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Tschick

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 9. März 2017

Tschick

Mit mehr als 2.2 Mio. verkaufter Exemplare war Wolfgang Herrndorfs Jugendroman „Tschick“ im Jahre 2010 eines der beliebtesten Bücher überhaupt, kein Wunder also, dass sich gleich mehrere Regisseure darum rissen, besagten Stoff zu verfilmen. Nachdem „Tschick“ auch auf der großen Leinwand einen Achtungserfolg hinlegen konnte, ist dieser ab dem 9. März 2017 auf Blu-ray und DVD für das Heimkino erhältlich.

TschickDer 14-jährige Maik Klingenberg (Tristan Göbel) ist ein ganz normaler Außenseiter, der allerdings unsterblich in seine Klassenkameradin Tatjana (Aniya Wendel) verschossen ist. Zu seinem Leidwesen will genau die nichts von ihm wissen, weshalb es nicht wirklich verwunderlich ist, dass Maik als eine von nur zwei Personen der Klasse keine Einladung zu ihrer Geburtstagsfeier erhält.

Besagte andere Person ist der erst kürzlich nach Deutschland gezogene Russe Andrei „Tschick“ Tschichatschow (Anand Batbileg). Tschick hat ein großes Mundwerk, manchmal eine leichte Alkoholfahne, stets aber seine alte Plastiktüte dabei, in die er das Notwendigste verstaut. Am Abend vor der Feier besucht Tschick schließlich Maik zuhause, woraufhin beide kurzerhand beschließen, in den kommenden zwei Wochen Ferien etwas ganz Besonderes zu unternehmen. Da sich Maiks Mutter (Anja Schneider) grade in einer Entzugsklinik befindet und der Vater mit seiner Arbeitskollegin verreist, ist der Weg geebnet, um mit einem geklauten Lada die ostdeutsche Provinz zu erkunden.

TschickFür die Verfilmung von Wolfgang Herrndorfs Jugendroman „Tschick“ haben sich gleich mehrere Regisseure für die Rechte beworben, woraufhin schließlich David Wnendt den Zuschlag bekam. Selbiger verabschiedete sich jedoch schon bald wieder von der Produktion, da es – so sagt man – kreative Differenzen gab, die einfach nicht beigelegt werden konnte. So kam schließlich der Hamburger Fatih Akin (Gegen die Wand) nur neun Wochen vor Drehstart an Bord, der nach langer Zeit nun ein fremdes Drehbuch verfilmen sollte.

Das Ergebnis dieser Arbeit könnte man recht zwiespältig betrachten, denn wo man Akin eine eigene Drehbuchadaption durchaus zugetraut hätte, ist selbige von Autor Lars Hubrich (Timur) dennoch so eigenständig, als das sie sich positiv von der Romanvorlage abhebt. Wo das Buch vornehmlich aus sehr witzigen Dialogen besteht, ist dies in „Tschick“ nun alles sehr reduziert. Stattdessen vertraut man den zwei Jungdarstellern und der Geschichte an sich, die zum einen vom Erwachsenwerden berichtet, zum anderen aber auch von einer tiefen Freundschaft, die anfangs noch gar nicht abzusehen war.

TschickIn einem alten Lada durch die ostdeutsche Provinz, was könnte es schöneres geben? Fatih Akin zeigt ein zuweilen tristes Deutschland, verbindet dies dann allerdings wieder mit einer ungemein interessanten Abenteuergeschichte, die gut und gerne an die Bücher über Tom Sawyer Huck Finn erinnert. Das Floss wird gegen einen Lada ausgetauscht, der Rest bleibt weitestgehend erhalten. Die einzelnen Etappen sind als kleine Episoden abgebildet, so besuchen unsere zwei kleinen Freunde beispielsweise eine Öko-Familie, erwehren sich einem Polizisten oder finden auf einem alten Schrottplatz eine verwahrloste junge Frau, die folglich natürlich schon bald ein Teil des Abenteuers werden wird.

Kameramann Rainer Klausmann (Der Untergang) konzentriert sich dabei zumeist auf das Wesentliche, wenn er die satten Farben von Brandenburgs Natur einfängt, das satte Gelb des Rapses und sich dann wieder auf die Gesichter der Jugendlichen konzentriert, in denen die Abenteuerlust nie zu verschwinden scheint. Es sind Gesichter die Neugierde ausstrahlen, Gesichter die Sehnsucht nach Neues vermitteln, gleichwohl aber auch Gesichter die eine innige Freundschaft offenbaren, wie man sie oft nur unter Kindern wiederfinden wird.

Neben einer wirklich wunderbaren Bildgestaltung von Rainer Klausmann, weiß aber auch die Musik von Vince Pope zu überzeugen. Passend zu den einzelnen Episoden vermittelt diese in erster Linie ein Gefühl von grenzenloser Freiheit, was zuweilen vom Tempo ordentlich anzieht, sich dann aber wieder genug Zeit lässt, wenn die Jungs unter einem riesigen Windrad den Tag ausklingen lassen.

Die großen Helden von „Tschick“ sind natürlich die kleinen Darsteller, von denen Tristan Göbel (Westen) als Maik überzeugt, allerdings Anand Batbileg als Tschick zu begeistern versteht. Letzterer ist so unglaublich natürlich mit einem frechen Mundwerk gesegnet, dass es einfach nur Spaß macht diesem zuzuhören.

Mit „Tschick“ liefert Fatih Akin eine wunderbare Coming-of-Age Geschichte ab, bei der zwei Jungs mit einem Lada die ostdeutsche Provinz erkunden. Abenteuerlust trifft die grenzenlose Freiheit, was will man mehr.

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Wir vergeben daher 7,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Studiocanal

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Tschick

Länge: 93 min

Kategorie: Comedy, Drama, Family

Start: 09.03.2017

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 93 min
Kategorie: Comedy, Drama, Family
Start: 09.03.2017

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