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Die Erfindung der Wahrheit

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 25. April 2017

Die Erfindung der Wahrheit

Die Waffengesetze in den Vereinigten Staaten werden in regelmäßigen Abständen in der Presse behandelt, denn wo man den Bürgern das Recht zur Selbstverteidigung zugestehen will, bringt dies jedes Jahr zahlreiche Tote und Verletzte mit sich, die vermeidbar gewesen wären. Das Polit-Drama „Die Erfindung der Wahrheit“ dreht sich rund um eine Lobbyistin der Waffenindustrie, die praktisch über Nacht die Seiten wechselt und für Aufregung sorgen wird.

Die Erfindung der WahrheitDie erfolgreiche Lobbyistin Elizabeth Sloane (Jessica Chastain) arbeitet in Washington, DC für eine alteingesessene Kanzlei, die immer dann zu Rate gezogen wird, wenn es irgendwo brennt. Im neuesten Fall soll Elizabeth Sloane für die Waffenindustrie der Vereinigten Staaten antreten, denn durch ein neues Gesetz soll ausgerechnet die Herausgabe von Schusswaffen an Privatpersonen stark reglementiert werden.

Nach einer hitzigen Debatte mit ihrem Chef Dupont (Sam Waterston) wechselt Sloane überraschend die Seiten, woraufhin sie fortan zusammen mit ihren vier Mitarbeitern den Idealisten Rodolfo Schmidt (Mark Strong) vertritt und alles dafür unternimmt, das Gesetz im Senat durchzubekommen. Während Sloane mit fragwürdigen Mitteln arbeitet, steht plötzlich nicht nur ihre Karriere auf dem Spiel.

Die Erfindung der WahrheitMit sehenswerten Polit-Dramen wird der Zuschauer in steter Regelmäßigkeit konfrontiert, denn mit einem interessanten Fall, jeder Menge spitzer Rededuelle und imposant auftretenden Darstellern kann man noch immer die Zuschauer in die Kinos locken. Der neueste Streifen von Regisseur John Madden (Shakespeare in Love) kam ausgerechnet zur Trump-Wahl in die US-Kinos, wodurch der Wahlkampf noch einmal ordentlich angeheizt wurde. Basierend auf dem Drehbuch von Jonathan Perera, versucht Maddan beinahe alles, um ein ordentliches Polit-Drama abzuliefern, bei dem ausgerechnet Jessica Chastain (A Most Violent Year) zur Hochform auflaufen soll.

Ab der ersten Minute wird der Zuschauer mit einer rund 35-jährigen jungen Frau konfrontiert, die mit ihrem Auftreten bereits alles aussagen soll. Designerkostüm, rote Lippen, strenger Blick: hier geht es nur ums Gewinnen, notfalls geht man eben über Leichen. Für den Zuschauer ist dies keine angenehme Figur, allerdings eine, die man in den kommenden 130 Minuten zwar nicht lieben, zumindest aber schätzen lernen wird. Mit dem Wechsel der Seiten steht Elizabeth Sloane plötzlich in einer David-gegen-Goliath Konstellation, doch verlieren kann und wird sie auch diesen Fall nicht, das ist absolut klar.

Die Erfindung der WahrheitÄhnlich wie in Polit-Dramen der 1970er Jahre wird sich fortan auf dunklen Parkplätzen getroffen, über fragwürdige Methoden der Bespitzelung gesprochen, während man alle Register zieht, um dem Gegner irgendwie zu schaden. Dabei werden selbst die eigenen Mitarbeiter gnadenlos ausgenutzt, was in einer Szene besonders deutlich zum Tragen kommt, wenn Sloane ungefragt eine private Geschichte einer Mitarbeiterin für ihre eigene Argumentation missbraucht.

Die Frau ist unnahbar, ein kaltes Etwas, das sich Wärme und Bestätigung wiederum durch anonymen Hotelzimmersex holt, wenn sie für gutes Geld gutaussehende Männer von einer Agentur kommen lässt. Natürlich dreht sich auch in „Die Erfindung der Wahrheit“ viel um spitze Rededuelle, die prägnant herüberkommen und zuweilen einen so herrlichen Schlagabtausch bilden, dass die Zeit wie im Fluge vergeht. Zweifelsohne hat auch diese Inszenierung ihre Längen, wenn sich Sloane am Anfang in längeren Reden verfängt und für den Zuschauer gar nicht klar wird, weshalb diese überhaupt die Seiten wechselt.

Darüber hinaus werden auch hier jede Menge Klischees abgehandelt, wenn wir mit alten (weißen) Männern der Waffenindustrie konfrontiert werden, mit korrupten Senatoren oder eben mit einem sehr offensichtlich gemischten Team um Lobbyistin Elizabeth Sloane. Trotz eben dieser Kritik auf sehr hohem Niveau macht „Die Erfindung der Wahrheit“ unheimlich Spaß, was insbesondere der starken Performance von Jessica Chastain zuzuschreiben ist.

John Madden präsentiert mit „Die Erfindung der Wahrheit“ ein spannendes Polit-Drama, das in erster Linie von einer Vielzahl an Rededuellen und einer sehr überzeugenden Jessica Chastain lebt.

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Copyright: Universum Film

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Die Erfindung der Wahrheit

Länge: 132 min

Kategorie: Drama, Thriller

Start: 06.07.2017

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Die Erfindung der Wahrheit

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 132 min
Kategorie: Drama, Thriller
Start: 06.07.2017

Bewertung Film: (7/10)

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