cinetastic.de - Living in the Cinema

A Cure For Wellness

Geschrieben von Frank Schmidke am 15. Februar 2017

Ein neuer Film vom „Piraten der Karibik“-Regisseur Gore Vetbinski ohne Johnny Depp? Kann das gut gehen? Abgesehen von „The Weather Man“ (2005) hat Verbinski quasi ausschließlich Filme gedreht, in denen Depp mitwirkte, sogar in dem Animationswestern „Rango“. In „Cure for Wellness“ findet sich Hauptdarsteller Dane Dehaan als karrieregeiler Börsenhändler in einem obskuren Sanatorium in der Schweiz wieder. Das ist klassischer Gruselstoff der in rund zweieinhalb Stunden atmosphärisch und bildstark ausgerollt wird.

Der CEO, wie man neudeutsch ein geschäftsführendes Vorstandsmitglied nennt, eines großen Wertpapierhändlers ist verschwunden. Die Firma, die kurz vor einer Fusion steht, braucht aber dessen Unterschrift. Da trudelt ein ominöser Brief von Pembroke, jenem CEO ein, worin er sein bisheriges Leben als krankhaft empfindet und nun in der Schweiz auf Heilung hofft.

Der gerade beförderte Lockhart (Dane Dehaan) wird daraufhin vom restlichen Vorstand genötigt, Pembroke innerhalb kürzester Zeit zurückzuholen. Doch ganz so einfach geht das nicht. Schon die Ankunft in dem Sanatorium am Fuße der Schweizer Alpen geschieht außerhalb der Besuchszeiten und auch das arrogante, wichtigtuerische Insistieren Lockharts ändert nichts am Routineablauf der Klinik. Auf dem Rückweg ins Dorf prallt das Auto mit einem Hirsch zusammen und Lockhart wacht erst Tage später wieder in dem Sanatorium auf.

Volmer (Jason Isaacs) der Leiter der Institution beruhigt Lockhart, seine Firma sei unterrichtet und er solle sich hier als Gast – nicht als Patient – erst einmal erholen, bevor er mit Pembroke zurück nach New York fährt. In der Zwischenzeit empfehle es sich, viel Wasser zu trinken, die hiesige Heilquelle seien schließlich weltberühmt.

Schon das musikalische Thema von „A Cure for Wellness“ kommt dem Horrorfilm-Fan seltsam bekannt vor, handelt es sich doch um eine Melodie aus Roman Polanskis „Rosemarys Baby“ von 1968. Und im Verlauf der Geschichte von Drehbuchautor Justin Haythe („Lone Ranger“, „Zeiten des Aufruhrs“) hat der Zuschauer einige Wiederbegegnungen mit Versatzstücken aus rund 200 Jahren Grusel und Gothic-Literatur und entsprechenden Verfilmungen.

Daran ist nicht viel auszusetzen, gelingt es Regisseur Verbinski und vor allem Kameramann Bojan Bazelli („Lone Ranger“, „Ring“) doch, eine durchgestylte Bildwelt zu präsentieren, die mit dem für Gruselfilme quasi obligatorischen  Übergang in eine andere Welt beginnt. Der spiegelartig reflektierene Hochgeschwindigkeitszug taucht in den Bergtunnel ein und Lockhart findet sich in einem verschnarchten Dorf wieder, das wirkt, als hätte es den Schritt in die Moderne nicht vollzogen. Optisch ist diese Koproduktion, die auch im Berliner Studio Babelsberg entstand und mit einigen deutschen Darstellern in kleinen, netten Rollen punktet, auf Hochglanz poliert.

Das erinnert an Jonathan Harkers Rise nach Transsylvanien und das Sanatorium selbst ist reinster „Zauberberg“ nach Thomas Mann, bevölkert mit selbstbezogenen, siechenden und leidlich schrägen Patienten. Die Wasserkuren gemahnen an „Willkommen in Wellville“ nach dem Roman von T.C. Boyle. Die Liste der Verweise, die der aufmerksame und vorgebildete Zuschauer erkennen kann, ließe sich unendlich fortsetzen. Hierin ist „A Cure For Wellness“ der Science-Fiction-Romanze  „Passengers“ ähnlich, funktioniert aber ungleich unterhaltsamer, denn Dane Dehaan gelingt es über die etwas zu lange Spielzeit immer wieder, ebenso verstört wie angepisst zu wirken und so die emotionale Spannung hochzuhalten.

Natürlich braucht es für diese Art von Gothic Horror auch einen roten Faden, der sich in der mysteriösen Gestalt des Mädchens Hannah (Mia Goth) manifestiert, die in ihrer ätherischen Weise so gar nicht in dieses Sanatorium für alte Leute passen mag. Ihre Geschichte scheint mit der wechselvollen und tragischen des Institutes selbst verwoben zu sein. Und auch die heilenden Kräfte des Wassers verbergen einen Schrecken. Aber das hat sich ja schon zu Filmbeginn angedeutet.

Lockhart spürt diesen Geheimnissen notgedrungen nach, um sein karriereförderndes Ziel zu erreichen. Kommt diesem aber keinen Schritt näher, jedes Mal elegant und charismatisch vom Vollmer behindert und ausmanövriert. Jason Isaacs („Harry Potter“) überzeugt in der Rolle des Hausherren, ohne dabei seinen diabolischen Fertigkeiten als Filmfiesling auspacken zu müssen. Wie etwa in „Der Patriot“ oder zuletzt in „Sweetwater“ (2013). Überhaupt findet man diesen großartigen britischen Schauspieler in den vergangenen Jahren häufiger in TV-Serien als auf der Leinwand.

Alles in allem ist „A Cure For Wellness“ ein stimmiger, vielleicht etwas zu lang geratenen klassischer Gruselfilm mit modernem Touch. Das eklektizistische Filmkonstrukt weiß über weite Strecken zu unterhalten, sofern der Zuschauer da keine grundsätzlichen Vorbehalte hat.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Twentieth Century Fox

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden

Länge: 147 Minuten

Kategorie: Mystery , Thriller

Start: 23.02.2017

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (0,0/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten!

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

A Cure For Wellness

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 147 Minuten
Kategorie: Mystery , Thriller
Start: 23.02.2017

Bewertung Film: (7/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (0,0/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten