jede Menge Potential…), sondern beginnt noch weit vor seiner Geburt, wenn er sich auf das Black-Panther-Umfeld von dessen Mutter konzentriert. Trotz monumentaler zweieinhalb Stunden bleibt so kaum Zeit, Themen im Detail anzusprechen, denn durch die recht willkürlich herausgepickten Lebensabschnitte fliegt Boom praktisch durch 2Pacs Leben, wodurch die Charakterisierung seiner Figur auf der Strecke bleibt.

All Eyez On MeViele der dargebotenen Lebensabschnitte wirken vernachlässigbar, ganz andere kommen zu kurz. Dem Zuschauer werden Szenen von Polizeigewalt präsentiert, Morde, die direkt vor 2Pacs Haustür geschehen, die Figur allerdings bleibt oft unbeteiligt daneben stehen, als würde ihn dies alles nicht interessieren. Kenner seiner Musik werden eben diese Stellen in späteren Songs wiederfinden, für den durchschnittlichen Zuschauer bleiben Details wie diese allerdings im Verborgenen, obwohl der Mensch an sich davon nachhaltig geprägt wurde.

Anstatt sich um eine interessante Figurenzeichnung zu kümmern, zeigt uns Boom in steter Regelmäßigkeit pralle Frauenhintern, Orgien auf Hotelzimmern, jede Menge Drogen und einen nur angedeuteten Konflikt, der sich zwischen 2Pac und seinem Produzenten abgespielt haben soll. Gerüchten zufolge könnte dieser sogar den Mord an 2Pac in Auftrag gegeben haben, ob an diesen Gerüchten etwas Wahres sein könnte, wird allerdings auch hier nicht weiter thematisiert. Insgesamt bleibt Boom zum Großteil an der Oberfläche seines Protagonisten, wodurch die wenigsten Zuschauer etwas Neues über den Star erfahren werden, vielmehr werden alte Themen wieder aufgewärmt, die dann allerdings nur wenig später links liegen gelassen werden. Ähnlich verhält es sich mit dem anschwellenden Konflikt zwischen East- und West-Coast, der hier zwar unterschwellig erwähnt wird, in dieser Form für den Zuschauer allerdings keinen informellen Mehrwert bietet.

Benny Booms zweieinhalbstündiges Biopic über Tupac Shakur bewegt sich in erster Linie an der Oberfläche des Künstlers, werden hier doch gleich so viel Stationen aus dessen Leben angesprochen, dass für die wirklich wichtigen Dinge kaum Zeit bleibt.

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Wir vergeben daher 5,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Constantin Film

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All Eyez On Me

Länge: 140 min

Kategorie: Biography, Drama, Music

Start: 15.06.2017

cinetastic.de Filmwertung: (5,5/10)

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All Eyez On Me

All Eyez On Me

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 140 min
Kategorie: Biography, Drama, Music
Start: 15.06.2017

Bewertung Film: (5,5/10)

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