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Hitlers Hollywood

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 7. Februar 2017

Hitlers Hollywood

Die milliardenschwere Filmindustrie wird nicht selten dafür genutzt, um unterschwellige Werbebotschaften zu verbreiten. Was heute allerdings rein auf den Kommerz ausgerichtet ist, wurde vor über 70 Jahren zur politischen Meinungsmache genutzt, um das Volk bereits frühzeitig auf die kommenden Ereignisse einzustellen. Filmkritiker und Regisseur Rüdiger Suchsland hat das wohl dunkelste Kapitel des deutschen Films aufgearbeitet und stellt sich dabei die Frage: „Was weiß das Kino, das wir nicht wissen?“

Hitlers HollywoodAls einer der bekanntesten deutschen Filmkritiker beschäftigt sich Rüdiger Suchsland bereits seit vielen Jahrzehnten mit dem Film und dessen Entstehungsgeschichte. In seiner ersten Regiearbeit widmete er sich dem deutschen Film in der Weimarer Republik bis 1933, mit „Hitlers Hollywood“ knüpft er dort nahtlos an.

Zwischen 1933 und 1945 wurden über eintausend Filme in Deutschland gedreht, die wenigsten davon waren unabhängige Produktionen. Der Großteil ging direkt über den Tisch von Reichspropagandaminister Goebbels, der nicht nur die Geschichten aussuchte die verfilmt wurden, sondern auch direkt am Erfolg und Nichterfolg eines Schauspielers beteiligt war, war dieser doch zumeist selbst für die Besetzung verantwortlich. Zwischen leichter Unterhaltung in Form von Komödien und Musicals sollte vor allem die NS-Ideologie verbreitet werden, was mit dem U-Boot-Drama „Morgenrot“ (1933) als letzter Film der Weimarer Republik bereits eingeleitet wurde.

Hitlers HollywoodDie Gemeinschaft steht im Vordergrund, zusammen kann man alles erreichen, zur Not geht man gemeinsam in den Tod. Diese Botschaft zieht sich durch einen Großteil aller Filme, denn der Tod wurde im nationalsozialistischen Film verherrlichend dargestellt. Die Darsteller starben im Sonnenuntergang, gemeinsam mit ihren Liebsten oder glücklich einschlafend, wodurch die politische Zielrichtung beim deutschen Volk bereits unterschwellig vorgegeben wurde.

Rüdiger Suchsland geht in „Hitlers Hollywood“ chronologisch vor, wenn er unzählige Ausschnitte aus zahlreichen Filmen aneinanderreiht und dazu selbst per Voice-Over spricht, was dem Werk eine zusätzliche persönliche Note verleiht. Die deutsche Traumfabrik wird dabei aber nicht nur als Medium der Propaganda dargestellt, denn selbst in der Zeit des Nationalsozialismus gab es wirklich sehenswerte Filme. Einer der größten war ganz ohne Frage Helmut Käutners „Große Freiheit Nr. 7“ (1944), Filme wie „Jud Süß“ (1940) waren dagegen der letzte Schritt der Ausrottung der Juden, während der monumentale „Kolberg“ (1945) selbst das Ende des Zweiten Weltkriegs verherrlichte und das Volk zum durchalten aufforderte.

Hitlers Hollywood„Hitlers Hollywood“ ist aber nicht nur eine beeindruckende Dokumentation über den Film des NS-Regimes, es ist vor allem ein Bildnis dessen, wovon seinerzeit die Menschen träumten und wie mit eben diesen Träumen und Wünschen ein ganzes Volk indirekt beeinflusst werden konnte. Stars wie Hans Albers, Heinz Rühmann, Zarah Leander, Ilse Werner, Marianne Hoppe, Gustav Gründgens und viele andere haben dieses Vorgehen unterstützt, doch kann man ihnen deswegen einen Vorwurf machen?

Mit „Hitlers Hollywood“ präsentiert Rüdiger Suchsland die wohl umfassendste Dokumentation zum deutschen Film in der Zeit des NS-Regimes. Interessant, beeindruckend und erschreckend zugleich, wie mit dem Medium Film ein ganzes Volk beeinflusst werden konnte.

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Copyright: Farbfilm

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Hitlers Hollywood

Länge: 106 min

Kategorie: Documentary

Start: 23.02.2017

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 106 min
Kategorie: Documentary
Start: 23.02.2017

Bewertung Film: (7/10)

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