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Loving

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 28. Mai 2017

Loving

Wenn der oscarnominierte Regisseur und Drehbuchautor Jeff Nichols einen neuen Film dreht, findet man in diesem zumeist Nichols‘ sehr ruhige Art wieder. Erneut widmet er sich nun den einfachen Menschen, wenn er in sehr leisen Tönen von einer Liebe erzählt, die per Gesetz erst ihre Legitimation erfahren musste und somit wegweisend für ein ganzes Land sein sollte.

LovingWir schreiben die 1950er Jahre in den Vereinigten Staaten. Der weiße Bauarbeiter Richard (Joel Edgerton) und seine schwarze Freundin Mildred (Ruth Negga) lieben sich innig, sind wie geschaffen füreinander und erwarten schon bald ihr erstes gemeinsames Kind. Um die Ehe noch vor der Geburt zu einzugehen, fahren beide ins weit entfernte Washington DC., da die Heirat zwischen Schwarzen und Weißen in ihrer Heimat verboten ist. Zurück in Virginia schlägt beiden der blanke Hass entgegen, woraufhin eines Abends sogar die Polizei die gemeinsame Wohnung besucht. Für den vor Ort ansässigen Richter sind die Fakten klar, woraufhin beiden eine Haftstrafe von nicht weniger als fünf Jahren droht.

Da Mildred kurz vor der Geburt des ersten Kindes steht, wird beiden ein Vergleich angeboten. Wenn sie für 25 Jahre Virginia verlassen und nicht wieder zurückkommen, gehen beide straffrei aus, was schließlich auch angenommen wird. Während sich beide in den kommenden fünf Jahren ein gemeinsames Leben mit zwei weiteren Kindern aufbauen, denkt Mildred stets an ihre Heimat zurück. Eines Tages beschließt sie schließlich einen Brief an den Justizminister der Vereinigten Staaten zu schreiben, woraufhin die Anwälte der Bürgerrechtsbewegung damit beginnen den Fall vor das oberste Gericht zu tragen, um einen Präzedenzfall zu erwirken.

LovingBereits in seinem Drama „Take Shelter – Ein Sturm zieht auf“ bewies Regisseur und Drehbuchautor Jeff Nichols (Mud – Kein Ausweg) sein Gespür für die einfachen Menschen vom Lande, wenn er in leisen Tönen vom drohenden Unheil berichtete, das innerlich die Familie entzweite. Auch in „Loving“ geht es ähnlich leise zu, denn anstatt sich auf die Bürgerrechtsbewegung oder den eigentlichen Prozess zu konzentrieren, verbleibt Nichols bei seinen beiden Figuren und der innigen Liebe, die beide verbindet.

Das mag auf den ersten Blick langweilig wirken, vielleicht sogar etwas ermüdend, doch Nichols ist erneut ein ganz großes Drama gelungen. Leise, fast schon zurückhaltend porträtiert er zwei Menschen die offen ihre Zuneigung für einander ausleben, die wie geschaffen füreinander sind und nur durch das Gesetz voneinander getrennt sein sollen. Bis zum Ende der 1960er Jahre sind solche gemischtrassigen Ehen in einigen Bundesstaaten verboten, die Geschichte von Richard und Mildred ist einer von vielen Schritten, die zur Gleichberechtigung beigetragen haben.

LovingLetzteres ist für Nichols aber von untergeordneter Natur, denn wo die Gespräche mit Anwälten der Bürgerrechtsbewegung eher im Hintergrund verlaufen, gibt es nur drei sehr kurze Szenen, die vor Gericht ausgetragen werden. Beiden wird sogar angeboten, vor dem Supreme Court der Entscheidung beizuwohnen, doch auch hier entscheidet sich Nichols für die ruhige Variante, wenn er beide in ihrem Heim auf dem Land zeigt, wo sie ihrem ganz normalen Leben nachzugehen versuchen. Es sind eben zwei Menschen, die sich lieben, zwei Menschen, die fern des Trubels füreinander da sein möchten, um zusammen zu leben und in Würde zu altern.

Durch Joel Edgerton (Black Mass) und Ruth Negga (Warcraft: The Beginning) wird eben diese Liebe wunderbar dargestellt, wenn man sie in einer Vielzahl von Szenen sieht, in denen es im Grunde nur sie beide zu geben scheint. Sie sind füreinander da, sie vertrauen, ja sie lieben sich. Selten zuvor ist die Liebe zweier Menschen so glaubhaft dargestellt worden wie hier, wofür beide bei den letzten Oscars durchaus hätten berücksichtigt werden müssen. Wie so oft ist „Loving“ dafür aber zu leise, nicht kritisch genug mit den Ereignissen der 1950er Jahre, wo Farbige noch für ihre Rechte kämpfen mussten.

Jeff Nichols präsentiert mit „Loving“ eine wunderschöne Liebesgeschichte, die weniger den Fokus auf die Bürgerrechtsbewegung und die Verhandlung vor dem Supreme Court legt, als vielmehr auf die Liebe zweier einfacher Menschen vom Lande. Eine absolute Empfehlung.

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Loving

Länge: 123 min

Kategorie: Biography, Drama, Romance

Start: 15.06.2017

cinetastic.de Filmwertung: (8/10)

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 123 min
Kategorie: Biography, Drama, Romance
Start: 15.06.2017

Bewertung Film: (8/10)

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