cinetastic.de - Living in the Cinema

Silence

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 20. Februar 2017

Silence

Mit seinen 74 Jahren zählt Regisseur, Drehbuchautor und Oscargewinner Martin Scorsese noch lange nicht zum alten Eisen, denn noch immer präsentiert dieser dem Zuschauer beinahe jährlich einen neuen Film, wobei „The Irishman“ für 2018 bereits in der Entwicklung ist. Mit seinem monumentalen dreistündigen Drama „Silence“ verwirklicht Scorsese nun ein Langzeitprojekt, das er am liebsten bereits vor zwanzig Jahren fertiggestellt hätte.

SilenceJapan im Jahre 1638: Die beiden Priester Sebastião Rodrigues (Andrew Garfield) und Francisco Garrpe (Adam Driver) begeben sich auf eine lange Reise, um von Portugal ins weit entfernte Japan zu reisen und sich selbst von einer Ungeheuerlichkeit zu überzeugen. Dort sollen nämlich alle Christen verfolgt worden sein, zeitgleich soll ihr Lehrmeister Cristóvão Ferreira (Liam Neeson) dem christlichen Glauben abgeschworen haben, was einfach nicht möglich sein kann.

In Japan angekommen, offenbart sich beiden ein grausames Bild. Christen werden verfolgt, gefoltert und gekreuzigt, doch ein paar wenige Dörfer sehnen sich nach einem Pater, um die Absolution zu erhalten. So werden Sebastião und Francisco tagsüber im Keller einer alten und verlassenen Hütte im Wald versteckt, um des Nachts die Bewohner zu segnen. Eine Qual für die beiden Priester, die sie nicht länger aushalten können. Kaum aus dem Haus heraus, werden beide auch schon gesehen, woraufhin bereits am nächsten Tag eine Reihe von Samurai ins Dorf kommen und an den Bewohnern ein Exempel statuieren.

Nach seinem Oscar-nominierten Drama „Die letzte Versuchung Christi“ (1988) widmet sich Martin Scorsese (GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia) erneut dem Glauben. Im Grunde wollte er „Silence“ bereits vor mehr als zwanzig Jahren verfilmen, denn im Jahre 1989 saß Scorsese in einem japanischen Zug, um bei einem Film von Akira Kurosawa mitzuspielen. In eben jenem Zug hat er „Silence“ von Shusaku Endo gelesen, dessen Buch bereits im Jahre 1966 erschien und allein in Japan rund 800.000 Mal verkauft wurde.

SilenceBasierend auf dem großen Erfolg der Vorlage, wurde „Silence“ bereits zwei Mal zuvor verfilmt. Masahiro Shinoda widmete sich dem Stoff im Jahre 1971, João Mario Grilo im Jahre 1994. Wer nun allerdings glaubt, es mit einem dritten Aufguss zu tun zu haben, der liegt falsch, denn auch diesmal verpasst Martin Scorsese dem Stoff seine ganz eigene Note.

Die Kreuzzüge zählen zweifelsohne zu den dunkelsten Kapiteln der europäischen Geschichte, dass sich ähnliches aber auch in Japan ereignet haben soll, wissen wohl die wenigsten von uns. Scorsese erzählt daher die monumentale Geschichte zweier portugiesischer Priester, die vom Glauben geleitet nach Japan gehen, um sich auf die Suche nach ihrem Lehrmeister zu begeben und den christlichen Glauben zu verbreiten. Eben jener Glaube wird allerdings offen von der japanischen Regierung unterdrückt, was Scorsese zuweilen in überaus brutalen Bildern darlegt.

Christen werden gefoltert, niedergeschlagen, enthauptet und tagelang an einem Pfahl im Meer gekreuzigt, Szenen wie diese offenbaren das damalige Grauen nur zu gut, wodurch es dem Zuschauer ein ums andere Mal die Sprache verschlägt. Es geht Scorsese aber nicht nur um das dargelegte Leid, es geht ihm vor allem um den Glauben an sich, wenn er immer wieder Sebastião Rodrigues zeigt, wie dieser einfach nicht verstehen kann, warum Gott all dies Leid in Japan überhaupt zulassen kann.

SilenceGegenspieler in diesem düsteren Drama ist der japanische Inquisitor Inoue (Issey Ogata), der mit einem verschmitzten Lächeln sich jederzeit der aktuellen Situation bewusst ist. Er weiß ganz genau, dass es nichts bringt, Rodrigues zu foltern, dass es nichts bringt, ihn zu töten, denn dann werden die Christen Japans nur noch mehr an ihrem Glauben festhalten. Inoue will ihn brechen, er will ihn überzeugen, dem Glauben abzuschwören, wodurch ein wirklich einmaliger Konflikt zwischen beiden entsteht.

Obwohl „Silence“ mit seinen 161 Minuten ein echter Brocken von einem Film ist, gibt es kaum Gelegenheit, durchzuatmen. Viel zu interessant ist die dargelegte Geschichte, viel zu schön die Bilder von Kameramann Rodrigo Prieto (Argo), der sich vornehmlich einer sehr grauen und sehr dunklen Bildsprache bedient. In nur wenigen Szenen ist wirklich Sonne zu sehen, so etwa in einer kurzen Szene, in der Rodrigues und Garrpe ihrem Keller entsteigen und sich den Strahlen der Sonne hingeben.

Martin Scorsese verwirklicht mit „Silence“ ein Langzeitprojekt, wenn er die Verfolgung von Christen im Japan des 17. Jahrhunderts als brutales Drama inszeniert. Überaus spannend, aber auch eine echte Tortur bei über 160 Minuten Länge.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 7,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Concorde

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden
Silence

Länge: 161 min

Kategorie: Drama, History

Start: 02.03.2017

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (0,0/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten!

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

Silence

Silence

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 161 min
Kategorie: Drama, History
Start: 02.03.2017

Bewertung Film: (7,5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (0,0/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten