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Moonlight

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 5. März 2017

Moonlight

Als „Moonlight“ im letzten Jahr für das Filmfest in Toronto angekündigt wurde, war er ein Film unter vielen. Während des Festivals avancierte dieser schließlich zum Geheimtipp, woraufhin nicht nur die ersten Oscar-Nominierungen folgten, sondern schließlich auch die begehrte Auszeichnung als „Bester Film“.

MoonlightDer kleine neunjährige Chiron (Alex R. Hibbert) wächst in einem Vorort von Miami auf, wird allerdings aufgrund seiner schmächtigen Gestalt von allen nur Little genannt. Chiron ist ein Außenseiter in dieser von Schwarzen dominierten Gegend, wo Drogen verkauft werden und die Gewalt regiert. Das Verhältnis zur Cracksüchtigen Mutter Paula (Naomie Harris) ist auch nicht das Beste, doch zum Glück lernt er eines Tages den verständnisvollen Drogenhändler Juan (Mahershala Ali) kennen, der für ihn schon bald eine Art Ersatzvater wird. Zusammen mit dessen Freundin Teresa (Janelle Monáe) bilden sie schon bald eine Art Ersatzfamilie, doch auch mit diesen kann Chiron sich in seiner Gegend nur bedingt behaupten.

Viele Jahre später trägt Chiron (Ashton Sanders) als siebzehnjähriger zumindest seinen eigenen Namen, doch auch jetzt gilt er in der Schule als Außenseiter, kann er doch einfach nicht das ausleben, was er eigentlich zu sein glaubt. Zusammen mit dem gleichaltrigen Mitschüler Kevin (Jharrel Jerome) erlebt er seine ersten homosexuellen Erfahrungen, doch auch diese führen schließlich in die Gewalt, woraufhin er sich endlich zu wehren beginnt. Zehn Jahre später wird Chiron (Trevante Rhodes) schließlich aus dem Gefängnis entlassen, doch während es ihn erneut zurück in seine alte Gegend zieht, lebt er als Black ein denkbar anderes Leben, bis er erneut auf Kevin trifft.

MoonlightDer Verlauf eines halben Lebens, angefangen von der Kindheit bis hin zum Mann mittleren Alters, das könnte glatt an „Boyhood“ erinnern. Was zu Beginn vielleicht so klingt, entpuppt sich als wunderbares Drama von Barry Jenkins (Medicine for Melancholy), der mit grade einmal 5 Mio. US Dollar einen Film erschaffen hat, der es zu drei Oscars brachte. Im Fokus seiner Erzählung steht der schmächtige Chiron, der von Beginn an gehänselt wird und der es zu keiner Zeit schafft, sich irgendwie durchzusetzen. Der Verlauf eben dieses Lebens wird in drei zeitlichen Abschnitten erzählt, wobei Jenkins stets darauf bedacht ist, die Geschichte an sich voran zu bringen und stets neue Figuren mit einzuführen.

Neben der Figur des Chiron, ist das Zentrum in dem dieser agiert fast noch wichtiger, denn Jenkins lässt einen Vorort von Miami diesen prägen. Ein kleiner Stadtteil in dem fast ausschließlich Schwarze leben, in dem mit Drogen gedealt wird und wo Straftaten an der Tagesordnung sind. In diesem Stadtteil muss man ein echter Mann sein um zu überleben, um sich durchzusetzen, notfalls mit Gewalt. Genau dieser Stadtteil aber macht Chiron über Jahre hinweg Schwierigkeiten, genau dieser Stadtteil ist es aber auch, der ihn in „Moonlight“ über fast drei Jahrzehnte hinweg prägen wird.

MoonlightVom schmächtigen Little, über den jugendlichen Außenseiter Chiron, bis hin zum knallharten Drogendealer Black, ein Leben mit Höhen und Tiefen, aber auch ein Leben, bei dem für homosexuelle Tendenzen absolut kein Platz sein soll. Es ist ein Leben im Verborgenen, ein Leben abseits der Normalität, gleichwohl aber auch ein Leben voller Entwicklungen und einer Suche, die irgendwann in Selbsterkenntnis enden soll.

Die dreigeteilte Erzählung unterstützt Barry Jenkins und sein Kameramann James Laxton (The Black Jacket) zusätzlich mit einer einzigartigen Bildsprache, die jeweils zwischen den Kapiteln wechselt. Im ersten Kapitel arbeiten beide durch eine ganz besondere Technik die feinen Nuancen der schwarzen Hautfarbe heraus, im zweiten folgen leichte Blautöne, im letzten schließlich Rottöne, wodurch die Entwicklung Chirons zusätzlich verdeutlicht wird.

„Moonlight“ ist ein ungemein wichtiger Film, denn selbst heute ist Homosexualität unter Afroamerikanern alles andere als normal, weshalb ein Coming Out alles, nur eben nicht Selbstverständlich ist. Man kann nur hoffen, dass dieser Film schwarzen Jugendlichen Mut geben wird, sich nicht selbst zu verleugnen und das auszuleben, was sie womöglich insgeheim schon lange für sich selbst entdeckt haben.

Barry Jenkins ist mit seinem zweiten abendfüllenden Spielfilm ein kleines Juwel gelungen, denn mit nur 5 Mio. US Dollar erschuf dieser einen Film, der vielfältige Probleme der afroamerikanischen Bevölkerung in Problemvierteln anspricht. Unbedingt ansehen.

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Moonlight

Länge: 111 min

Kategorie: Drama

Start: 09.03.2017

cinetastic.de Filmwertung: (8/10)

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Moonlight

Moonlight

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 111 min
Kategorie: Drama
Start: 09.03.2017

Bewertung Film: (8/10)

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