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Jahrhundertfrauen

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 26. März 2017

Jahrhundertfrauen

In seiner zweiten Regiearbeit namens „Beginners“ verarbeitete Regisseur Mike Mills das späte Coming Out seines Vaters, mit „Jahrhundertfrauen“ widmet er sich nun dem Leben seiner Mutter. Diese zog Mike nämlich ebenso alleine auf und war mit dem Problem konfrontiert, wie man die Rolle des Vaters ausfüllen sollte, um den Jungen auf das spätere Leben vorzubereiten.

JahrhundertfrauenSanta Barbara im Jahre 1979: Dorothea Fields (Annette Bening) wurde mit ihrem Sohn Jamie (Lucas Jade Zumann) erst mit 40 Jahren schwanger, was nicht nur von engen Freunden, sondern auch von allen anderen Menschen kritisiert wurde. Dorothea machte sich daraus ebenso wenig, wie aus dem Verschwinden ihres Mannes, woraufhin sie Jamie bestmöglich erzog. Dieser ist inzwischen 15 Jahre alt und zumindest jetzt merkt Dorothea, dass sie diesen und seine Einstellung zum Leben immer weniger versteht.

Ein Vaterersatz muss dringend her, doch ausgerechnet dieser ist einfach nicht zu finden. Zusammen mit ihrer Mitbewohnerin Abbie (Greta Gerwig) und der Nachbarstochter Julie (Elle Fanning) wird schließlich ein Erziehungsplan geschmiedet, doch obwohl sie alle drei Jamie jede Menge zu vermitteln haben, will dies nur bedingt funktionieren. Als Jamie sich schließlich auch noch in Julie verliebt, scheint der Plan vollends in allen Punkten zu scheitern.

JahrhundertfrauenÄhnlich wie seine zweite Regiearbeit soll auch „Jahrhundertfrauen“ wieder autobiografische Züge haben, obwohl natürlich nur die Idee an sich dem eigenen Leben von Regisseur Mike Mills entnommen wurde. Hauptdarstellerin Annette Bening (American Beauty) brachte dieser Film dennoch eine Golden Globe und eine Oscar-Nominierung ein, auch wenn es dann doch auf der Zielgraden nicht ausreichen sollte.

Das Drehbuch von Mike Mills erweist sich diesmal als ganz besonderer Glücksgriff, denn „Jahrhundertfrauen“ vereint gleich drei Generationen von Frauen, die mit ihrer Einstellung zum Leben kaum unterschiedlicher sein könnten. Dorothea wurde in den 1920er Jahren geboren und erlebte aktiv die Große Depression mit, die 25-jährige Abbie zog nach einer Krebsdiagnose von der Großstadt nach Santa Barbara und ist in der Punk-Szene fest verwurzelt, während die 17-jährige Nachbarstochter Julie in Jamies Bett schläft, die eigentliche Freundschaft durch Sex jedoch nicht gefährden will.

JahrhundertfrauenAlle diese Frauen könnten unterschiedlicher kaum sein, woraufhin sich eine recht lebhafte, zuweilen auch ungemein witzige Coming-of-Age Geschichte entwickeln soll. Das Besondere ist dabei allerdings, dass es mit Dorothea und Jamie gleich zwei Voice-Over-Erzähler gibt, die sich abwechseln, zuweilen aber auch vom selben Geschehen berichten, wodurch zwei grundverschiedene Perspektiven entstehen. Bei den einzelnen Figuren und Szenen wird dabei stets das Jahr der Figuren mit eingeblendet, denn Mike Mills versucht in erster Linie mit den verschiedensten Generationen arbeiten zu wollen, welche sich wiederrum nicht scheuen einander zu verstehen.

So begibt sich Dorothea beispielsweise in einen Club um mehr über die grauenvolle Musik ihres Sohnes zu erfahren, Abbie kauft Jamie sein erstes Bier und unterrichtet ihn nebenbei in Sachen Emanzipation der Frau, wodurch dieser sich als durchaus geschickter Frauenversteher und Verführer entpuppt. Dabei wird der Aspekt von Abbies Krebserkrankung eher unterschwellig behandelt, denn der Fokus verlagert sich mehr und mehr auf die Beziehung von Jamie und Julie, die bestens für einander geschaffen sind, dies sich einander aber nicht eingestehen können.

„Jahrhundertfrauen“ lebt bei alledem in erster Linie von seinen fein gezeichneten Figuren und von den starken Darstellerinnen, die eben diese verkörpern. Für Annette Bening ist dies zweifelsohne eine der besten Rollen ihres Lebens, aber auch Greta Gerwig (Frances Ha) braucht sich hier nicht zu verstecken. Diese kann nämlich endlich einmal ein Stück weit aus ihrer sonst üblichen Rolle ausbrechen, die in den letzten Filmen beinahe schon etwas ermüdend wirkte. Nicht unerwähnt darf aber auch Elle Fanning (The Neon Demon) nicht bleiben, die als Freundin mit der einen oder anderen – größeren – Macke eine durchaus überzeugende Darstellung abgegeben hat.

Mit „Jahrhundertfrauen“ widmet sich Mike Mills gleich mehreren Frauengenerationen, die alle auf ihrer Art und Weise versuchen einen jungen Mann fürs Erwachsenenalter vorzubereiten. Großartig gespielt und zuweilen ungemein komisch.

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Wir vergeben daher 7,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: 20th Century Fox

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Jahrhundertfrauen

Länge: 119 min

Kategorie: Comedy, Drama

Start: 18.05.2017

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 119 min
Kategorie: Comedy, Drama
Start: 18.05.2017

Bewertung Film: (7,5/10)

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