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Verleugnung

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 10. April 2017

Verleugnung

Mit der Leugnung des Holocaust sorgte der ehemalige iranische Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad mehr als einmal für heftige Schlagzeilen, denn was in Deutschland und in weiten Teilen der EU gegen das Gesetz verstößt, wird in anderen Ländern zumindest geduldet. Mit „Verleugnung“ kommt nun ein brisantes Thema in die deutschen Kinos, dass über viele Jahre hinweg tatsächlich die Gerichte beschäftigte, denn was ist, wenn man den Holocaust beweisen muss, um die eigene Unschuld zu untermauern?

VerleugnungAtlanta, am Anfang der 1990er Jahre: Die anerkannte Historikerin Deborah Lipstadt (Rachel Weisz) hält einen Vortrag an ihrer Universität, wo sie den britischen Autor David Irving (Timothy Spall) als Holocaustleugner bezeichnet. In einer anschließenden Diskussion meldet sich dieser aus dem Publikum zu Wort, woraufhin er Beweise dafür fordert, dass Hitler tatsächlich die Vernichtung von fast 6 Mio. Juden befohlen habe. Deborah Lipstadt lässt sich auf diese Diskussion gar nicht erst ein und bricht das Gespräch ab, woraufhin das Thema erledigt erscheint.

Als ihr Buch „Betrifft: Leugnen des Holocaust“ schließlich auch in Großbritannien erscheint, beschließt David Irving die Autorin wegen Verleumdung zu verklagen. Entgegen anderer Länder steht nun nicht Irving in der Beweispflicht, sondern vielmehr Lipstadt, die nun zusammen mit den Anwälten Richard Rampton (Tom Wilkinson) und Anthony Julius (Andrew Scott) einen Plan austüfteln muss, um nicht nur ihre Unschuld, sondern sogar noch den Holocaust zu beweisen.

VerleugnungZugegeben, ein Gerichtsdrama wie „Verleugnung“ ist keine einfache Kost, denn obwohl die Arbeit von Regisseur Mick Jackson (Bodyguard) auf nachvollziehbaren Tatsachen beruht, die sich so auch zugetragen haben, lässt die Inszenierung einige Wünsche offen. Dabei ist nicht einmal das Drehbuch von David Hare (Der Vorleser) das Problem, der das Buch „History on Trial: My Day in Court with a Holocaust Denier“ von Deborah Lipstadt adaptierte, sondern vielmehr die Umsetzung an sich, bei der man einiges hätte interessanter gestalten können.

Damit ist vor allem die Inszenierung gemeint, denn „Verleugnung“ ist ein astreines Gerichtsdrama, dass von unzähligen Mono- und Dialogen lebt, wenn sich die Parteien mit ihren Anwälten austauschen, einen Fahrplan auszuarbeiten versuchen und dieser wiederrum vor Gericht zerfetzt wird. Dabei sind die Rollen recht klar verteilt, denn während Rachel Weisz (Die fantastische Welt von Oz) die überforderte Historikerin spielt, die das alles gar nicht glauben kann, präsentiert sich Timothy Spall (Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln) als astreiner Gegenspieler, der sich vor Gericht sogar selbst vertritt.

VerleugnungDas Problem an alledem ist, dass besagte Szenen vor Gericht und die umfangreichen Besprechungen außerhalb doch recht eintönig wirken. In recht dunklen Bildern wird fast zwei Stunden lang diskutiert, was schließlich so weit geht, dass man den Holocaust an sich beweisen muss. Dabei übertreiben es die Verantwortlichen schließlich deutlich, wenn sie theatralische Musik einspielen, während das KZ Ausschwitz besichtigt wird. Das sich dies tatsächlich so zugetragen hat, ist belegt, dass die Klage in dieser Form von der Justiz überhaupt zugelassen wurde, darf und muss man selbst heute noch deutlich kritisieren.

Wie auch immer, „Verleugnung“ ist thematisch ein ungemein wichtiger Film, denn er zeigt eindrucksvoll auf, wie die eigene Meinung zum Bumerang werden kann. Keine leichte Kost und schon gar kein Film für einen unterhaltsamen Abend, dafür aber ein ungemein wichtiger, der lange in Erinnerung verbleiben wird.

Mit „Verleugnung“ verfilm Mick Jackson einen der ungewöhnlichsten Prozesse der späten 1990er Jahre, bei dem Historikerin Deborah Lipstadt tatsächlich den Holocaust beweisen musste. Von der Inszenierung her kein einfacher Film, da die endlosen Gerichtsprozesse durchaus interessanter hätten aufbereitet werden können.

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Verleugnung

Länge: 109 min

Kategorie: Biography, Drama

Start: 13.04.2017

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Verleugnung

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 109 min
Kategorie: Biography, Drama
Start: 13.04.2017

Bewertung Film: (6/10)

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