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Gaza Surf Club

Geschrieben von Frank Schmidke am 27. Januar 2017

Hierzulande ist vom Gazastreifen eigentlich nur im Zusammenhang mit der Politik die Rede. Im scheinbar endlosen Nahost-Konflikt zwischen Israel und Palästina, nimmt das Küstengebiet um Gaza-Stadt allerdings auch noch eine Sonderstellung ein, weil es von dem Hauptgebiet palästinensischer Autonomie räumlich getrennt ist. Wie die Menschen dort leben, kann man sich nur schwer vorstellen. Die Doku „Gaza Surf Club“ beschäftigt sich mit den Träumen und Hoffnungen einiger junger Leute in Gaza und mit ihrer Leidenschaft für das Wellenreiten.

Das Küstengebiet des Gaza-Streifens ist überschaubar, spielt aber im Leben der Menschen kaum eine Rolle. Gebadet wird hier kaum, ganz zu schweigen vom Strandleben, das nicht stattfindet, wie es etwa bei uns in den Sommermonaten zelebriert wird.  Der Mittvierziger Abu Jayab allerdings lebt am Strand, er hat ein schmales Auskommen als Fischer und sieht sich als Mentor der kleinen, sehr überschaubaren Surf-Community der Stadt. Vor allem wenn Abu über das Leben im Gaza-.Streifen redet, werden die Entbehrungen und Enttäuschungen deutlich, die die politischen Entwicklungen mit sich bringen und so das Leben der Menschen einschränken. Das Leben in Gaza sei eine Hoffnung von der Geburt bis zum Tod, sagt Abu Jayab.

Ibrahim allerdings, ein junger Mann, der sich dem Surfen verschrieben hat, hat Pläne. Er will einen Gaza Surf Club etablieren. Doch es hapert an fast allem. Eine Art Jugendclub ist noch im Stadium der Idee begriffen, das Equipment im Grunde nicht zu bekommen. Surfbretter dürfen nicht nach Gaza importiert werden und den Jungs vor Ort fehlt es an Material und Know-how, um selbst welche zu bauen. Aber ein amerikanischer Surfer, der Gaza besucht hat, verspricht Unterstützung, wenn Ibrahim ein Visum für die USA bekommt. Ein Praktiumsplatz in einer Board-Fabrik sei kein Problem. Doch das Visum  ist nicht so leicht zu bekommen.

Auch die junge Sabah träumt vom Surfen. Schon als junges Mädchne hat sie ein ausländischer TV-Sender beim Wellenreiten gefilmt, doch seither  hat sich die Politik geändert und unter Führung der Hamas gilt es für Frauen als nicht mehr schicklich zu baden oder Wassersport zu betreiben. Dabei wäre Sabahs Vater der erste, der seine Tochter beim ihrem Wassersport unterstützt.

Die Filmmacher Philip Gnadt und der in Kairo aufgewachsene Mickey Jamine, der den Film auch produziert hat, hatten weniger eine Sportdoku im Sinn, als vielmehr einen Einblick in einen uns fremden Alltag, als sie 2012 die Arbeiten an „Gaza Surf Club“ begannen. So verwundert es auch nicht eben, dass die eher wenigen  Aufnahmen des Wellenreitens kaum spektakulär ausgefallen sind. Stattdessen kommt die Doku den Protagonisten recht nahe und schafft es Lebewelten zu zeigen, die uns hierzulande ziemlich fremd sind. Darin ist „Gaza Surf Club“ dem jüngst im Kino gestarteten „Junction 48“ ähnlich, auch wenn dort eine fiktive Geschichte erzählt wird.

„Gaza Surf Club“ ist in seiner Dramaturgie eine Art Langzeitbeobachtung, die dann auch auf ein offenes Ende zusteuert. Ibrahim gelingt es ein USA-Visum zu bekommen, aber bei Beendigung der Dreharbeiten, war er noch nicht wieder nach Gaza zurückgekehrt, auch wenn er dies fest vorhat. Und auch wenn der „Gaza Surf Club“ schon Sticker und Caps hat, ist die Zukunft des Projektes doch höchst unsicher.

In der Doku „Gaza Surf Club“ gelingt es, auf unaufgeregte Weise einen kurzen Blick auf das Leben unter schwierigen Umständen zu werfen und auch zu zeigen, wie wichtig es dennoch ist, eine Vision zu haben, um zu überleben.

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Länge: 86 Minuten

Kategorie: Documentary,

Start: 30.03.2017

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Gaza Surf Club

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 86 Minuten
Kategorie: Documentary,
Start: 30.03.2017

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