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The Dinner

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 18. April 2017

The Dinner

Für nicht wenige Menschen sind große Familienessen eine reine Qual. Alte Geschichten werden wieder aufgewärmt, Peinlichkeiten werden angesprochen und irgendwer schlägt zumeist über die Strenge, sodass längeres Schweigen und eine angespannte Stimmung garantiert ist. In Oren Movermans „The Dinner“ wird genau dies auf die Spitze getrieben, wobei alle Beteiligten eigentlich einen Grund hätten, sich endlich einmal vollends auszusprechen.

The DinnerFür den ehemaligen Geschichtslehrer Paul (Steve Coogan) ist der Abend bereits jetzt ruiniert, denn zusammen mit seiner Frau Claire (Laura Linney) muss er ausgerechnet zu einem Essen mit seinem Bruder, der in einem Nobelrestaurant zu einem Familienessen eingeladen hat. Der eigene Sohn bleibt zuhause, das Essen würde Paul lieber direkt absagen, doch irgendwie bekommt Claire ihn dann doch dazu, dorthin zu gehen.

Kaum im Restaurant angekommen, merkt er schon warum er seinen Bruder Stan (Richard Gere) tief im inneren nicht leiden kann. Als Kongressabgeordneter und zukünftiger Gouverneur kommt er nicht umhin jeden im Restaurant die Hand zu geben, alle paar Minuten zu telefonieren, während seine Assistentin stets beim Essen hektisch winkt, scheint sich doch bereits die nächste globale Katastrophe anzubahnen. Irgendwie muss Paul dieses Essen aber überstehen, soll es doch um die beiden gemeinsamen Söhne gehen, die eine grauenvolle Tat begangen haben.

The DinnerBasierend auf Herman Kochs Roman „Angerichtet“ (2009) erzählt Regisseur Oren Moverman (Love & Mercy) von zwei ungleichen Paaren, die zusammengekommen sind, um eine Aussprache über ihre jeweiligen Söhne zu vollziehen. Entfernt könnte man dies mit Roman Polanskis „Der Gott des Gemetzels“ vergleichen, doch wo letzterer überwiegend sehr unterhaltsam und zugleich witzig war, ist die Basis von „The Dinner“ doch einer sehr ernsten Natur.

Strukturiert in sechs Menügänge, stets mit einer kurzen Texteinblende versehen, unterteilt sich „The Dinner“ in die verschiedensten Abschnitte, die alle bewältigt werden müssen. Dabei offenbart sich für den Zuschauer mit zunehmender Zeit eine tief verzweigte Struktur innerhalb der Familie, denn wo Paul anfangs nur eine grobe Abneigung gegenüber seinem Bruder aufzeigt, wird eben diese alsbald untermauert. Dabei ist die Einteilung zwischen Gut und Böse gar nicht einmal sonderlich wichtig, denn anfangs getroffene Sympathien werden offen wieder umgeworfen, je mehr sich der Kern der Geschichte offenbart.

The DinnerSo interessant die Aussprache beim Essen aber auch ist, so gekonnt sich die vier beteiligten Personen in Rage reden, so ruhig der Ober bei alledem stets zu bleiben versucht, so vollends überladen ist diese Inszenierung leider letzten Endes ausgefallen. Die einzelnen sechs Kapitel der angerichteten Essensgänge werden schon bald fallengelassen, es gibt unzählige Rückblenden zu der eigentlichen Tat der Jugendlichen, aber auch in die Vergangenheit beider Brüder, die sich selber noch einmal unzählige Male verzweigt. Der Zuschauer wird förmlich erstickt in Details, die für sich genommen durchaus interessanter Natur sind, letzten Endes die meisten aber überfordern werden.

Sieht man von dieser Fülle an Informationen einmal so, so entpuppt sich „The Dinner“ als abwechslungsreiches Rededuell, bei dem innerhalb des Restaurants mehrmals die Örtlichkeiten gewechselt werden, was frischen Wind verspricht, ohne vom eigentlichen Geschehen abzulenken. Herausragend sind dabei in erster Linie Steve Coogan (Nachts im Museum – Das geheimnisvolle Grabmal) und Richard Gere (Best Exotic Marigold Hotel 2) als ungleiches Brüderpaar, doch selbst die Ehefrauen kommen gegen Ende hin aus sich heraus. Erwähnenswert ist bei alledem die wirklich sehenswerte Bildgestaltung von Kameramann Bobby Bukowski, der trotz dunkler Kulisse und den überwiegend bei Nacht gedrehten Szenen ein paar wirklich einmalige Bilder hat einfangen können.

Oren Movermans „The Dinner“ überzeugt mit interessanten Rededuellen zweier ungleicher Brüder beim Abendessen, ist letzten Endes aber so überfrachtet mit einzelnen Episoden, dass sich der Zuschauer schon bald in einer Vielzahl an Details verlieren wird.

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Copyright: Tobis

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The Dinner

Länge: 120 min

Kategorie: Drama, Mystery, Thriller

Start: 08.06.2017

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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The Dinner

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 120 min
Kategorie: Drama, Mystery, Thriller
Start: 08.06.2017

Bewertung Film: (6/10)

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