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Zu guter Letzt

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 10. April 2017

Zu guter Letzt

Im hohen Alter ist es nicht ungewöhnlich sich über den Tod Gedanken zu machen, über die eigene Beerdigung, die finanzielle Versorgung der Angehörigen und natürlich darüber, wie man bei guten Freunden in Erinnerungen verbleibt. In der illustren Komödie „Zu guter Letzt“ soll genau dies Thema sein, denn was ist, wenn man einen Nachruf schreiben lässt, dieser aber rein gar nichts positives zu vermelden hat?

Zu guter LetztMit ihren über 70 Jahren kann Harriet Lauler (Shirley MacLaine) auf ein eindrucksvolles Leben zurückblicken. Sie hatte eine eigene Werbeagentur, eine steile Karriere hingelegt, eine Tochter in die Welt gesetzt und darüber hinaus das Leben in all seinen Zügen genossen. Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch denkt Harriet schließlich über ihren eigenen Tod nach und fragt sich daraufhin, was wohl Freunde, Verwandte und die eigene Familie über sie denkt und am Grabe sagen würde. Da Harriet nichts dem Zufall überlassen will, plant sie spontan ihren eigenen Nachruf zu Lebzeiten zu schreiben, wofür ausgerechnet die junge Journalistin Anne (Amanda Seyfried) infrage kommen soll.

Anne ist darauf spezialisiert Nachrufe zu schreiben und so interviewt sie enge Freunde, Menschen mit denen Harriet in Kontakt steht, doch ausgerechnet diese haben kaum ein gutes Wort über diese zu berichten. So wird der Nachruf überwiegend negativ, was Harriet so natürlich so gar nicht stehen lassen kann. Spontan beschließt diese ihr Leben grundlegend zu ändern, wofür als erstes eine Aussprache mit der eigenen Tochter stattfinden soll.

Zu guter LetztIm Grunde gibt es jede Menge Wohlfühlkomödien die sich darum drehen, dass sich Menschen doch noch zum Guten hin verändern. Regisseur Mark Pellington (Nostalgia) und Autorin Stuart Ross Fink haben dem nur bedingt wirklich Neues hinzuzufügen, stattdessen bauen beide auf eine eindrucksvolle Besetzung, bei der insbesondere Hauptdarstellerin Shirley MacLaine (Das erstaunliche Leben des Walter Mitty) hervorstechen soll.

Im Grunde hat „Zu guter Letzt“ alles was eine gute Komödie braucht. Eine grantige und vor allem unausstehliche alte Frau, eine junge Journalistin die sich nicht traut aus dem bekannten auszubrechen und ein junger Frechdachs, der am liebsten direkt die halbe Welt verändern würde. So positiv sich dies allerdings auch anhört, so durchwachsen wurde dies schließlich umgesetzt, was einmal mehr den oberflächlich angelegten Figuren zuzuschreiben ist.

Zu guter LetztDas Problem daran ist schließlich, dass man Shirley MacLaine bestenfalls in den ersten zehn Minuten ihre Rolle als alte Dame abnimmt, der man im Grunde nichts wirklich recht machen kann. Beim Friseur schneidet sie sich die Haare lieber selber, dem Gärtner nimmt sie seine Arbeit ab und auch sonst weiß sie alles besser, sodass im Nachruf kaum ein gutes Haar an der Kontrollsüchtigen bleiben soll. Leider fängt nach besagten zehn Minuten der typisch amerikanische Wohlfühlfilm an, wenn sie sich radikal um 180 Grad zu verändern beginnt, was dann allerdings so dermaßen unglaubhaft herübergebracht wird, sodass man als Zuschauer die ganze Geschichte infrage stellen muss.

Dabei ist die Aussprache mit ihrer Tochter noch recht amüsant gehalten, wenn Harriet aber plötzlich bei einem Radiosender als DJ auflegt oder der jungen farbigen Migrantin Brenda (AnnJewel Lee Dixon) das Leben erklärt, fühlt man sich als Zuschauer schon ein wenig verschaukelt. „Zu guter Letzt“ hat ganz ohne Frage seine Momente, für die in erster Linie jedoch Amanda Seyfried (Alle Jahre wieder – Weihnachten mit den Coopers) verantwortlich ist. Als junge Journalistin hat sie sich auf Nachrufe spezialisiert, steckt im Leben fest, schreibt Essays und traut sich diese einfach nicht zu veröffentlichen. Man merkt der Figur der Anne an, dass sie aus sich herauskommen will, dass sie neues entdecken, ja einfach die Welt erobern möchte, wodurch insbesondere der Wandel ihrer Figur glaubhaft und absolut sympathisch für den Zuschauer herüberkommen soll.

Neben den angesprochenen Defiziten versucht „Zu guter Letzt“ aber auch die Rolle der Frau in den letzten Jahrzehnten herauszuarbeiten, wenn – oberflächlich – aufgezeigt wird, wie Harriet zu dem unnahbaren Biest geworden ist. Damals musste man sich als Frau mit beiden Ellenbogen gegen die männliche Konkurrenz durchsetzen, man durfte sich nichts gefallen lassen und man musste eben einen Tick besser sein, um letzten Endes den süßen Sieg genießen zu dürfen. Das mag auf der einen Seite dem Film und seiner Figur gut zu Gesicht stehen, auf der anderen erklärt aber ausgerechnet dies nicht den Wandel über Nacht, wenn besagte Unnahbarkeit die über Jahrzehnte hinweg aufgebaut wurde, praktisch von heute auf morgen über Bord geworfen wird.

„Zu guter Letzt“ ist eine sehr berechenbare und zuweilen auch nur bedingt glaubhafte Wohlfühlkomödie, bei der eine ältere Dame damit beginnt ihr Leben grundlegend zu verändern. Bei älteren Zuschauern dürfte der Film seinen Zweck erfüllen, bei anderen wird er kaum nachhaltig in Erinnerung verbleiben.

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Copyright: Tobis

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Zu guter Letzt

Länge: 108 min

Kategorie: Comedy, Drama

Start: 13.04.2017

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 108 min
Kategorie: Comedy, Drama
Start: 13.04.2017

Bewertung Film: (6/10)

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